„DAS FLENSBURG MANÖVER“

volksbad

Ungeduldig blickst du auf die Uhr. Aber es war doch Zwei abgemacht oder hast du wieder etwas falsch verstanden? Nein, hast du nicht. Eine entschuldigende SMS gibt dir Recht. Du hast also noch etwas Zeit. 20, 30 Minuten? Eine ungewisse Zeit wartend zu verbringen lässt sich schlecht sinnvoll füllen. Du starrst aus dem Fenster und versinkst im grauen Schleier deiner Erinnerungen.

Vor knapp einem Jahr hast du schon mal ein solches Wochenende in Angriff genommen. Knapp 600 km gen Norden mussten absolviert werden. Auch dieses Mal ist es wieder so. Auch der Grund ist der Selbe. Wieder Norden, wieder Turbostaat, wieder ein kaltes Winterwochenende und eine lange Autofahrt. Husum wird durch Flensburg ersetzt. Sonst ändert sich nichts! Und zum ersten Mal fragst du dich, warum eigentlich? Warum fährst du so weit um eine Band zu sehen, die du gefühlte 100 Mal live gesehen hast und die ständig in deiner Nähe spielt? Und warum ausgerechnet Norden? Turbostaat werden Freitag und Samstag spielen. Freitag mit Vierkanttretlager und Samstag mit Findus. Bands aus Flensburg, Husum und Hamburg. Aber wieso ist die Dichte an relevanten Deutsch-Punk/Hardcore/Emo/Indie Bands im Norden so groß? Dir fallen weitere ein: Matula, Captain Planet, Frau Potz, Grand Griffon, Herrenmagazin, Escapado, Torpedo Holiday, Dark Hansen. Du gehst nicht weiter ins Detail, weil du kein Ende siehst. Gibt es einen Grund dafür, dass dort so viele Bands beheimatet sind? Ist die „Szene“ dort dichter als z.B. in Berlin? Eigentlich sollte man ja davon ausgehen, dass Europas pulsierende Lifestyle Ader da mehr zu bieten hätte. Dir fallen die Beatsteaks und Die Ärzte ein, passen aber nicht so recht in deine, mit Melancholie angereicherte, Bandaufzählung. Sie sind dem Independent schon lange entlaufen. Klar, es gibt Punkbands dort, aber eben nicht solche. Dir fallen nun ZSK und NinaMarie ein. Letztere bestehen aber zu 50% aus Turbostaat. Haben demnach nordische Wurzeln. Love A, Freiburg, Adolar, Mikrokosmos 23, Pascow, aber kein Berlin. Was ist da los? Am Samstag ist noch etwas Zeit. Du triffst dich mit Jan von Turbostaat , um die Sache näher zu beleuchten. „Ich bin da so ein bisschen raus, was jetzt Berlin angeht. Es gibt dort ein Haus, wo ca. 300 Proberäume drin sind. Das ist komplett ausgebucht. Die Frage ist nur, ob sie auch noch aus Berlin rauskommen?“ Also ein generelles Struktur Problem? „Ich weiß halt nicht, ob die Struktur noch so ist, wie sie früher bei uns war. Wir haben ein Demo Tape in ein besetztes Haus geschickt und gesagt: Hey, wir sind auf Tour, könnt ihr nicht was machen? Dann hat es halt immer geklappt. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist. Ob Leute/Läden was machen, was eventuell kein Geld bringt.“ Da ist es wieder. Geld! Es gibt DIY Konzertgruppen im ganzen Land, nur darauf ausgerichtet, Bands eine Plattform zu bieten. „Aber trotzdem gucken sie wahrscheinlich, ob nicht nur fünf Leute abends kommen und sie zumindest der Band einen Schlafplatz und nen Kasten Bier hinstellen können.“ Turbostaat können, als alteingesessener „Platzhirsch“, natürlich auf alte gefestigte Strukturen zurückgreifen und haben inzwischen fast ausschließlich mit kommerziellen Veranstaltern zu tun, auch wenn manches noch über die alte Struktur und die alten Freunde läuft. Der Kosten/Nutzen Faktor bestimmt die Veranstaltungslandschaft. „Die Struktur ist nicht mehr so leicht, für kleine unbekannte Bands, auf Tour zu fahren. Was dann auch heißt, dass man es nicht mitbekommt. Aber ich bin mir sicher, dass es sie gibt.“

