Last Stop | Drei Geschichten, untrennbar verknotet

Im narrativen Thriller Last Stop treffen wir weitreichende Entscheidungen für drei Protagonist_innen.

Unsere Redaktion ist divers, was Genrepräferenzen angeht. Aber eines lockt alle WTLW-Redakteur_innen hervor: Fesselnde narrative Erfahrungen, die uns einsaugen und mit komplexen Charakteren, gesellschaftlich relevanten Themen und gut durchdachten Erzählsträngen begeistern. Last Stop wurde als eines von zwei Annapurna Interactive Werken im Rahmen der Indie World von Nintendo präsentiert. Developer Variable State versucht mit mehreren spielbaren Hauptfiguren und einer übernatürlich angehauchten Story zu punkten.

Drei Schicksale, drei Hauptfiguren

Wir befinden uns im London der Gegenwart. Die Schülerin Donna fühlt sich zuhause überfordert, besonders ihre große Schwester lässt ihr keinen Freiraum. Also flüchtet sich das Mädchen in fragwürdige Aktionen mit ihren Freund_innen. Natürlich läuft es nicht nach Plan, als Donnas Clique sich als Detektiv_innen versuchen. Die Kinder werden in eine Entführung verstrickt. John ist ein typischer Vater mittleren Alters, der sich alleinerziehend um seine Tochter Molly kümmert. Blöd nur, dass er durch ein kryptisches Artefakt mit seinem Nachbar die Körper tauscht. Der Technikmuffel muss sich plötzlich als Spieleentwickler ausgeben. Komplett wird das Trio mit Meena, einer knallharten Karrierefrau, die so nah dran an der nächsten Beförderung ist. Unterbrochen werden ihre Aufstiegspläne jedoch von einem antiken Übel, das sich im Keller ihrer Firma einnistet.

Wir haben also drei einzigartige Pfade, die alleine schon zu spannenden Geschichten wachsen könnten. Verflechten sich die drei Stränge, so erhalten wir die Gesamtgeschichte von Last Stop, über die bislang noch kaum Details durchgedrungen sind. Gut so, will ich doch möglichst blind in den Thriller starten. Wie die unterschiedlichen Lebensrealitäten der Protagonist_innen sich zu einer übergreifenden Sci-Fi Story zusammenfügen, sollte – zusammen mit den humoristischen Untertönen der Dialoge – einen famosen Trip ergeben. Bleibt zu hoffen, dass die Narrative im Laufe des Spiels genauso unvorhersehbar bleibt, wie sie im Vorfeld ist.

Last Stop bietet unaufgeregtes Gameplay und preisgekrönte Musik

Der Löwenanteil der Interaktivität des narrativen Sci-Fi Abenteuers fällt auf Dialogoptionen. Auch die guten alten Quick Time Events, bei denen wir die angegebenen Tasten drücken müssen, um diverse Aktionen durchzuführen, halten Einzug in Last Stop. So versucht sich John in solchen Szenen ungesehen ins Entwicklungsstudio zu schleichen, oder wir müssen im Stil eines Rhythmusspiels die korrekten Töne am Klavier erwischen. Unter Anbetracht des Genres tritt diese zweckmäßige Spielmechanik jedoch in den Hintergrund und dient nur als Trägermedium für die Geschichte.

Mir bietet Last Stop alles, was ich für ein gelungenes Gesamtwerk brauche. Der optische Stil vom ebenfalls angekündigten Hindsight spricht mich einen Tick mehr an, doch die Prämisse der storylastigen Dreiteilung verspricht einiges. Das Team hinter dem narrativen Abenteuer, Variable State, ist bekannt für Virginia. Die Musik zu Last Stop kommt von Lyndon Holland, der 2016 einen BAFTA Games Award verliehen bekam. Eingespielt wurden die Stücke vom Prager Symphonieorchester. In mir weckt das hohe Erwartungen, vor allem da Annapurna mich noch nie mit ihren Titeln enttäuscht haben. Sie weisen vielleicht das qualitativ konsistenteste Portfolio aller Publisher auf. Mein Hunger nach außergewöhnlicher Erzählung wird im Juli 2021 gestillt werden, wenn Last Stop auf Steam, PS5, PS4, Xbox Series X|S, Xbox One und Switch erscheint.

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