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Fire: Ungh’s Quest Review | Ich habe Feuer gemacht!

Fire Unghs Quest

In Fire: Ungh’s Quest von Daedalic Entertainment rätseln wir, um eine simple Mission zu erfüllen: Feuer machen.

„Ich habe Feuer gemacht!“ ist der erste Satz, der mir beim Trailer zum Puzzle-Abenteuer Fire: Ungh’s Quest durch den Kopf geschossen ist. Als Tom Hanks alias Chuck in Cast Away damals ums Feuer tanzend diese Worte rief, wurde jedes Zündeln von mir konsequent genau so kommentiert. Bei mir beschränkt Zündeln sich allerdings aufs Teelichter anzünden mit einem möglichst langen Stabfeuerzeug. Nicht nur meine kleinen Kinderhände, sondern auch meine ebenfalls kleinen Erwachsenenhände hatten und haben nach wie vor Probleme damit, ein einfaches Feuerzeug mit dem kleinen Rädchen zu bedienen. Streichhölzer puste ich panisch wieder aus, bevor sie auch nur ansatzweise abgebrannt sind. Feuer ist mir nicht geheuer, um hier auch mal ein bisschen Poesie einzustreuen. Da Ungh aber so niedlich ist und das Feuer in seiner Welt gar nicht so bedrohlich wirkt, habe ich mich trotzdem gewagt, mich mit ihm auf die Suche nach der wertvollen Flamme zu begeben.

In der Steinzeit das Handy checken? Kein Problem

Ich bin seit deutscher Erstausstrahlung im Jahr 2004 großer Fan des Dschungelcamps. Eine der essentiellen Aufgaben der Camp-Bewohner_innen besteht darin, das Lagerfeuer zu bewachen. Dabei geht es natürlich zum einen darum, den Dschungel (oder wie böse Zungen behaupten: das Studio) vor den Flammen zu schützen. Vor allem aber darf das Lagerfeuer nicht erlischen. Diese Aufgabe hat auch der Ungh von seinem Stammesoberhaupt bekommen. Da es aber vor dem Feuer so schön muckelig warm ist, pennt der kleine Neandertaler in Windeseile ein. Selig sabbernd wird er am Morgen von einem erloschenen Häufchen Asche und einem Anführer begrüßt, der alles andere als amused ist. Wo ein solcher Fehltritt im Dschungelcamp vielleicht die Abgabe von zwei Kippen zur Folge hat, wird Ungh erbarmungslos aus seinem Dorf verbannt.

Hier beginnt unser gemeinsames Abenteuer durch die Steinzeit. Je Level kann ich mich zwischen verschiedenen Screens bewegen, auf denen unterschiedliche Rätsel auf mich warten. In jedem Level versuche ich, an ein kleines Glühwürmchen zu kommen, das mich in die nächste Welt teleportiert. Und zwar wortwörtlich: Habe ich alle Rätsel eines Levels gelöst und mir so meinen Weg zum Glühwürmchen gebahnt, wird Ungh in ein Portal eingesogen, dass ihn in die nächste Welt bringt. Und diese Welten könnten unterschiedlicher nicht sein. Zwar finde ich mich in den meisten der insgesamt zehn Level in einem von der Steinzeit inspirierten Setting wieder, trotzdem gibt es immer wieder Anachronismen. Nicht nur das eben erwähnte Portal scheint aus der Zeit zu fallen. Auch das Smartphone, das wie aus dem Nichts auftaucht und auf dem Ungh eine Kurznachricht an seine Holde Maid sendet, passt nicht ganz ins Bild.

Fire: Ungh’s Quest bietet viel Schmunzel-Potential

Diese unpassenden Objekte machen den Charme von Fire: Ungh’s Quest aus. Aber auch der Neandertaler selbst hat mich mit seiner ulkigen, unbeholfenen Art oft zum Schmunzeln gebracht. Mehrmals habe ich mich dabei erwischt, wie ich ihn und die anderen Charaktere des Rätsel-Abenteuers amüsiert schnaubend beobachtete. Mein persönliches Highlight war, als Ungh einen Regentanz aufführte und dabei ganz ungeniert mit dem Booty wackelte. Die Animationen und Geräusche, die die Szenerie untermalen, sind wirklich gut gelungen und sehr amüsant. Wenn ich einen Gegenstand anklicke, mit dem mein Held nichts anfangen kann, hebt er zum Beispiel kurz seine Schädeldecke an, unter der sich ein riesiges Fragezeichen befindet. Dazu ertönt ein knarzendes Geräusch, wie von einer Tür, die zu lange nicht geölt wurde. Das Spiel mit Mimik und Sounds ist vor allem wichtig, weil in der Steinzeit-Welt nicht gesprochen wird. Wenn die Charaktere kommunizieren, dann nur über einfache Bilder, die ich dann interpretieren muss.