Die Landschaft wird weitläufiger, grüner und flacher. Langsam kommt ihr aus der dicht besiedelten Ruhrpottzone raus. Doch NRW streckt sich ziemlich weit in den Norden. Feierabend Verkehr, Baustellen, Stau! Du fragst dich, ob es hier anders ist. Willy Fog, Alles Wegen Lilly, KMPFSPRT, Messer und Käfer K sind hier zu Hause. Auch sie schaffen es deutschlandweite Strukturen zu nutzen, haben sich mit befreundeten Bands ein Netzwerk gestrickt, aber es scheint mühsamer und arbeitsintensiver zu sein. „Und du hast den Eindruck, dass das hier in Norddeutschland…“ Ja, mein Eindruck hat sich über Jahre gefestigt, dass die „Szene“ dort Oben dichter und eventuell auch besser organisiert ist. „Aber es sind halt auch gefühlt immer die Selben, die das dann alles machen!“ Die Struktur scheint da Oben in jedem Fall intakt. Auch diese Melancholie, die alle norddeutschen Bands mit sich herumtragen, ist prägnanter und emotionaler, fast schon einzigartig. Ein eigener Stil. Der norddeutsche Melopunk Stil? Deine Genrekreativität lässt dich schmunzeln. Mit Schubladen hast du es nicht so. Versuchst ständig neue Wörter für irgendwas zu finden. Einfach nur Punk, reicht dir nicht. „Ja, vielleicht ist das dann der Wunsch da einfach wegzukommen. Und das ist tatsächlich so.“ Aha, wir kommen der Sache näher. Kommen Flensburg näher. Tatendrang, Fernweh, die Sucht nach neuen Einflüssen. „Naja, man wollte halt einfach am Wochenende was vorhaben! Es war ja nie geplant, dass wir das auf so ein Level bekommen und es zu unserem Beruf machen. Man wollte halt tatsächlich am Wochenende einfach mit seinen Freunden wegfahren. Das Beste und Coolste war, woanders Konzerte zu spielen, andere Punker und Leben kennenlernen. Der Austausch halt. Das hat das Leben in Husum damals, als ich da gewohnt hab, tatsächlich erträglicher gemacht.“ Das Kleinstadtleben wird erträglicher. Der Touristenort für Jugendliche so spannend wie das wöchentliche Familientreffen. „In Husum lebt man bis man zwanzig ist und dann hauen die Leute halt einfach ab, studieren oder ziehen einfach weg!“ Im Radio läuft „Niemand will den Hund begraben“ von MUFF POTTER. Wie passend.

