Draknek Puzzle-Klassiker | Monster und Schneemänner erobern die Switch

Draknek & Friends veröffentlichen Puzzle-Spiele in ihrer reinsten Form. Drei ihrer Klassiker sind jetzt für die Nintendo Switch erschienen.

Ich spiele seit rund 18 Jahren Tennis, seit diesem Jahr auch wieder im Verein. Dort gibt es die sogenannten Medenspiele. Das sind Mannschaftsspiele, bei denen an Wochenenden je sechs Spieler_innnen zwei konkurrierender Mannschaften gegeneinander antreten. So ein Spieltag kann sich ziehen, lange Wartezeiten sind vorprogrammiert. Klar ist das Smartphone da ein beliebtes Mittel, sich die Zeit zwischen den Matches zu verkürzen. Umso überraschter war ich, als eine Mannschaftskameradin kürzlich ein labberiges Klatschheftchen à la „Das goldene Blatt” aus ihrer Tennistasche zog und einer anderen Spielerin anbot:  „Meine Oma hat gesagt, da sind auch Rätsel drin! Aber mach nicht dieses eine hier, das will ich selber lösen. Die mag ich am liebsten.” Die beiden sind Anfang 20 und auf den ersten Blick nicht die typischen Kreuzworträtsel-Freaks. Rätsel sind offenbar etwas, auf das wir uns generationenübergreifend einigen können.

Puzzle, love, hate, repeat

Der Anblick meiner kreuzworträtselnden Mannschaftskameradinnen hat mich irgendwie beruhigt. Ich selbst mag diese Oldschool-Variante der Puzzles auch sehr gerne, fühle mich aber immer ein bisschen schäbig dabei. Das mag an ihrem angestaubten Image liegen oder daran, dass sie meistens in besagten Oma-Zeitschriften anzutreffen sind, die nicht müde werden, mit Royal-Gaga und Abnehmwahn zu titeln. Ich habe mich auch schon an digitalen Varianten dieser Buchstabenrätsel versucht, aber das funktioniert einfach nicht. Für das richtige Feeling braucht es viel zu dünne, knisternde Seiten und verschämt durchgestrichene Buchstaben, wenn eine Antwort sich doch als falsch herausgestellt hat. Das Medium ist für Puzzle jeglicher Art von großer Bedeutung. Für mich ist es zum Beispiel fast unvorstellbar, mich an meinen Schreibtisch zu setzen, den Laptop zu öffnen und mich hochkonzentriert durch einen klassischen Puzzler zu rätseln. Damit meine ich diese reinen Rätselspiele, in denen ich Level für Level Dinge verschieben, verbinden und kombinieren muss. 

So sehr ich in unserem Steam Deck-Podcast auch über die Nintendo Switch abgeranted habe: Für Puzzle-Games ist und bleibt sie einfach das perfekte Medium. Schnell zur Hand genommen, ein paar Level gerätselt, sich geärgert, die Switch wieder zur Seite gelegt und sich ein paar Stunden später noch einmal herangetraut – so sieht mein Rätsel-Zyklus normalerweise aus. Das Indie-Studio Draknek & Friends sieht das offenbar ähnlich und hat deshalb jetzt drei seiner gefeierten Rätsel-Klassiker für die Switch herausgebracht: Sokobond, A Good Snowman Is Hard to Build und Cosmic Express. Als Benja davon gehört hat, wusste sie direkt, dass die beiden letztgenannten Titel sofort mein Herz erobern würden – und sie hat absolut ins Schwarze getroffen: Schneemänner und Monster im Weltall sollten es sein. Ich habe also das getan, was ich immer mit Puzzlern tue: Gerätselt, zur Seite gelegt, mich wieder herangetraut. Und verzweifelt geflucht.

