Neverending Nightmares | Game Review

Du neverending_nightmareshast dich schon immer gefragt, wie sich anhaltende Panikattacken anfühlen? Deine Ängste die Kontrolle über deinen gesamten Denkapparat übernehmen? Dein Grundgemüt und das Wohlbefinden nicht über das einer grauen, dunklen und düsteren Tristesse hinauskommen. Die Hoffnungslosigkeit jeden einzelnen hellen Funken überdeckt und schwarz anmalt? Neverending Nightmares hilft dir dabei diese Gefühlswelt zu erleben und nachzuempfinden. 

Albtraum Simulator 2016 wäre wohl ebenfalls ein passender Titel gewesen, den wahrscheinlich Serien-orientierte, DLC-melkende Unternehmen gewählt hätten. Dieser wäre Matt Gilgenbachs und Skyler McGlothlins Horror-Kunstwerk aber in keinster Weise gerecht geworden.

Neverending Nighmares also: Als Thomas erwachst du in einer, der 1800 Jahre entsprechenden Szenerie aus einem Albtraum. Dieser hat gerade deine Schwester getötet, weswegen du hastig aufwachst und verzweifelt nach eben dieser suchst. Dabei wird dir schon in den ersten Minuten bewusst, dass eine ziemlich schummrige Suche auf dich wartet. Das Design des Spiels zeigt eine liebevolle, aber schaurig und beängstigende, handgezeichete Umgebung. Kuliartig, kritzelig und düster werden rohe Fassaden, Risse in den Wänden, Bäume und Bilder umrissen. Die unbehagliche Atmosphäre wird vom großartigen Sounddesign des Komponisten Skyler McGlothlin getragen. Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig Komponist_innen für Medien sind, um auch klanglich das passende Ambiente* zu zaubern. Untermalt von beängstigenden Klängen, dumpfen Brummen und skurrilen Geräuschen, erkundest du das Haus und die Umgebung, nur um nach dem Sterben oder einer selbstverletzenden Handlung wieder in einem weiteren Traum aufzuwachen. Das beängstigenden Gefühl das lange, unveränderte Korridore, quietschende Türen, sich ständig wiederholende Szenerien und knarzende Treppen vermitteln, dringt ungefiltert ein. Die wenigen Farbkleckse vermitteln Interaktion. Oft keine Guten. Ein mieses Gefühl begleitet dich bei jedem Schritt. Scary Puppen, ein Friedhof, eine Psychiatrie, ein Krankenhaus. Orte, die du in Träumen sicher sehr gerne besuchst. Wie in diesen so üblich, ist deine Sprint-Fähigkeit sehr limitiert. Bist du einige Meter gerannt, ist Thomas außer Atem. Hoffnungslosigkeit und eine depressive Grundstimmung machen sich breit. Erzeugen Emotionen, die in dieser Form nur interaktive Aktionen (Videospiele eben) vermitteln können.

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Der Sumpf aus Selbstzerstörung und innerer Unruhe breitet sich in dir aus. Denn was genau Thomas hier im Zusammenhang mit seiner „Schwester“ verarbeitet, eröffnet sich vorerst nur vage. Insgesamt drei unterschiedliche Enden können erforscht werden und hängen von deinen Interaktionen im Spiel ab. Schreckmomente wirken dabei wenig plump und sind oft der großartigen Kunst, dem grandiosen Sounddesign und deiner Angespanntheit zu verdanken.

In welch künstlerisch, großartiger Form sich psychische Krankheiten und leidvolle Erlebnisse entfalten können, wird in Neverending Nightmares unfassbar eindringlich gezeigt. Matt Gilgenbach verarbeitet in dieser kreativen Schöpfung seinen Kampf mit Depressionen und Zwangsstörungen. Ein guter Weg, sich mit seinen Ängsten auseinanderzusetzen und sie besser zu verarbeiten, zu verstehen und damit leben zu können. Zuletzt natürlich eine schöne und ungefilterte Methode, Gefühle oder Zustände Menschen näher zu bringen, die diese zum Glück selten oder gar nicht empfinden müssen. So entstand mit dem knapp 1 ½ Stunden fassenden Neverending Nightmares eines der eindringlichsten psychologischen Horror-Spiele der letzten Jahre. Du kannst diese Zeit, mit dem Erforschen der weiteren alternativen Enden verlängern, aber glaub mir. Wesentlich länger willst du diese unglaublich erdrückenden Gefühle nicht in deiner Umgebung haben.

*dunkler Raum + großartige soundtechnische Einrichtung oder sehr gute Kopfhörer empfohlen.

VÖ: PS4, PS Vita: 04.05.2016 | Windows, Ouya, Linus, Mac: 26.09.2014
Infinitaps Games
Designer: Matt Gilgenbach
Composer: Skyler McGlothlin
Nominierung als Bestes Spiel der E3 2014 von The Escapist

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