Ihr seid nun an Hamburg vorbei. Über 100 Kilometer passiert nun rein gar nichts mehr. Kleine Dörfer, Schafe und grüne Wiesen, aber vor allem Deiche. Reiseteilromantik, die rote Ampel für den Entdeckungsdrang eines Adoleszenten. Dir wird die luxuriöse Wohnsituation eines „Teens/Twen“ mitten in NRW wieder einmal bewusst. Wenn in Bochum nichts ist, fährst du halt nach Dortmund, Duisburg, Oberhausen, Essen, oder gleich ins Rheinland. „Ja, genau. Im Ruhrpott fährst du halt auch mal durch vier Städte auf der gleichen Straße.“ In Schleswig-Holstein hast du Flensburg, Lübeck oder Kiel zur Auswahl. Nach Hamburg ist es schon gleich viel weiter. Kultur und der Austausch solcher, wird zur Mangelware. Du musst sie selber erschaffen und dich engagieren. Vielleicht ist es genau das. Der Drang, mehr zu sehen, lässt sich durch gesteigerte Kreativität und Engagement erreichen. Ein kleiner Vorteil den Menschen, die nicht in urbanen Lebensräumen zu Hause sind, eventuell haben. Aber auch sie brauchen Raum um ihre Ideen und Interessen umzusetzen. „Wir proben gar nicht mehr in Flensburg. Wir proben in Schleswig, was ca. 40km entfernt ist. Ein Freund von uns hat dort ein altes Haus auf einem alten Bundeswehrgelände. Da findet jetzt ganz viel Kultur statt. Die machen und reißen ganz viel. Viele Bands sind jetzt auch dort untergekommen. In Flensburg ist das schon ein Problem. Es gibt das Kühlhaus. Da sind unten ein paar Proberäume drin und dann gibt’s noch das Roxy. Da haben wir vorher geprobt, aber der Laden ist einfach nicht cool! Das kann man auch gerne so schreiben. Das hat einen sehr merkwürdigen Besitzer. Da fanden auch schon Veranstaltungen statt die nicht mehr grenzwertig waren, sondern gar nicht mehr gehen (Böhse Onkelz Coverbands und Nazirock). Das hat man im Nachhinein erst mitbekommen und in dem Moment waren wir halt draußen aus dem Proberaum. Denn der Laden finanziert sich durch die Proberäume. Als junge Band sollte man sich nun gut überlegen, ob man da probt, weil man irgendwo proben muss und somit so einen Laden unterstützt. Das ist halt nicht unser Ding. Aber da hatten wir zum Glück diese Alternative durch unseren Freund in Schleswig und sind nun super aufgestellt. Es ist auch günstig, wenn ich höre, was andere, auch in Berlin, für ihre Proberäume zahlen. Da haben wir ein Paradies. Das ist ein riesiger Raum, mit einem Lager nebendran, du kannst die Küche nutzen, Betten, Pennräume, Badezimmer. Das ist sehr luxuriös und das weiß man schon zu schätzen.“ In Ballungszentren spiegelt sich die Notlage an kulturellen Schaffensfreiräumen gerne im Mietpreis wieder. Fensterlose 12m² Räume müssen mit mehreren Bands geteilt werden, um Preise jenseits der 400€ annähernd akzeptabel zu machen. Wer diesen Betrag nicht aufbringen kann, hat schon bei der wichtigsten Grundvoraussetzung einen Nachteil. Du kannst das Geld aufbringen? Herzlichen Glückwunsch! Du stehst nun auf einer Warteliste an 37. Position. In manchen Städten, wie zum Beispiel Hamburg, kannst du auf Randbezirke und das Umland ausweichen. Sogar Kettcar machen das, weil die Mieten in Hamburg, selbst für Berufsmusiker, kaum zu stemmen sind. Aber was ist, wenn der Randbezirk eine weitere Großstadt ist? In Husum konnten Turbostaat, dank Peter, der im Speicher gearbeitet und Konzerte veranstaltet hat, den Dachboden als Proberaum benutzen. Der Speicher im Speicher sozusagen.

Nun also Flensburg. Ihr habt gerade das gelbe Willkommensschild passiert, doch was ist das? Ein Berg? Du hast dir aber auch so gar keine Gedanken gemacht, als du die Ferienwohnung in der Bergstraße gebucht hattest. Meer, Berg, Schleswig-Holstein? Wie passt denn das jetzt zusammen? Ihr fahrt 560km, sechs Stunden und es sieht genauso aus wie Zuhause. Wuppertal mit Hafen. Verrückte Welt.

