Foodtruck Arena Review | Da hatte ich wohl Tomaten auf den Augen

Das Partygame Foodtruck Arena bringt drei Dinge zusammen, die eigentlich schon immer zusammengehörten: Essen, Autos und Fußball.

Als ich mir einen schmissigen Einstieg für diese Review überlegt habe, hat mein stumpfes Gehirn nur die Assoziation Auto zustande gebracht. Wow, danke für nichts. Dann ist mir aufgefallen, dass ich in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum mit meinem eigenen Gefährt gefeiert habe. Mein kleiner Fiat 500 in Metallic-Blau, den ich damals Alonso getauft habe und auf den ich mächtig stolz war. Selbst dann noch, als ich ihm zu unserer ersten gemeinsamen Weihnachtszeit ein Geweih und eine rote Nase aufgesetzt und von meinen Mitschüler_innen Häme geerntet habe: „Du schämst dich auch echt für gar nix, oder?“ Naja, schön wäre es. In der letzten Woche habe ich tatsächlich zum ersten mal lose darüber nachgedacht, ihn zu verkaufen. Dabei hat er mir immer gute Dienste geleistet. Eines seiner Features, das wirklich Gold wert ist und das ich mir auch im Auto-Fußball-Spiel Foodtruck Arena gerne gewünscht hätte: Sein unschlagbar kleiner Wendekreis.

Wenn’s knallt noch nen Meter!

Über die Frage „Kommst du da wirklich rum?”, die mir in der Vergangenheit häufiger mit nervöser Stimme vom Beifahrer_innensitz entgegengebibbert wurde, kann ich nur müde lächeln. Alonso kommt um die kurvigste Kurve. Bei den Gefährten in Foodtruck Arena sieht das leider anders aus. Aber von Anfang an: Offensichtlich hat das Partygame irgendetwas mit Food zu tun, womit klar war, dass ich ran muss. Allen, die gerade Fragezeichen in den Äuglein haben, sei unsere Foodgames-Podcastfolge ans Herz gelegt, in der wir uns diesem wunderbaren Genre gewidmet haben. Gleich zu Beginn kann ich schon einmal verraten, dass meine anfängliche Euphorie schnell gedämpft wurde. Bis auf die Tatsachen, dass in den Gefährten rein theoretisch Essen zubereitet werden könnte und dass Foodball (ist nicht mein Gag, steht so auf der Seite der Entwickler_innen von Cat-astrophe Games. Wow, Wortspiele können die.) mit einer Tomate gespielt wird, hat das Ganze mit Food nicht viel zu tun. 

Das Prinzip ist einfach: Ein Spielfeld, zwei Tore, zwei Foodtrucks. Wer zuerst drei Mal die Tomate ins gegnerische Tor serviert hat (nehmt das, Cat-astrophe Games), gewinnt. Es gibt einen freien Modus, in dem ich gegen den Computer oder bis zu drei physisch anwesende Freund_innen antrete und einen Story-Modus. Das Wort Story ist hier allerdings nicht wirklich passend. Zu Beginn meines Foodtruck-Fußball aka Tomaten-Turniers werden mir verschiedene Charaktere vorgestellt. Da haben wir zum Beispiel Ryo aus Japan, der einen eher schlichten Foodtruck im Stil japanischer Häuser fährt. Tanvi aus Indien ist die „Königin des Chutneys”, den sie aus einem sehr niedlichen Bus serviert, der an einen alten VW-Bulli erinnert. Jean-Pierre aus Frankreich ist stolzer Besitzer eines rosafarbenen Eiswagens, der nicht so ganz zu seinem grauen Irokesenschnitt und seinen stattlichen Muskeln passen will. In seinem Vorstellungstext wird erwähnt, dass er auf seinem Weg in die kulinarische Elite von seinem Ehemann unterstützt wird.

Foodtruck Arena setzt ausgelutschten Klischees das Sahnehäbchen auf

Die Sache mit dem Ehemann erwähne ich deshalb so explizit, weil dieses Detail mir durch seine Unauffälligkeit aufgefallen ist.* Ich mochte die Tatsache, dass die Anwesenheit eines queeren Charakters beiläufig erwähnt wird und nicht aufgesetzt wirkt. Generell ist das Spiel durch die Köch_innen aus den unterschiedlichen Ländern einerseits sehr divers, andererseits aber auch sehr von Klischees geprägt. Der Japaner trägt ein Stirnband und steht in einer Art Kung-Fu-Stellung da, die Mexikanerin hat eine Wrestling Maske im Gesicht, der Italiener Ismael verkauft Pizza und streckt mir seine Hand in einer „typisch italienischen” Geste entgegen. Ich war etwas zwiegespalten, ob ich den Multi-Kulti-Ansatz cool finde, oder ob mir die Stereotypen nicht doch zu ausgelutscht sind. Jeder der Charaktere hat außerdem eine Spezialfähigkeit, die im Match Vorteile bringen soll. Ryo ist besonders schnell, Jean-Pierre kann seine Gegner_innen vereisen, Ismael verteilt glitschige Tomatensoße auf dem Spielfeld. Bisschen plump, oder?

