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Before We Leave Review | Es gibt noch Hoffnung

In Before We Leave steigt die Menschheit aus den Schutzbunkern und bricht auf in eine Zukunft nach der Katastrophe.

Unsere Zukunft war wohl noch nie so unsicher wie heute. Nicht nur die Beschaffenheit des Klimas wird sich langfristig irreversibel ändern, auch eine rasche Zerstörung in Form eines Atomkrieges ist möglich. Postapokalyptische Welten in Filmen, Büchern und Videospielen sind meist sehr pessimistisch geprägt. Die wenigen Überlebenden bekriegen sich weiter und vegetieren in einer nuklearen Wüste vor sich hin. Anders läuft es in Before We Leave von Publisher Team17 und dem neuseeländischen Team von Balancing Monkey Games. Hier gehen wir mit einem Gefühl der Hoffnung aus dem Schutzbunker. Lasst uns das Erbe der Menschheit zurückerobern!

Der Beginn einer aufblühenden Zivilisation in Before We Leave

Der erste Schritt in die Freiheit bringt frische Luft und Grün, soweit das Auge reicht. Nach Jahrzehnten im Bunker ist das wohl ein monumentaler Anblick. So aufregend dieser Moment für unsere wimmelnden Bewohner_innen sein mag, so banal und einfach präsentiert sich der Start ins Abenteuer für uns. Mehr als einen Brunnen, ein paar Kartoffelfelder und Hütten, sowie einen Holzfäller können wir nicht auf die Beine stellen. Sobald die ersten Strukturen stehen, ergibt sich ein vielen altbekanntes Bild. Die kleinen Männer und Frauen wuseln herum wie Anfang der Neunziger in Die Siedler. Schnell stelle ich fest, dass Vorausplanen der Schlüssel zum Erfolg ist. Wer den Steinbruch zu nah an die Wohnhäuser stellt, der riskiert durch Lärm und Staubbelastung unzufriedene Arbeiter_innen.

Ist das erste Lagerhaus mal gefüllt, beginnt es ein wenig komplizierter zu werden. Die richtigen Ketten müssen  vorhanden sein, sodass alle Ressourcen zur Genüge bereitstehen. Dabei baut die Produktion eines Guts immer auf einem anderen auf. Eisenerz wird in der Eisenmine geschürft und dann weiter zur Gießerei gebracht, wo das Erz zu Eisenbarren wird. Diese werden weitergeschickt in die Stahlfabrik, der Stahl landet bald darauf im Lagerhaus. Wie, die Stahlfabrik hat doch gar keinen Strom? Schnell noch ein Ölfeld gesucht, Förderung drauf und ein Kraftwerk in die Nähe gebaut. Sollte ein Glied plötzlich wegfallen, ist im Aufbauspiel der Wirtschaftskreislauf unterbrochen. Nebenbei muss genügend Wohnraum geschaffen werden, denn immer mehr Überlebende strömen aus dem Bunker. So wächst die Dorfgemeinschaft langsam zu einer kleineren Stadt von Arbeiter_innen und Landwirt_innen.

Kolonie in der Wüste

Der Planet Erde ist in Before We Leave vereinfacht als Kugel dargestellt, um die wir herumscrollen können. Mehrere Inseln, auf denen wir Tochterstädte gründen können, stellen verschiedene Kontinente dar. Sobald unsere Dorfbewohner_innen ein Schiffswrack an der Küste der Startinsel in Stand gesetzt haben, werden Kolonieschiffe ausgesandt. An ihrem Ziel finden die Siedler_innen eine neue Klimazone vor. Auf der Wüsteninsel können nur bestimmte, fruchtbare Stellen zur Agrarwirtschaft verwendet werden. Ohne die richtige Kleidung werden Arbeiter_innen müde und unterbrechen die Produktion. Gut also, dass von der ersten Insel Werkzeuge und Produkte per Schiff eingeführt werden können. Hier beginnt der Zyklus von Before We Leave. Wir gründen mehrere Städte und können auf unseren weiter entwickelten Siedlungen aufbauen. Dies gilt für Ressourcen und auch für Forschung. Der Forschungsbaum, durch den wir vergessene Techniken wiederentdecken, war eine der größten Motivationen den Kolonisationszyklus voranzutreiben.