A Good Snowman Is Hard To Build – Schneemänner sind Freunde

Von „Klassikern” sprechen Draknek & Friends deshalb, weil die beiden Puzzle Games schon in den Jahren 2015 und 2017 erschienen sind. Mir waren sie dennoch neu. Weder von dem Studio noch von den Spielen hatte ich je gehört, war aber von den niedlichen Charakteren aus den Trailern sofort entzückt. In A Good Snowman Is Hard to Build erwartet mich ein schwarzes, klobiges Monster mit langen, dünnen Beinen und schlaksigen Armen. Ein Gesicht hat es nicht, es ist einfach ein wandelnder schwarzer Klops, der sich manchmal am Kopf kratzt oder mir ermutigend zuwinkt, wenn ich mal etwas zu lange nachdenke. Unsere gemeinsame Mission ist so simpel wie skurril: Wir möchten in einem verlassenen Park Schneemänner (und -frauen!) bauen. Dafür laufen wir in einer Art Labyrinth durch Gärten, die jeweils durch Hecken voneinander abgetrennt sind. Nicht jeder Garten ist von Anfang an erreichbar. Erst, wenn wir einen Schneemann ordnungsgemäß zusammengesetzt haben, öffnet sich in der Hecke ein kleiner Durchgang, der uns den Weg zu neuen Rätseln eröffnet.

Sobald ich eines dieser „Abteile” betrete, verrät das Monster mir die Namen, die er für die Schneemenschen vorgesehen hat. Wir finden hier eine bestimmte Anzahl Schneebälle vor, die zu einer großen, einer mittelgroßen und einer kleinen Kugel geformt und zusammengesetzt werden müssen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Sowohl Schnee als auch Platz sind hier begrenzte Güter, es kann also nicht einfach nach Herzenslust herumgerollt werden. Haben wir es doch einmal geschafft, ruft das Monster noch einmal fröhlich den Namen des Schneemanns aus und verpasst ihm einen individuellen Style. Hier gibt es keine klassischen Karotten-Nasen, sondern stylische Hüte, Sonnenbrillen oder sogar Clowns-Perücken, um unsere Schneefreunde zu schmücken. Und Freunde scheinen es wirklich zu sein: Als Monster haben wir nämlich auch die Möglichkeit, unsere eiskalten Gefährten liebevoll zu umarmen. Sie scheinen unsere einzige Gesellschaft zu sein, was dem Puzzle-Game in seiner Einfachheit eine leichte Melancholie verleiht.

Obwohl A Good Snowman Is Hard to Build an vielen Stellen wirklich knifflig ist, habe ich nie die Motivation verloren, weiterzurätseln. Das liegt zum Einen vermutlich an der Möglichkeit, meine letzten Züge durch einen einfachen Tastenklick ungeschehen zu machen und so nach Herzenslust herumzuprobieren. Habe ich mich gänzlich in die Bredouille gerollt, starte ich das Level einfach noch einmal komplett neu. Auch die Tatsache, dass es kein Menü gibt, in dem ich die verschiedenen Level anwähle, sondern in dem Park herumspazieren und nach neuen Herausforderungen suchen kann, hat dafür gesorgt, dass ich nie wirklich aus dem Spielflow herausgerissen wurde. Klar war ich manchmal genervt, wenn etwas absolut nicht klappen wollte, aber dann griff meine bereits erwähnte, altbewährte Taktik: nicht gegen die Wand werfen, sondern Sanft zur Seite legen und einfach später noch einmal draufschauen. Meistens war der Snowman dann doch gar nicht so hard to build, wie ich vorher dachte.

Cosmic Express – Nächster Halt: Verzweiflung

Ein bisschen anders verhält es sich da mit Cosmic Express. Monster im Weltall sind erst einmal eine klasse Sache. Im Gegensatz zum bereits besprochenen Puzzler fällt hier auf, dass alles quietschbunt und ein bisschen reizüberflutend ist. Die Monster, die mehr oder wenig geduldig auf mich, den Cosmic Express, warten, haben alle verschiedene Farben. Neben den Reisegästen finde ich in jedem Level Boxen vor, die den jeweiligen Monstern zugeordnet sind und an denen ich sie entsprechend abliefern muss. Meine Aufgabe besteht darin, eine Schienenstrecke zu bauen, auf der der kosmische Express die wartenden Monster einsammelt, zu ihrer vorgesehen Destination bringt und am Schluss in den vorgegeben Zielbahnhof einfährt. Das klingt komplex und das ist es auch. Während das erste Level einer jeden Galaxie mich noch ganz easy in die Mechanik einführt, bin ich schon ein oder zwei Level weiter oft komplett lost.