Freitag Abend: Es ist dunkel und viel Zeit bleibt nicht bis zur ersten Show. Schnell die einheimischen Rituale verfolgen. Ab zum Kiosk. Flens und Küstennebel eingepackt. Die Vorfreude steigt. Aber was macht man hier, wenn Turbostaat mal nicht zwei Tage hintereinander spielen? „Es ist natürlich wie überall, das kulturell gespart wird, aber es gibt durchaus fitte Leute und Läden, wie das Volxbad zum Beispiel. Die setzen sich dafür ein, im kulturellen Bereich zu Arbeiten und sowas möglich zu machen. Ich finde Flensburg ist super aufgestellt. Wir haben das Volxbad, das Kühlhaus, den Hafermarkt und die Senffabrik. Das sind quasi vier Konzertläden wo die Bands spielen können, was für die Größe so einer Stadt schon viel ist.“ Vier Mal so klein wie Wuppertal, dennoch eine wesentlich höhere alternative kulturelle Dichte. Alles was in Wuppertal mal relevant war musste schließen, oder wurde abgerissen. Auch andere Städte können das wohl kaum bieten. Einen Tag später werdet ihr sogar noch in das Flensburger Nachtleben eingeführt. Der Ausflug ins Peppermint endet mit diversen Betonmischern.

Und dann versetzt es dich wieder in eine andere Welt. Die ersten Akkorde erklingen und du weißt, dass hier wirst du so schnell nicht wieder vergessen. „In der Heimatstadt zu spielen ist immer was anderes. Was daran liegt, dass Familie und Freunde vorbei kommen. Also ich wohn ja auch noch hier in Flensburg, was auch nicht bei allen so ist. Da sind halt langjährige Freunde im Publikum. Weil man viel Unterwegs ist, sieht man die auch nicht so häufig und das ist dann schon etwas Besonderes. Man steht unter einem Druck, oder ich steh unter einem Druck. Ich bin schon angespannter und aufgeregter als woanders.“ Und alle spüren es. Die Freude der Freunde fliegt hinüber zu Turbostaat. Sie quittieren diese mit überschwänglicher, unbändiger Kraft und wirbeln sie zurück ins Publikum. Ein Geben und Nehmen im Tanz der Endorphine. „Ich bin natürlich vor jedem Konzert noch aufgeregt, das ist auch gut so. Aber du hast halt nicht diese, ich nenn es jetzt mal so schön, sozialen Verpflichtungen. In München spielt man das Konzert und wenn man denkt, ich geh jetzt mal schlafen, dann gehst du halt schlafen. Wenn man jetzt in Flensburg spielt und die ganzen Freunde sind im Publikum, dann ist es halt schon so, dass ich an den Tresen möchte, um die auch mal zu drücken und Hallo zu sagen. Es ist wie nach Hause kommen. Und wenn die Eltern dann noch im Publikum sind, ist es schon was anderes.“ Alles was zurückbleibt sind nasse Shirts und die Band am Tresen. Ihr macht fürs Erste Schluss, denn Samstag wartet Show Nummer zwei.

