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Star Renegades Review | Invasion aus einer anderen Dimension

In Star Renegades ist unsere Antiheldentruppe aus Outlaws die letzte Hoffnung des Multiversums!

Stellt euch vor, es gäbe mehr als nur eine Realität, möglicherweise sogar unendlich viele davon! Und nun stellt euch vor, die meisten dieser Alternativuniversen wären komplett von einem technisch überlegenen und abgrundtief bösen Weltraumimperium versklavt. Als nächstes visieren die Invasoren eure Wirklichkeit an und ihr habt nur einen Versuch die Galaxis zu retten! Aber nur kein Druck, sollte mal was schiefgelaufen sein, dürfen wir es in der nächsten Realität erneut probieren. Irgendwann wird sich schon eine Möglichkeit ergeben, die garstigen Alien-Cyborgs in die Flucht zu schlagen, falls ihr nicht vorher das Handtuch werft. Massive Damage schickt euch mit Unterstützung von Publisher Raw Fury auf einen Spießrutenlauf durch Feindesland.

Die Rache wird mein sein

Wynn und ihr Bruder Dav sind unzertrennlich. Gemeinsam fliegen sie als Piloten in der Sternenflotte, bis eines Tages ihr Geschwader wie aus dem Nichts abgeschossen wird. Nach einer Bruchlandung findet Wynn sich auf dem nächsten Planeten wieder, wo sie mitansehen muss, wie ihr Bruderherz vom Schergen eines fremden Raumimperiums getötet wird. Wynn fühlt sich leer und hat ab diesem Zeitpunkt nur noch ein Ziel vor Augen: Rache nehmen an den mysteriösen Angreifern, die ihnen auflauerten. Zum gleichen Zeitpunkt machen wir Bekanntschaft mit einer Wissenschaftlerin, die den Servobot J5T-1N durch ein Portal in Wynns Dimension schickt, da ihre eigene schon überrannt wurde. Dieselbe Forscherin bekommt nun vom kleinen Roboter eine Nachricht von sich selbst aus der letzten Realität, welche dem Imperium zum Opfer gefallen ist. Es wird ein Plan geschmiedet, wie die mysteriöse Anführerin der Invasionsmacht, nur „,Mutter“ genannt, gestoppt werden soll.

Schnell ist klar, das Wynn dem Einsatzkommando beitritt, dass die Killermaschinen, die die Invasion anführen, aufgehalten werden müssen. Es wird nicht lange gefackelt, da fliegen die Star Renegades zur nächsten Kolonie, die schon von Bösewichten geplündert wurde. Anfangs sind die Teilnehmer_innen der Operation nur zu dritt, im Laufe des Spiels wird jedoch fleißig Unterstützung angeworben. Die Charaktere wurden so unterschiedlich gezeichnet, dass sich witzige Szenen im Smalltalk zwischen den Gefechten ergeben. Nodo Kalthoris, Glücksritter und Gelegenheitsgauner, fällt durch seine große Klappe auf. Xurx Nrza, Archon und synthetischer Kampfmönch hat eine herrlich schräge Vorstellung davon, wie seine organischen Freunde sich benehmen und funktionieren sollten. Mein Liebling war jedoch ein kleiner Robo-Revolverheld, der den Gefährten am Lagerfeuer seine Bücher signierte. Die bunte Truppe war ganz klar eines der Highlights.