Denn genau wie menschliche Fahrgäste können Monster sehr wählerisch sein. Ist zum Beispiel einmal ein grünes Exemplar auf meinen Zug aufgesprungen, ist das Gefährt quasi kontaminiert. Lilafarbene und orangene Monster betreten doch keinen Zug, in dem vorher ein Grünling saß. Bah! Im Weg herumstehende Hindernisse erschweren mir die Aufstellung der Weichen und auch hier macht der fehlende Platz mir oft einen Strich durch die Rechnung. So eine Strecke will sehr genau geplant sein – und nur, wenn alle Monster ordnungsgemäß abgeliefert sind, öffnet sich die Tür, die mir die Einfahrt in den Zielbahnhof ermöglicht. Auch wenn das Spielerlebnis an sich eher stressfrei ist, machen mich die kleinen Biester, die ständig auf ihre nicht vorhandene Monster-Uhr schauen, ein wenig nervös. Ich will euch ja helfen – aber wie denn??! 

Jede Galaxie bietet spezielle Gimmicks, die mir das Spielerlebnis sowohl erleichtern als auch massiv verkomplizieren können. So bekomme ich in einer Welt beispielsweise einen zusätzlichen Sitzplatz in meinem Express (Yes!), während ich in einer anderen, weit entfernten Galaxie plötzlich in schwarze Löcher fahren kann, die mich an eine andere Position auf der Karte teleportieren (No!). Ich sage es, wie es ist: Die vielen verschiedenen Möglichkeiten, die immer komplexer werdenden Strecken und die zusätzlichen Hürden haben mein Gehirn ganz schön verknotet. Ab einer gewissen Komplexität sagt mein Kopf einfach: Nö. Mach deinen Scheiß doch alleine. Und so kann ich bei Cosmic Express leider nicht sagen, dass das Leveldesign mich motiviert hat, immer und immer weiter zu knobeln. Es macht mich aggressiv, wenn ich merke, dass ich mich mit meinen Eisenbahnschienen in eine Sackgasse manövriert habe, während in der Ecke dort hinten noch immer ein orangefarbener Blob ungeduldig auf meine Ankunft wartet. 

Generationen-Clash im Rätsel-Business

„Lovingly Crafted Puzzle Games Since 2013” prangt auf der Webseite von Draknek & Friends. Die Liebe für dieses Genre habe ich bei den beiden Titeln ganz deutlich spüren können. Aber so ist das mit Puzzle-Games: Sie fordern uns – deshalb lieben und verfluchen wir sie. Sie sind dafür konzipiert, dass wir sie hasserfüllt zur Seite legen, um sie womöglich wochenlang zu verschmähen und irgendwann zu denken: Moment mal, da war doch dieses kleine Monster, das immer noch auf den Zug wartet. Choo choo, ich komme! Und wenn gar nichts hilft, bleibt immer noch die Möglichkeit, die Switch einem_r Freund_in oder sogar der Oma in die Hand zu drücken und zu sagen: Ich kann nicht mehr! Mach du mal. Oder im Falle der Oma: Sag mal, was ich machen soll – denn die vielen, komischen Knöpfe der Konsole überfordern sie dann doch zu sehr.

Wie eine weise Person eingangs bereits sagte: Rätsel sind etwas, auf das wir uns generationsübergreifend einigen können. Jugendliche können Spaß an Kreuzworträtseln haben, die nach Katzenzungen schmecken, die zu lange offen in der Vitrine lagen und schon von einer leicht gräulichen Patina umhüllt sind. Und Omas können Spaß an Monstern finden, die ungeduldig auf den Zug warten. 

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