Mehr oder weniger ausgeschlafen wird das Frühstück zusammengesammelt. Ihr braucht Kraft für den Tag und den Abend. Turbostaat Reloaded. Der Supermarkt wirkt wie der Laufsteg der Turbostaat Merchkollektion. Augenränder, Kapuzen, Einheitslook. Eine skurrile freundliche Atmosphäre. Du hast schon wieder bock. Doch erst müssen neue Räume erschlossen werden. Die Stadt wartet. Ihr könnt ja schließlich nicht wieder Heim fahren, ohne auch nur annähernd was gesehen zu haben. Aber was genau sollen wir uns eigentlich angucken? „Was man sich angucken sollte? Also das Touristen Programm ist hier natürlich, dass sich Leute die Brauerei angucken. Ob man das jetzt machen muss, weiß ich nicht. Wenn du bei richtigem Wetter hier her kommst, würde ich dir empfehlen, dass du einfach mal eine Schiffsrundfahrt machst. Ochseninseln nach Dänemark rüber. Ich finde die Hafenseite total schön und empfehle euch abends hier mal um die Förde rumzulaufen und von der anderen Seite der Förde, hier (Volxbad) herüberzugucken. Das ist halt ein total schöner Blick. Ansonsten kulturell der Laden hier, oder die Konzertläden. Man kann auch mal hoch auf den Museumsberg gehen. Da ist, wie gesagt, ein Museum und ein schöner Park. Aber ansonsten ist hier nicht so viel. Und ich würde euch empfehlen: Ostseebad Richtung Wassersleben bzw. Richtung Hollund zu laufen. Da ist man dann auch gleich in Dänemark. Das ist zu Fuß eine dreiviertel Stunde und total schön!“ Die Landschaft! Deiche, Meer, Schiffe, Hafen. Viele der norddeutschen Bands benutzen diese auch in ihren Texten, welche diesen „Stil“ so charmant und eigen machen. Du erinnerst dich an die alten Platten von deinem Opa. Seemanns- und Chanty-Chöre haben schon immer die coolere Volksmusik gemacht und werden anders wahrgenommen. Wieder ein eigener Stil. „Das gehört bestimmt mit dazu, dieses Gefühl von….. hört sich jetzt ein bisschen pathetisch an, aber wenn du dich auf den Deich stellst und Kilometer weit kommt nichts, das ist schon ein Gefühl von Freiheit. Wenn es auch noch pustet und du kannst dich dann, bei einer fast Sturmflut, in den Wind lehnen, kannst kaum noch Atmen, fällst aber nicht um, wenn du dich nach vorne beugst. Das ist schon geil. Musst du halt drauf stehen. Mit Anfang Zwanzig hab ich wahrscheinlich gedacht, fickt euch alle, ich will was erleben.“ In der Jugend verschmäht. Mir doch egal, was hier ist: Hau ab Deich. „Ja, genau. Gott ist das langweilig. Aber im Grunde prägt einen das schon.“ Also doch irgendwie Inspirationsquelle? Ist das diese Melancholie, die es nur hier gibt? „Naja Inspiration, auf jeden Fall entschleunigt das alles schon so ein bisschen. Ich bin ja jetzt auch ein bisschen älter geworden. Das war mir dann früher auch Banane, ob ich jetzt am Meer gewohnt hab, wo man auch mal Kilometer lang laufen kann und niemanden trifft. Aber für mich ist es total super. Wir waren halt jetzt lange Zeit in Berlin um die Platte zu machen. Berlin ist total super und ich hab da total viele Freunde. Es war aber so, als ich halt wieder hier war, einfach geiles Wetter als ich angekommen bin. Dann los laufen, vier Stunden spazieren und keinen treffen. Das genieße ich dann schon! Ob das jetzt Inspiration ist, weiß ich nicht. Aber so tickt vielleicht auch einfach der Nordmensch, dass er zufrieden ist, wenn er das Meer vor der Nase hat. Ich bin da schon so ein bisschen Einsiedler, der auch gut mal einen Tag lang durch die Gegend spazieren und hier das Meer genießen kann.“ Dieses gesamte Umfeld scheint die Menschen dort Oben anders zu sozialisieren. Eine andere Verbindung zu Natur und Menschen. „Ja und gerade in der Jugend ist es halt so, die die du kennen lernst und mit denen du befreundet bist, sind halt wirklich die, mit denen du befreundet bist! Viel mehr gibt’s dann auch nicht. In Berlin wäre mir das alles zu Big. Also das ist alles nett und toll, aber ich weiß nicht, ob ich in Berlin so innige Freundschaften hätte, wie ich sie hier habe. Also weiß ich nicht, kann auch totaler Quatsch sein, was ich hier sag. Aber vom Gefühl her bin ich halt hier Zuhause!“ Ein rasanteres Leben und die ständige Reizüberflutung moderner Metropolen stoppen den Drang da raus zu wollen, stoppen Kreativität? Natürlich gibt es Ausnahmen und auch dort wollen Menschen raus. Raus aus den grauen Betonwänden. Aber es ist vielleicht nicht diese intensive Suche nach neuen Möglichkeiten. Dir wird alles bereits frei Haus geliefert. „Ja, man muss sich halt entscheiden. Zu welchen von den zwanzig Konzerten geh ich heut Abend. Dann muss man wahrscheinlich facebook oder whatsapp fragen: Wer geht wo hin und dann musst du dich entscheiden, wen du am liebsten sehen möchtest. Wenn du hier überfordert sein möchtest, stehen halt zwei Veranstaltungen zur Verfügung und dann musst du dich halt zwischen den beiden entscheiden.“

