Super Magbot Review | Äußerst anziehend

Rein durch magnetisches Anziehen und Abstoßen ist der Platformer von Astral Pixel namens Super Magbot zu meistern!

Es gibt nur wenige Momente, in denen ich das Gefühl habe, nicht mehr hüpfen zu können. Nach einem Tag im Trampolinpark ist mein Körper zum Beispiel völlig verwirrt, dass der herkömmliche Boden nicht nachgibt, so dass sich jeder Hüpfer abseits des elastischen Untergrunds mehr als seltsam anfühlt. Auf manchen Partys hat der Boden auch so extrem geklebt, dass ich allein beim normalen Gehen schon Angst hatte, meine Schuhe zu verlieren. Es ist ein ganz seltsames Gefühl, so eine einfache Handlung nicht uneingeschränkt einsetzen zu können. Kein Wunder also, dass das Springen die Hauptmechanik eines kompletten Videospielgenres wurde. Und dann taucht ein kleines Studio namens Astral Pixel auf und sagt, dass sie einen Platformer entwickelt haben, der enorme Präzision verlangt, aber mich nicht springen lässt. Das klingt doch grauenhaft! Hüpfen ist das, was für uns klobige Gestalten dem Fliegen noch am nächsten kommt! Wieso wollt ihr mir das wegnehmen?

Minus- und Pluspol

„Aber Malte“, sagt ihr, „ganz so ist es doch nicht. Der Super Magbot kann zwar nicht springen, aber er ist magnetisch!“ – okay, wir haben also einen Roboter, der laut einiger Aluhüte frisch geimpft ist und Sternenfragmente des frisch erschienenen Magnetsterns einsammeln muss, bevor das ein Bösewicht schafft. Dabei springt er nicht, sondern zieht sich magnetisch durch die Level. Ich bin skeptisch. Nicht wegen dieser völlig hanebüchenen Geschichte, sondern weil ich mich frage, wie lange ich solche Magnetspielereien spannend finde. Die Level sind meist in Gänze zu sehen und wollen perfekt bestanden werden. Ein Fehler und es geht von vorne los. Will ich es schwerer haben, kann ich versuchen, die zusätzlichen Sternchenknubbel einzusammeln. Entweder ziehe ich mich an rote und blaue Magnetflächen an, indem ich die gegensätzliche Farbe aktiviere oder stoße mich davon ab, wenn ich denselben Magnet nutze. Dabei muss ich natürlich flott zielen, wohin ich gezogen oder gestoßen werde.

Das heißt also, ich muss hier Hindernisse möglichst präzise und mit schneller Reaktion überwinden und mich darauf verlassen, dass die Magnetkraft mich schon irgendwie richtig durch die Gegend schleudert oder zieht. Klappt alles, dauert ein Level nicht länger als ein paar Sekunden, vielleicht mal eine Minute. Aber davor sind unzählige Versuche, die mich schnell wütend machen. Ich fühle mich oft nicht so, als hätte ich hier die völlige Kontrolle. Oder ich habe einen Knoten im Hirn, der dafür sorgt, dass ich mich eigentlich zu einem roten Block ziehen will, daraufhin meinen roten Magneten aktiviere und deswegen in den Abgrund gestoßen werde. Das konnte ich nie ganz entwirren und dann sitze ich da, gefrustet und genervt, und weiß trotzdem, dass ich ganz allein Schuld an dieser Misere bin. Hey, Super Magbot, vielen Dank, ich fühle mich offiziell blöd und ungeschickt. Perfekt, um eine Galaxie zu retten!

Ein Super Magbot gibt nicht auf!

Komm schon, versuch es nochmal! Und nochmal! Und nochmal! Nicht aufgeben, kleiner Mann! Du weißt doch, wie es geht, so weit bist du vorher noch nicht gekommen, du wirst besser! Nur ein Wimpernschlag liegt zwischen einem unglücklichen Ableben und dem nächsten Versuch. Super Magbot verschwendet keine Sekunde damit, Unfälle zu bestrafen. Das hilft enorm, durch ständige Fehler immer mehr vom Level zu durchschauen und zu lernen. Irgendwann bin ich dann zwar noch immer wütend, aber fliege durch den Abschnitt, jeder Magneteinsatz sitzt perfekt und ich erreiche das Ziel. Gerade bei den Bosskämpfen, die ein langer Hindernisparcour sind, fühlt sich ein perfekter Durchlauf großartig an und sieht außerdem noch sehr cool aus. Zähne zusammenbeißen, Kopf ausschalten, muscle memory trainieren zahlt sich irgendwann aus. Die Frage ist nur, ob ihr ausdauernd genug seid, diesen Prozess anzustreben. Bei mir klappte es nämlich nur bedingt.

Gerade die zusätzliche Herausforderung der sammelbaren Sternenfragmente im Level hat mich teilweise rätselnd zurückgelassen. Ich habe keine Ahnung, wie manche davon überhaupt zu erreichen sind. Das heißt natürlich auch, dass Super Magbot spielerische Möglichkeiten bereithält, die sich mir einfach nie erschlossen haben. Auf der anderen Seite passen die Zahl der Level und die eingebrachten Abwechslungen nicht ganz zusammen, so dass ich zu oft einfach das gleiche in anderer Reihenfolge machen musste. Frust und Eintönigkeit überwogen das tolle Gefühl, wenn mal ein Run perfekt funktionierte. Während ich die erste Welt noch am Stück durchspielte und mich nicht unterkriegen ließ, kamen in den folgenden Spielabschnitten immer häufiger Pausen dazu, weil mir neue Ideen und Ansätze fehlten. Da haben selbst die knuffigen Dialoge am Beginn einer Welt nicht geholfen, obwohl sie durchaus das Potential zu einer kleinen Motivationsspritze hatten.

Mystische Anziehungskraft

Andererseits zieht es mich immer wieder zurück zum kleinen Roboter. Würden die einzelnen Level etwas abwechslungsreicher aussehen oder mehr Neuheiten im Gameplay bieten, wären selbst die Pausen nicht nötig. Die süße Pixeloptik, der fetzige Soundtrack und das flotte Spieltempo machen trotzdem Spaß. Auch wenn ich selbst kein Interesse daran habe Highscores aufzustellen, dürfte Super Magbot ein Spiel werden, von dem ich mir liebend gerne Speedruns anschaue, weil ich das Potential sehe, dass hier drinsteckt, wenn jemand die Magnete perfekt beherrscht. Mein Denkapparat ist dafür eindeutig zu langsam und ich selbst auch zu faul, ausgiebiges Gehirnjogging zu betreiben, um daran etwas zu ändern. Ja, Herr Kawashima, ich störe mich nicht an meinem geistigen Alter von 64 Jahren! Mir reicht es, ab und an ein paar Level zu spielen, bis ich so wütend bin, dass ich mich darüber freue, das Spiel wieder auszuschalten. Ganz weg davon komme ich nämlich nicht.

7/10 🧲🤖

Developer: Astral Pixel
Publisher: Team17
Genre: Platformer
Team: Eldi Guzmán Cerón, Daniel Guzmán Cerón (Game Design, Programming, Pixel Art); Galceran Amorós Mèlich (Illustration); Thiago Adamo, Dani Serranú (Audio Design)
Musik: Rafael Langoni
Veröffentlichung: 22. Juni 2021 (Steam, Switch)


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