Die Rätsel selbst waren abwechslungsreich und kreativ – an einigen Stellen für meinen Geschmack ein wenig zu kreativ. Wie schon in meiner Review zu TOHU zu lesen ist, hat mich auch in Fire: Ungh’s Quest ein Musikrätsel zur absoluten Weißglut getrieben. Ich bekomme einfach Aggressionen, wenn alles durcheinander trällert und ich dann auch noch gezwungen bin, aus diesem Gedudel des Rätsels Lösung herauszuhören. An dieser Stelle war ich froh, dass das Point-and-Click Adventure bereits 2015 für den PC erschienen ist und es deshalb genügend Walkthroughs auf YouTube gibt. Anders hätte ich diesen Rätsel-Hänger vermutlich nicht überstanden, denn das Spiel selbst bietet mir keine Tipps an. Ich habe nur die Möglichkeit, mir alle Gegenstände anzeigen zu lassen, mit denen ich interagieren kann. Das kann an manchen Stellen zwar manch kleinen Knoten im Gehirn lösen, hilft aber in einer wirklichen Rätsel-Notlage auch nicht immer weiter.

Optik hui, Steuerung pfui

Insgesamt war ich mit der Schwierigkeit der Rätsel aber zufrieden und habe mich in den meisten Leveln weder über- noch unterfordert gefühlt. Was mir mehr zu schaffen gemacht hat, war die Steuerung. Auf der kürzlich erschienenen Switch-Version ist es mir im Handheld-Modus nämlich nur möglich, mich via Touchscreen zu bewegen. Das lief mehr schlecht als recht und hat mich vor allem dann geärgert, wenn ich mir mit dem eigenen Finger die Sicht auf den Bildschirm versperrt habe. Spiele ich im Docking-Modus am Fernseher, kann ich nur mit einem einzelnen Joy-Con steuern und bewege den Cursor freihändig. Das klappt zwar etwas besser, erfordert aber eine ruhige Hand. Mit dem Pro-Controller ist der Puzzler leider nicht kompatibel. Was mir richtig auf die Nerven ging, war eine Vibration, die manchmal beim Wechsel zwischen den Screens auftrat. Die ließ sich leider nicht deaktivieren und war so stark, dass ich mich mehrmals richtig erschreckt habe.

Für mich war Fire: Ungh’s Quest insgesamt ein witziges Point-And-Click Adventure, das mir vor allem aufgrund der humorvollen Animationen und der schrägen Referenzen Spaß gemacht hat. Da die einzelnen Level in sich geschlossen sind und für sich genommen nicht allzu lange dauern, eignen sie sich gut, um zwischendurch mal weggesnackt“ zu werden. Ein bisschen schade finde ich, dass die Entwickler_innen von Daedalic Entertainment sich bei der Portierung auf die Switch für die oben beschriebene Art der Steuerung entschieden haben. Trotz gut durchdachter Rätsel kann das den Spielspaß schon ungemein trüben. Allen, die Lust auf Ungh und seine Steinzeit-Welt bekommen haben, würde ich deshalb empfehlen, sich entweder für die PC-Variante zu entscheiden oder die Switch in die Docking-Station zu stellen. Das spart Frust und ermöglicht es euch, die ulkigen Angewohnheiten des kleinen Neandertalers voll und ganz zu genießen.

7/10 🔥

Developer/Publisher: Daedalic Entertainment
Genre: Point-And-Click, Puzzle-Game
Team: Sebastian Schmidt (Creative Director, Game Designer), Carsten Fichtelmann (Executive Producer), Frederik Bauer (Game Designer, Lead Scripter), Alexander Kraus (Game Designer), Robin Fischer (Lead Programmer), Fabia Zobel (Art Director)
Musik: Tilo Alpermann, Thomas Gimpel
Auszeichnungen: Bestes Kinderspiel (Deutscher Computerspielpreis 2015)
Veröffentlichung: 09. April 2015 (Steam), 12. Mai 2021 (Switch)

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