Firegirl: Hack’n Splash Rescue Review | Wütende Höllenfeuer

In Firegirl: Hack’n Splash Rescue schickt ihr eine junge Frau in brennende Gebäude, um Menschenleben zu retten! 

Wer von euch wollte als Kind bei der Feuerwehr arbeiten? Sicherlich findet sich da doch irgendwer, oder? Schließlich wurde 2017 in einer Umfrage der Marktforschungsplattform Appinio herausgefunden, dass ein Job bei der Feuerwehr auf Platz 6 der beliebtesten Berufswünsche unter Kindern steht. Nicht YouTube, Tiktok oder Hollywood, nein, die klassische Feuerwehr hat all diese Berufszweige ausgestochen. Und trotzdem ist es irgendwie ungewohnt, diese Tätigkeit im Videospiel auszuüben. Während wir es alle regelmäßig erleben, mit der Polizei Verbrechen aufzuklären und Recht und Ordnung sprechen zu lassen, passiert es deutlich seltener, dass wir wild mit Wasser um uns spritzen dürfen. Vielleicht wirkt diese Aufgabe in diesem Kontext einfach zu eintönig. Hier und da könnte noch eine Katze vom Baum gerettet werden, aber im Großen und Ganzen fehlt die Abwechslung, oder? Zumindest wäre das die passende Erklärung dafür, wieso es Feuerwehrspiele deutlich seltener gibt. 

Ständig Feuer unter’m Hintern 

Firegirl: Hack’n Splash Rescue bestätigt diesen Eindruck. Eine junge Frau rennt ständig von Haus zu Haus, deren Aufbau zufällig generiert ist und löscht dort unzählige Flammenmonster mit grimmigen Gesichtern. Manchmal geht es in einen Zug, mal wütet ein Waldbrand, doch das Konzept bleibt gleich. Das namensgebende Firegirl stürzt sich in die Gefahr, spritzt Wasser, hüpft durch Etagen und kann das kühle Nass dazu nutzen, sich per Wasserdüse in die Höhe zu schießen. Zumindest geht das so lange gut, wie noch Wasser im Tank ist. Ihre treue Axt hilft nämlich nicht gegen die Flammen, sondern höchstens beim Einschlagen der nächsten Tür. All das passiert im Kampf gegen die Zeit, denn so ein Gebäude brennt nicht unendlich lange, bevor es einstürzt. Gelöschtes Feuer bringt wertvolle Sekunden, doch am Ende gilt es, Tiere und Menschen zu retten, bevor alles zusammenstürzt.  

So geht es also heroisch in die Feuerhölle, immer tiefer der brennenden Hitze entgegen. Firegirl spritzt mit Wasser um sich, hüpft durch Löcher in der Decke und im Boden. Feuerbälle verwunden sie, doch das hält sie nicht auf! Sie dringt tiefer vor, rettet die erste Person… und scheitert dann doch. Mist! Aber das nächste Feuer wartet. Also wieder in den Wagen, ab ins Getöse… und sie verbrennt. Erneut müssen Krankenhauskosten bezahlt werden. Das ist das Berufsrisiko, es geht einfach weiter. Firegirl: Hack’n Splash Rescue hat immer den nächsten Auftrag in petto und immer wieder landet die mutige Feuerwehrfrau schreiend auf dem Boden und muss selbst gerettet werden. Durch den zufälligen Aufbau der Gebäude entstehen beständig Situationen, die verdammt unfair und unübersichtlich sind. Ich weiß nicht, ob dadurch mehr junge Menschen diesen Job ergreifen wollen. Mich zumindest schreckt es immer mehr ab. 

Firegirl: Hack’n Splash Rescue darf nicht aufhören! 

Umso verwirrender ist es, dass ich trotzdem mehr Fans gewinne und von meinem Chef wie auch dem Bürgermeister gelobt werde. Selbst, wenn ich kein einziges Haus wirklich retten konnte, ständig Menschen auf Grund meiner Fehler sterben, werde ich gefeiert. Als würde ein Polizist zahlreiche Abzeichen bekommen, weil er zwar einen Bösewicht erwischt, aber dafür unzählige Menschen mehr erschossen hätte. Na gut, das ist näher an der Realität, als mir lieb ist. Aber so sollte es doch nicht sein, oder? Ich vermassle hier einen Auftrag nach dem anderen, aber die Geschichte geht trotzdem weiter. Ich steige Ränge auf, erfahre etwas über die fiesen Feuerdämonen, die hinter dem Trubel stecken und muss plötzlich dreizehn geheimnisvolle Bücher in den Bränden finden. Anscheinend ist es egal, wie oft ich draufgehe. Solange ich ein Buch finde oder eine Person rette, passt das schon. Klar, jedes Menschenleben ist wichtig, aber irgendwie fühlt sich das falsch an. 

Manche der geretteten Personen wollen daraufhin sogar von der Feuerwehr eingestellt werden. Sie eröffnen Läden in der Station oder helfen mir in den Häusern, andere Überlebende zu finden. Das Geld, das ich mit jedem Einsatz verdiene, kann ich in Upgrades für meinen Wassertank, meine Gesundheit oder in meine Fans stecken. So verdiene ich immerhin mehr und wappne mich besser gegen das Feuer. Nur hilft das zu Beginn alles nicht. Es ist alles zu zäh und demotivierend. Ich starte ins Feuer und gehe drauf. Immer und immer wieder spielen dieselben Musikschnipsel auf dem Weg zur Mission und bei der Abrechnung. Der Job nagt an mir. Ich kann das alles nicht mehr hören, will es nicht mehr sehen. Ich wirke machtlos gegenüber dieser Masse an Feuerdämonen. Firegirl: Hack’n Splash bringt mich an den Rand der Verzweiflung, wie es wohl auch bei echten Angestellten der Feuerwehr in so einer Situation passieren würde. 

Keine gute Werbung 

Hätten alle Kinder der eingangs erwähnten Umfrage Firegirl: Hack’n Splash Rescue gespielt, das Ergebnis hätte sehr wahrscheinlich anders ausgesehen. Wer will in einem Job arbeiten, dessen Erfolgserlebnisse sich so niederschmetternd anfühlen? Wer hat ein gutes Gefühl dabei, wenn die Menge dir zujubelt, obwohl du dich wie der letzte Versager siehst? Dejima haben hier ein starkes Sinnbild auf den psychologischen Stress in Extremsituationen entwickelt. Das kann ich nicht anders sagen. Nur will das so gar nicht mit dem lockerflockigen, schicken Pixellook zusammenpassen. Ich möchte das Gefühl haben, dem übermächtigen Feuer irgendwie trotzen zu können, statt ständig in unfairen Situationen zu sterben, die mich einfach nur ohnmächtig fühlen lassen. Wenn ein Job bei der Feuerwehr dazu führt, dass ich am liebsten das Gamepad in den Bildschirm schmeiße, bleibe ich lieber Sozialarbeiter! 

4/10 👨‍🚒 

Developer: Dejima 
Publisher: Thunderful Publishing 
Genre: Action Platformer 
Team: Gabe Miller (Lead Artist), Julien Ribassin (Lead Programmer) 
Musik: Philippe W. (Composer) 
Auszeichnungen: IGN Japan Media Award (Bitsummit 2019) 
Veröffentlichung: 14. Dezember 2021 (Steam, PS5, PS4, Xbox Series X|S, Xbox One) 


Dir hat diese Review gefallen? Dann lass uns gerne einen Kaffee da!

Kommentar verfassen