Das Fußballspiel selbst hat sich für mich erst einmal als unspielbar erwiesen. Egal was ich gemacht habe, der Wagen hat völlig willkürlich reagiert. Ein Blick in die Einstellungen hat verraten, dass es zwei Kontrollmodi gibt: Relativ zur Drehung des Fahrzeugs und mit den Himmelsrichtungen. Nachdem ich mich aber sowas von schnell von der relativen Steuerung verabschiedet habe, konnte ich mein Fahrzeug zumindest grob in die Richtung lenken, die ich einschlagen wollte. Denn alles in allem muss ich sagen, dass ich die Steuerung wirklich als unterirdisch empfunden habe. Ich kann vorwärts und rückwärts fahren und springen, wenn ich mich mal irgendwo verhakt habe. Allein, dass ein Truck springen kann, ist schon komisch. Alles ist aber so träge und unpräzise, dass ein gezieltes Tor fast unmöglich erscheint. Die drei Tore, die ich zum Sieg erlangen muss, lassen deshalb oft ziemlich lange auf sich warten.

Foodgame ist nicht gleich Foodgame

Ich weiß nicht, ob ich es als Glück oder Pech bezeichnen soll, dass sowohl mein menschlicher Gegner, mit dem ich den Multiplayer gespielt habe, als auch die Computer genauso planlos zu sein schienen wie ich. Eigentore und seltsame Kamikaze-Fahrten gegen die Wand waren keine Einzelfälle. Auch die Spezialfähigkeiten erwiesen sich nicht wirklich als hilfreich, sondern waren entweder nervig oder haben nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Dass ich in den meisten Fällen eine bestimmte Anzahl Tore erreichen musste, um weiterspielen zu können, wurde schnell zu meiner einzigen Motivation. Der Spaß am Spiel war es leider definitiv nicht. Die „Story” besteht übrigens darin, dass mein Charakter sich durch die Teilnahme an einem internationalen Turnier einen der begehrten Michelaine Sterne erspielen möchte. Gewinne ich, teilt ein schnöder Satz auf dem Bildschirm mir mit, dass es allen Gästen geschmeckt hat. Verliere ich, gibt’s einen schnöden Satz, der das Gegenteil behauptet.

Zumindest optisch aber hat Foodtruck Arena mir gut gefallen. Alles ist in pastelligen Farben gehalten – damit kann man mich einfach immer triggern. Bevor ich in Sachen Wohnungseinrichtung Kompromisse eingehen musste, sah es bei mir Zuhause aus wie in einer überdimensionierten Puppenstube. Aber Geschmäcker ändern sich – und deshalb bekommen wir auch die Möglichkeit, neue Skins für unsere Foodtrucks freizuschalten. Das ist zwar ganz cool, denn damit kann ich Jean-Pierre endlich einen schwarzen Badass-Eiswagen verpassen, der besser zu seinem Outfit passt. Trotzdem zieht dieses Feature den Karren leider nicht aus dem Dreck. Anders als bei Alpaca Ball: Allstars, das sich ebenso willkürlich steuert, fehlt mir in Foodtruck Arena einfach das Besondere. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass wir uns bei einem WTLW Foodtruck-Arena Turnier ebenso sehr beömmeln würden wie über Alpakas, die über ihre viel zu langen Hälse stolpern. Ich stelle schweren Herzens fest: Food und Pastell sind nicht immer genug.

3/10 🍅 🚚

Developer: Cat-astrophe Games
Publisher: Gaming Factory S.A.
Genre: Partygame, Multiplayer
Team: Paweł Wojciechowicz, Joanna Lipińska (Game Design), Barnaba Mikułowski, Joanna Lipińska (Story), Barnaba Mikułowski, Paweł Wojciechowicz, Adrianna Matejek (Art), Michalis Kamburelis, Michał Macikowski (Development
Musik: Krzysztof Kowal
Veröffentlichung: 2. Juli 2021 (Steam, Xbox One, Switch)

*Anmerkung: Wir als Redaktion sind uns natürlich bewusst um eventuelles Queer-Coding (wie in unserem Podcast zu Heteronormativität in Games bereits besprochen) und haben zu dieser Thematik in diesem Spiel länger diskutiert. Da der rosafarbene Van zum generellen Pastell-Stylezum Design und zum fluffigen Eiswagen-Design passt und damit eher den Charakterbruch sucht, gehen wir nicht davon aus, dass der einzige queere Charakter im Spiel, extra diesen Van verpasst bekommen hat, geben aber zu bedenken, dass diese bildhaften Verfestigungen immer wieder in Spielen auftauchen und im Kontext der sonstigen Klischees im Spiel durchaus eine Möglichkeit darstellen.


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