Bei allem Drang nach vorne, dürfen wir jedoch die Zufriedenheit der Erdenbürger_innen nicht außer Acht lassen. Luxusgüter, Kleidung, Tee und gesundes Essen lassen die Herzen höher schlagen. Ganz zu schweigen von Umweltschutz, der mit Bäumen und später mit entwickelten Reinigungsanlagen betrieben wird. Wir wollen unsere zweite Chance auf der Erde ja nicht wegwerfen, indem wir weiterhin alles verpesten. Doch auch wenn unsere Siedlungen florieren, irgendetwas fehlt noch. Auch der Technologiebaum ist suspekt nach oben hin abgesperrt. Was aber tun, wenn die Technologien der alten Zivilisation auf der Erde nicht ausreichen, um den Forschungsdrang zu stillen? Wir arbeiten daraufhin, eine verwahrloste Rakete wieder in Stand zu setzen! Das Schiff ist für Kolonisierungsmissionen ausgerüstet. Dies lässt klar darauf schließen, dass die Menschheit vor dem Kollaps multiplanetar war. Nach gekonntem Zusammenspiel von drei Städten sind die nötigen Materialien zur Reparatur angeschifft. Ich bin stolz auf meine Arbeiter_innen und auf mein Mikromanagement der Wirtschaftskette!

Before We Leave schickt die neue Kultur zu den Sternen

Nun läuft die finale Phase von Before We Leave an. Der Kolonisationszyklus wiederholt sich abermals. Diesmal passiert dies aber in planetarem Maßstab. Verschiedene Himmelskörper bieten unterschiedliche Biome, je nachdem wie sie zur Sonne stehen. Von der Erde fliegen wir Baustoffe ein, um die galaktischen Außenposten schneller denn je hochzufahren. Auf den fremden Planeten finden wir tatsächlich Überreste menschlicher Zivilisation, die unsere Forschung beflügeln. Während die Baucrew im Weltall unterwegs ist, optimieren die alteingesessenen Bürger_innen in der Heimat ihre Zufriedenheit. Springbrunnen verschönern das Stadtbild, während Smoothies aus frischem Obst und Gemüse hergestellt werden. So entsteht eine faszinierende Metropole, die eine Mischung aus archaischen und topmodernen Elementen inkorporiert. Die Gesellschaft in diesem neuen Zeitalter hat aus alten Fehlern gelernt und lebt im Einklang mit der Natur, erzeugt später nur erneuerbare Energie. Jeder abgeholzte Baum wird aufgeforstet. Aber nur wenn wir als Spieler_innen das auch konsequent umsetzen.

Mein gewählter Ansatz einer Kreislaufwirtschaft lässt mich jedenfalls darauf hoffen, dass die wuselnden Gestalten auch ohne mich auf ihren neuen Planeten zurechtkommen. Um den Zyklus der neuen Kolonien ad infinitum weiterzuführen, fehlt mir am Ende doch etwas die Abwechslung. Neue Technologien hin oder her, die Expansion muss auch irgendwann ein Ende finden. Die Errungenschaften auf Steam erzählen von einigen Easter Eggs, die entfernte Planeten bereithalten. Vielleicht werde ich später einen Blick riskieren, wenn die Repetition von Before We Leave in Vergessenheit geraten ist. Was bleibt ist die Bewunderung für einen postapokalyptischen Ansatz, der statt Krieg im Ödland nachhaltiges Wirtschaften und einen optimistischen Neuanfang in den Fokus rückt.

7/10🚀

Developer: Balancing Monkey Games
Publisher: Team 17
Genre: Aufbausimulation
Veröffentlichung: 13. Mai 2021 (Steam)

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