Zniw Adventure Review | Jeder Mensch braucht einen Lieblingsdino

Ein kleiner Dino verläuft sich und muss in Zniw Adventure dringend von euch nach Hause geklickt werden!

Es gibt ein paar Fragen, die ich Menschen stelle, wenn ich sie kennenlerne. Isst du Pudding mit oder ohne Haut? Sagst du “die Nutella” oder “das Nutella?” Ziehst du zuerst die Hose oder zuerst die Socken an? Was ist dein Lieblingsdinosaurier? Je nachdem, wie mein Gegenüber antwortet, weiß ich schonmal grob, ob ich mich weiter unterhalten möchte oder den Kontakt einfach auf der Stelle abbreche. Ich habe da meine Prinzipien. Das Problem ist nur, dass ich während des Dino-Hypes rund um den ersten Jurassic Park Film aufgewachsen bin, weswegen es mir wahrscheinlich leichter fällt, eine favorisierte Echse zu nennen, als es bei jüngeren Menschen der Fall ist. Für umso wichtiger halte ich es, Spiele zu empfehlen, die euch die Entscheidung vereinfachen. Deswegen solltet ihr also genau aufpassen, was ich euch jetzt zu Zniw Adventure erzählen kann!

Was soll ich ihr nur schenken?

Zniw ist eine kleine Dinosaurierdame, deren Mutter bald Geburtstag feiert. Wie blöd, dass sie noch kein Geschenk parat hat, weswegen schnell die Läden der Stadt durchstöbert werden müssen. Nachdem ihr die erste Idee vor der Nase weggeschnappt wird, findet sie glücklicherweise einen glänzenden Stein, der sich perfekt für eine Kette eignen würde. Aber auch das wäre ja zu einfach für ein ordentliches Adventure, oder? Zack, Stein eingesammelt, ab nach Hause, Abenteuer beendet. So einfach geht es natürlich nicht. Zniw flutscht der Stein also aus der Hand und purzelt bis in den weit entfernten Dschungel, der die Stadt umgibt. Aus purer Verzweiflung verfolgt das Dinomädchen den Stein, verläuft sich im dichten Gestrüpp und steckt plötzlich in einer völlig unbekannten Gegend. Sie muss sich mit fremden Dinos und Gefahren herumschlagen und gerät unmittelbar in einen waschechten Kriminalfall im Inneren eines ausgehöhlten Berges, in dem die Stadt Fungilla liegt.

Auf ihrem Weg trifft Zniw eine Vielzahl unterschiedlichster Dinos, die allesamt ihre kleinen Problemchen und Eigenarten haben. Manchen kann Zniw helfen, was entweder die Geschichte vorantreibt oder ihr einen weiteren, glitzernden Stein bringt. Die fungieren in Zniw Adventure als Collectible. Je mehr ihr von insgesamt 26 Steinen findet, desto mehr Bonusmaterial schaltet ihr frei. Von Konzeptzeichnungen über einen Soundcheck bis hin zu einem kleinen Minispiel gibt es einiges zu entdecken. Dabei füllt ihr auch Zniws Notizbuch, in dem ihr am Ende zahlreiche Infos zu den Dinos, Pflanzen und Umgebungen findet, die ihr so entdeckt habt. Ich hatte tatsächlich großen Spaß daran, später durch die gefüllten Seiten zu blättern und mir die ganzen Fakten zu diversen Riesenechsen, Gewächsen und Tierchen anzuschauen. Ein Schlaraffenland für echte Dinofans findet sich dort. Solltet ihr euer altes großes Buch der Dinosaurier nicht mehr finden, ist Zniw Adventure vielleicht genau die Alternative, die ihr gerade sucht!

Zniw Adventure als Samstagmorgen-Cartoon

Falls ihr die Astro Dinos oder die Dino Riders vermisst, weil ihr als Kinder ständig vor der Glotze hingt oder euer Regal mit den Actionfiguren dieser Serien vollgestellt war, sofern sie nicht im Spielzimmer auf dem Boden lagen, sind die Zwischensequenzen in Zniw Adventure ein kleines Träumchen. Die gezeichneten Bilder haben so viel Charme und Herz, dass eine komplette Serie alles andere als unvorstellbar wäre. Dabei funktionieren diese Clips auch völlig ohne Dialoge, weil die Mimik jedes Dinos so ausdrucksstark gezeichnet ist. Flackernde Outlines, große Augen und kräftige Farben könnten genauso gut aus einem Cartoon der 1980er oder 90er Jahre stammen und sind ein absolutes Highlight des Spiels. Mir persönlich wäre es fast schon lieber gewesen, wenn wirklich alles ohne Dialoge funktionieren würde. Doch sehr schnell merkt ihr, dass die Interaktion mit anderen Dinos im herkömmlichen Spielverlauf über unvertonte Sprechblasen verläuft, über die ihr euch durch die unterschiedlichen Dialogoptionen klickt.