Heute Abend müssen wir uns nicht lange entscheiden. Das haben wir schon vor vier Monaten getan. Es gibt nur eine Alternative. Volxbad zum zweiten! Findus und Turbostaat. Das Gesamtpaket passt. Das war gestern schon so und heute vielleicht noch einen kleinen Tick mehr. „Wir haben uns Gedanken darüber gemacht und Vierkanttretlager haben sofort gesagt: Klar, machen wir. Wo wir auch sehr froh drüber sind. Die spielen ja im Dezember (Anmerkung: keine Angst, das ist schon vorbei) auch in Husum und füllen den Laden alleine auch zwei Mal. Sich dann als Vorband verheizen zu lassen, hätten sie ja auch nicht mehr nötig. Aber man versteht sich halt gut und verbringt den Abend zusammen und da sind wir auch sehr froh drum. Genau wie Findus jetzt. Ich glaub sowas macht den Abend zu einem runden Abend. Man kauft mit so einer Konzertkarte ein Komplettprogramm und wir versuchen dann, im Rahmen unser Möglichkeiten, was geiles hinzuzaubern.“ Turbostaat sorgen dafür, dass es gut wird. Es sind wirklich alle da. Selbst du kennst ziemlich viele hier. Die Turbostaat Familie ist seit Jahren zusammen gewachsen. Wenn du alleine kommst, bist du nicht alleine. Ein letztes Mal fragst du dich, ob es einen Unterschied zwischen den Shows in Husum und Flensburg gibt? „Für mich ist es irgendwie das Selbe, weil Flensburg jetzt mein Zuhause ist. In Husum hat man immer noch die Nostalgie. Da hat halt alles angefangen, da hat man die ersten Konzerte gespielt. Peter ist mit dem Laden noch sehr verbunden, weil er da Jahre gearbeitet hat und es ist immer schön nach Husum zurück zu kommen, weil man da so selten ist. Meine Eltern wohnen in einem Dorf neben Husum. Da fahr ich dann in das Dorf um sie zu besuchen. Aber wenn ich bei so einem Konzerttag durch Husum laufe und sehe, dass dort immer noch unfassbar viele Punker am Hafen sitzen und Dosenbier trinken, dann freut mich das. Also das ist halt so: Hey es ist zwar Kleinstadt, aber es passiert noch was!“ Hier passiert heute auch was. Es ist das intensivste und längste Turbostaat Konzert, das du jemals erlebt hast. Das „Heimspiel“ scheint hier alle völlig aus der Alltagsschale zu reißen. Niemand denkt an Morgen! Ob ihr morgen noch eine Stimme habt? Scheiß egal. Augenringe, blaue Flecken, Muskelkater? Who cares? Wieder einmal weißt du, warum du so weit fährst.

Vierkanttretlager sagen, der schönste Ort in Schleswig-Holstein sei der Husumer Speicher bei einem Turbostaat Konzert. Jan sagt: „Das Volxbad. Es ist ein bisschen mein Wohnzimmer. Ich wohn hier um die Ecke. Mein ehemaliger Mitbewohner macht den Laden hier, der arbeitet hier, man kennt die Tresenkräfte. Es ist halt ein bisschen wie ins Wohnzimmer kommen. Auch wenn dich die Musik, die abends hier läuft, nicht so anspricht, kommt man halt trotzdem, weil man seine Freunde trifft. Also kulturell gesehen ist es schon das Volxsbad. Landschaftlich gesehen ist es dann diese Strecke jetzt hier in der Nähe vom Ostseebad am Strand lang Richtung Dänemark laufen. Das ist mein geiler Tipp für Flensburg. Lauf doch einfach mal durch die Gegend und guck dir die Sachen an!“

Jetzt gerade ist das Volxbad in Flensburg der schönste Ort Deutschlands. (published: artempire #27+#28)

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