Rundenbasierte Cyberaction

Richtig legt Star Renegades aber erst los, wenn die Truppe auf Soldaten und Kampfmaschinen des Imperiums trifft. Besonders fordernd fallen die Gefechte gegen die Armeeanführer und Behemots aus, welche alle bestimmte Schwächen, aber vor allem Stärken und harte Attacken besitzen. Wenn sie fallen, rücken in der hierarchischen Struktur des Imperiums neue, einzigartige Leutnants nach. Obwohl das Kampfsystem rundenbasiert ist, kommen manche Akteur_innen aufgrund einer jeden Attacke inhärenten Ausführungszeit auf dem Zeitstrahl schneller zum Zuschlagen. Die Feindrobos auf der Zeitleiste zu unterbieten ist die halbe Miete, denn dann setzt es kritische Treffer, die am Ende in einer Verlangsamung münden. Diese bedeutet die Verschiebung auf die nächste Runde, womit unser Squad einen Angriff weniger auszuhalten hat. Die kluge Abstimmung der charakterspezifischen Fähigkeiten zum Verzögern des feindlichen Dauerfeuers bereitet unglaublichen Spaß und wirkt äußerst befriedigend – vor allem in knappen Bosskämpfen.

Bis zu sechs Mitglieder stellt unsere Gruppe im Kampf auf. Die genaue Formation und Zusammenstellung ist unsere Sache. Generell bewährte sich für mich eine relativ aggressive Strategie. Aber auch das Vollstopfen der Truppe mit Heilern und stark gepanzerten Charakteren ist eine durchaus legitime. Jede individuelle Auslegung der einzelnen Renegades macht auf ihre eigene Art Laune – zudem sind die verschiedenen Fähigkeitsanimationen toll anzusehen. Überhaupt habe ich mich schon auf den ersten Blick in die Grafik dieses Strategie-RPGs verliebt. Eine detailliertere Pixel-Art Galaxie könnt ihr meiner Meinung nach nicht finden. Egal ob ihr auf den Ebenen eines pinken Planeten euren nächsten Combo-Angriff plant oder am Ende des Tages ums Lagerfeuer sitzt, wo sich die Beziehungen zwischen den Figuren stärken lassen, der Taktiktitel ist zu jederzeit ein absoluter Hingucker.

Star Renegades als Roguelike?

Und so spiele ich stundenlang mit meiner Truppe. Meine Lieblinge werden mit wachsender Freude aufgelevelt und dann passiert es: ein Behemot streckt mit einer flächendeckenden Laserattacke die gesamte Gruppe nieder. Unser Freund J5T-1N begibt sich zur nächsten Dimension, um dort einen neuen Versuch zu starten, das Imperium zu stoppen. Für mich bedeutet das, dass ich mit einer Dreiergruppe erneut auf Level 1 beginne und einen Großteil des Fortschritts meiner Spielsitzung verliere. Die Roguelike-Mechanik des Strategiespiels nimmt mir nahezu jede Motivation. Dieses, eher auf kurze und schnelle Runs ausgelegte System, das eine bestimmte Progression im Spiel manifestieren soll, funktioniert für mich bei diesem taktischen Rollenspiele überhaupt nicht. Denn es wirkt auf mich weitaus frustrierender, wenn ich etliche Abende in Folge nicht sterbe, nur um dann nach einer Ewigkeit plötzlich fast von null beginnen zu dürfen.

Als lineares Spiel, bei dem ich vor jedem Kampf speichern darf, hätte mir Star Renegades deutlich mehr Freude bereitet. Klar lässt sich der Neustart nach dem Versagen unserer Kommandotruppe durch die zu Anfang eingeführten vielen Dimensionen schlüssig mit der Geschichte verbinden. Doch es wurmt mich einfach, dass in meinen Augen durch die Integration dieses Systems das Potenzial für ein sehr gutes, geradliniges Strategie-RPG verschenkt wurde. Ohne die Frustration der Roguelike-Mechanik, wäre die Weltraumreise etwas wirklich Besonderes für mich geworden. Das starke Taktikgameplay und die bezaubernden Visuals in Star Renegades wissen mich zwar zu beeindrucken, letztendlich schießt es durch diese erzwungen wirkende Auslegung jedoch knapp an meinem Herzen vorbei.

7/10 🚀

Developer: Massive Damage
Publisher: Raw Fury
Genre: Roguelike, Strategie-RPG
Veröffentlichung: 8. September 2020 (Steam)

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