Es wäre schön gewesen, hier eine Sprachausgabe vorzufinden, wenn es schon Dialoge geben muss, doch es sei erwähnt, dass das Studio hinter Zniw Adventure, Azure Mountain, aus zwei Personen besteht, denen wahrscheinlich das Budget fehlte, hier zu investieren. Auch der Soundtrack dudelt eher belanglos im Hintergrund, als dass er ein starkes Identifikationsmerkmal für das Spiel wäre. Trotzdem sind die Gespräche der Dinos wie auch die Texte im Notizbuch nett und humoristisch geschrieben, ohne auch nur ein einziges Mal unter die Gürtellinie zu gehen. Zniw Adventure fokussiert sich hier auf eine jüngere Zielgruppe und schafft das mit Bravour. So dürften kleine Spieler_innen fasziniert von den bunten Charakteren und den Wendungen der Geschichte sein, während die älteren Semester sich in nostalgische Gefühle zurückziehen können, solange sie die ein oder andere knifflige Kopfnuss im Spiel lösen müssen. Ein Spiel für die gesamte Familie also, wenn alle Altersschichten Elemente für sich herausziehen können.

Nostalgische Spielmechaniken?

Ebenfalls wie früher sind ein paar Spielfunktionen, die nicht ins Spiel implementiert wurden. Zum einen fehlt eine Anzeige der relevanten Punkte. Die knallbunte Optik, von der ich noch ewig schwärmen könnte, wird genau da zum Problem, wenn kleine Gegenstände zum Einsammeln oder interagieren gefunden werden müssen. Oft hing ich an einem Puzzle, weil ich ein bestimmtes Item nicht finden konnte. Da es oft unklar ist, ob ein Rätsel gerade zur Geschichte gehört oder nur eine Sidequest für ein Steinchen ist, passiert es eh schon oft genug, dass ich nicht genau weiß, was als nächstes zu tun ist. Wenn dann noch ein entscheidendes Item fehlt, das ich einfach nicht sehe, wird es schnell frustig. Dazu bei trägt dann auch noch die fehlende Schnellreise. Die meisten Adventures bieten die Möglichkeit, durch einen Doppelklick auf den Bildschirmrand direkt zur nächsten Ebene wechseln. Zniw Adventure lässt den kleinen Dino jedes Mal entspannt dorthin spazieren.

Das Gamedesign wird dadurch unnötig zäh. Sollten jüngere Menschen sich an das Spiel wagen, dürfte das nicht stören. Ich selbst habe damals die ersten Adventures auch ohne diesen Komfort gespielt, ewig an Rätseln geknobelt, alle Möglichkeiten ausprobiert und es irgendwann geschafft. Ich wusste einfach nicht, dass es auch angenehmer geht. Erfahrene Adventure-Spieler_innen dürften schneller gefrustet sein, wenn sie ständig von der einen Seite des Gebiets zur anderen schlendern müssen, um Gegenstände zu suchen oder Items auszuprobieren. Gerade, weil das Inventar begrenzt ist und nicht alles auf einmal in Zniws Rucksack passt, passiert das regelmäßig. Ich will nicht wissen, wie viel meiner Spielzeit durch sinnloses Herumgerenne draufgegangen ist. Einzig die süßen Details und die charmanten Charaktere haben mich über diesen Faktor hinwegsehen lassen. Was soll ich machen? Ich bin einfach ein Dinosaurier-Fan.

7/10 🦕

Developer: Azure Mountain
Publisher: Azure Mountain, Kurki.games
Genre: Point-and-Click Adventure
Team: Łukasz Mikołajczyk, Karolina Twardosz
Musik: Denis Comptesse (Main Composer), Kamil Patecki (Chiptunes)
Veröffentlichung: 6. November 2020 (Steam)

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