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Backbone | Tierisch gute Ermittlungsarbeit

Zusammen mit Publisher Raw Fury bringt EggNut mit Backbone eine echte Augenweide der Pixelkunst heraus.

Noir in Spielen funktioniert bei mir immer. Ich liebe die rauchigen Dialoge, die gebeutelten Charaktere und natürlich die warmen Lichter, die eine heruntergekommene Stadt erhellen. Noir bedeutet auch Charaktere mit tief in die Stirn gezogenen Hüten und langen Mänteln, die vor dem ewig prasselnden Regen einer vibrierenden Metropole schützen sollen. In kaum einem Spiel ist die Atmosphäre so dicht wie in Noir-Detektivspielen. Das kommt natürlich nicht aus dem Nichts, sondern wurde vom Film Noir übernommen. Dieser hatte seine Hochzeit im letzten Jahrhundert. Seine typischen Merkmale aber blieben am Leben und bereichern bis heute das Detektiv-Genre quer durch die Medien.

Pelzige Ermittler mit echten Spürnasen

Backbone bildet keine Ausnahme. Das Point-and-Click Adventure hat sich fast aller Film-Noir-Klischees bedient. Statt eines abgehalfterten ehemaligen Cops spiele ich einen Waschbären namens Howard Lotor, privater Ermittler und nicht minder abgehalftert als seine menschlichen Kollegen. In der Welt von Backbone allerdings existieren nur anthropomorphe Tierfiguren, die, wie ich zu behaupten wage, ihre dominanten Charakterzüge auf den Schultern tragen. Sie bevölkern ein dystopisches Vancouver, das von bunten Reklamen erleuchtet wird. Auf der Hauptstraße reiht sich ein hohes Gebäude an das nächste, und überall gibt es Neues zu entdecken. Doch der Neonschein verbirgt auch Schatten. In den düsteren Seitengassen treffe ich zwielichtige Gestalten, die schmutzigere Geschichten von einer unbarmherzigen Stadt erzählen. Auch das Vancouver der Zukunft kämpft noch mit sozialer Ungleichheit.

Howard schlägt sich so durch, bis eines Tages eine Kundin eintrifft, die eindeutig den gehobenen Gesellschaftsschichten entspringt. Ihr Mann ist verschwunden, erklärt sie mir hilflos, ich müsse ihn suchen. Wer bin ich, diesen Auftrag abzulehnen, also stürze ich mich ins Nachtleben von Vancouver. Leider stehen mir als Waschbär die Türen zur High Society nicht offen, also muss ich mir etwas anderes einfallen lassen. Wie sich die Story von dort an entwickelt, hängt stark von meinen Entscheidungen ab. Bin ich im Gespräch eher zurückhaltend, besteht die Gefahr, nicht ernst genommen zu werden. Verhalte ich mich zu prollig, errege ich Aufsehen und fliege prompt aus dem Etablissement. Doch keine Sorge, es gibt immer eine Hintertür. Wenn Plan A scheitert, dann muss eben der Lastenaufzug her.

Backbone ist viel mehr als nur der nächste Stern am Point-and-Click-Himmel

Backbone baut neben der genretypischen Erkundung auf ein ausgefeiltes Dialogsystem und Schleichpassagen. In letzteren ducke ich mich mit Howard, der etwa die Größe eines ausgewachsenen Mannes hat, hinter Sofas und andere Möbel, um von Feinden nicht gesehen zu werden. Das erlaubt mir ausführliches Herumschnüffeln in den Hinterzimmern der feinen Gesellschaft. Ihr hört es vielleicht heraus, Backbone ist ebenso sozialkritisch wie spannend. Ich blicke sozusagen auf ein dichtes Geflecht an Lügen, Intrigen und falschen Vorgaben, das wie ein Kokon die Hässlichkeit der herrschenden Hierarchie umspinnt.

Dank detaillierter Pixelart und ausgefeilten Animationen wirkt das optisch herausragend und klingt auch noch atmosphärisch. Mich hat der Prolog umgehauen. Nach ca. vier Jahren in Entwicklung von Developer EggNut erscheint Backbone nun endlich am 8. Juni 2021 auf Steam, Epic Games Store, GOG, und im Xbox Game Pass für PC. Nicht näher bestimmte Konsolenversionen sollen im Laufe des Jahres 2021 ebenfalls folgen.

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