Kurz-Kritik-Oktober | #3 Only Lovers Left Alive | Film-Kritik

OLLAEin Vampir-Film, genau das ist es was so wunderbar in den Oktober und in Vorbereitung auf Halloween passt. Doch Jim Jarmusch mag so gar nicht geltende Klischees erfüllen und bastelt etwas völlig Eigenes. 

Adam und Eve sind über Jahrhunderte ein Paar. Während Adam in Detroit erfolgreich an seiner Musik arbeitet und dem Fortschreiten der Menschheit und der Technik so gar nichts mehr abgewinnen kann, genießt Eve das Leben in Tanger und beschäftigt sich hauptsächlich mit Literatur. Als Adam immer depressivere Züge zeigt, fliegt Eve zu ihm. Doch die entstandene harmonische Atmosphäre wird schon bald von Ava – der jüngeren Schwester von Eve, die sich 87 Jahre nicht hat sehen lassen – arg erschüttert.

Poetisches Liebes-Drama, Personenanalyse, Musikfilm, bildgewaltiges Kunstwerk, wortgewaltiges „fast“ Kammerspiel. Jim Jarmuschs Only Lovers Left Alive ist das vielleicht unvampirigste Exemplar des Genres und dennoch fängt es eine ganz spezielle Atmosphäre ein. Keine übertriebenen Blutspritzereinen, keine deformierten Gesichter, keine übernatürlichen Kräfte, keine ausufernden Kämpfe und auch kein Glitzern. Dafür unglaubliche Schwermut, düstere Szenerie, Einsamkeit, tiefe Liebe und das Anpassen an eine Gesellschaft, die dir nur noch als Zombies (Adams Bezeichnung für Menschen) erscheinen.

Jarmusch zeichnet ein unglaublich tiefgehendes Bild einer Beziehung, das durch Konversationen und Bilder glänzt. Only Lovers Left Alive schreitet langsamen Tempos voran, bleibt dabei durch sein großartiges Schauspiel, die einzigartige Atmosphäre und nicht zuletzt die wundervoll düstere und schwermütige Musik in jeder Szene interessant. Da die gezeigten Vampire des Blutsaugens abgeschworen haben und sich ihre „Dosis“ auf anderen Wegen besorgen müssen, entstehen zusätzlich sehr individuell humorvolle Szenen.

Entstanden ist ein wundervoll kunstvolles Stück Film mit einer gewissen Skurrilität, die dich durch das tiefe Band der Protagonist_innen langsam mit einwebt und dir einen intensiv schönen aber nachdenklichen Abend bereitet. Vampire bilden hier erzählerisches Stilmittel und nicht die alles einnehmende, ausufernde Selbstinszenierung. In der Ruhe liegt die Kraft.

9/10 ❤

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