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Crown Trick Review | Im Königreich der Träume

Wenn ihr schon immer mal schön der Reihe nach im Schlaf durch Monsterhorden fegen wolltet, ist Crown Trick das perfekte Spiel!

Na, wie wäre es mit noch einem Rougelike? Nenn es von mir aus auch Rougelite, wenn es dir besser in den Kram passt, da es ein paar übergreifende Upgrades freizuspielen gibt. Gibt es davon mittlerweile nicht mal langsam genug? Ist nicht gefühlt jedes zweite Spiel, das erscheint, in diesem Genre anzusiedeln? Das sind berechtigte Fragen. Bei der Masse an ähnlichen Spielen benötigt es schon ein paar ganz besondere Eigenschaften, um herauszustechen. Mit dem Genre alleine lockst du heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Es gibt ein paar große Platzhirsche auf dem Feld, ein paar kleinere Highlights und ganz viele Titel, die in den Tiefen der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind. Da stellt sich natürlich sehr schnell die Frage, was mit Crown Trick passieren wird. Zum Glück habe ich gefühlt jedes Rougelike zumindest einmal angespielt, das in der letzten Zeit erschienen ist. Darum erzähle ich sehr gerne, was euch erwartet.

Warum gibt es keine Serie davon?

Als allererstes sticht wohl der fast schon ghiblieske Look ins Auge. Nach einem phänomenal gezeichneten Intro, in dem unsere Heldin Elle durch einen düsteren Dungeon rennt und von Monstern angegriffen wird, woraufhin sich eine Krone manifestiert, die ihr die Möglichkeit gibt, Waffen magisch durch die Luft zu schwingen, startet das Spiel. Wieso ihr in diesem düsteren Verlies sitzt, ist noch nicht so schnell klar, die Krone spricht aber sofort zu euch. Als kurzes und knackiges Tutorial werden die Mechaniken Raum für Raum erklärt, die ersten Gegner besiegt und Items gefunden. Und auch hier ist alles großartig gezeichnet. Crown Trick besteht aus zahlreichen wundervollen Animationen und Designs, die fast schon märchenhaft anmuten. Seien es kleine, magische Kröten, fies guckende Besen oder aufgerüstete Tauben, die sich euch in den Weg stellen, jede Figur könnte genauso in einem der fantastischen Animemeisterwerke vorkommen, in dem sich unsere Heldin als Hauptfigur beweisen muss.

Nachdem ihr erster Anlauf scheitert, landet Elle in einem kleinen Raum vor einem riesigen Schreibtisch inklusive gepolstertem Stuhl. Hier kann sie sich immer wieder auf die Sitzgelegenheit niederlassen und einschlafen, um so ins Reich der Träume abzudriften, wo die ganzen Verliese auf sie warten. Allerdings scheint es eine seltsame Verbindung zwischen ihren Träumen und diesem Kämmerlein zu geben. Die Krone spricht auch hier mit ihr und es lassen sich in ihren Träumen Menschen retten, die daraufhin ebenfalls außerhalb des Schlafkönigreichs ihre Hilfe anbieten. So findet Elle zu Beginn eine Frau, die Heiltränke mischt und anbietet, nachdem sie aus einem von Monstern umzingelten Käfig gelassen wurde. Das klingt doch wie ein super Film! Mit ebenfalls schlafend gefundenen Kristallen lassen sich ihre Dienste sogar verbessern, was uns große Vorteile für jeden weiteren Lauf bringt. So könnt ihr also euer kleines Königreich außerhalb des Schlummerlandes mit Gehilfen füllen und eure Aufgabe damit erleichtern.

Crown Trick ist kein Kinderspiel

Was die wundervolle Optik allerdings nicht vermuten lässt, ist der knackige Schwierigkeitsgrad. Elle und die Gegner bewegen sich immer gleichzeitig. Bleibt ihr also stehen, bewegen sich auch die Feinde nicht. Das macht jede eurer Bewegungen zu einer großen taktischen Entscheidung. Lauft ihr, attackiert ihr, nutzt ihr einen Zauberspruch oder teleportiert ihr euch mit euren Zauberschuhen hinter die Feinde? Die Umgebung muss dabei genau beobachtet werden, um nicht plötzlich in einer fiesen Falle zu landen, die den ganzen Run beendet. Vorausschauendes Handeln ist in Crown Trick absolut verpflichtend. Vor allem die Minibosse und große Endgegner mit ihren langen Energieleisten machen euch große Probleme, wenn ihr nicht genau wisst, wie ihr die zufällig gefundenen Items sowie eure Fertigkeiten am besten einsetzt. Zum Glück gibt es einiges, auf das ihr zurückgreifen könnt wie unterschiedliche Waffen, Statuseffekte und Heiltränke. Scheut euch dabei nicht herumzuprobieren. Wenn ihr schon aufwacht, dann doch mit einem größtmöglichen Informationsgewinn.

So dienen die unterschiedlichen Waffen dazu, unterschiedliche Felder mit Angriffen abzudecken. Äxte hauen jedes angrenzende Feld, Schwerter die Reihe vor euch, Speere schlagen zwei Felder nach vorne und Schusswaffen haben die größte Reichweite. Ihr könnt auch Züge überspringen, damit sich nur Feinde bewegen und in euren Angriffsradius gelangen. Besiegte Minibosse können als Hilfe ausgerüstet werden, wodurch ihr deren Zauberkräfte einsetzen könnt, sofern es eure Manapunkte zulassen. Die laden sich durch eine Angriffskette wieder auf. Die Schuhe, welche zum teleportieren genutzt werden können, sind ebenfalls nur begrenzt einsetzbar. Hier ist aber nach jedem abgefertigten Raum alles wieder aufgefüllt. Wie so oft kommt es vor allem darauf an, wie ihr die einzelnen Fertigkeiten kombiniert, welche Waffen, Tränke oder Relikte für eine Stärkung eurer Fertigkeiten ihr findet. Manche Träume laufen dementsprechend wie am Schnürchen, bei anderen dürft ihr euch keine Fehler erlauben. Crown Trick ist hier also wie die meisten anderen Rougelikes!

Der Fortschritt treibt uns in den Schlaf!

Je weiter ihr in Crown Trick vorankommt, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich. In den Träumen sammelt ihr Münzen, die ihr nach einem erfolgreichen Bosskampf in einem Laden einsetzen könnt. Hier könnt ihr entweder direkte Upgrades für euch kaufen oder Blaupausen, die ihr umwandeln könnt, um diese Items in späteren Runs nutzen zu können. Natürlich könnt ihr all diesen Kram auch vereinzelt zufällig finden. So führen jeder Erfolg und Misserfolg zu einer Erweiterung des Spielumfangs, was euch natürlich genretypisch wieder neue Kniffe und Tricks lernen lässt. Anders werdet ihr auch nicht vorankommen, da die putzigen Feinde sonst schnell den Boden mit euch wischen.  Das schmälert die Motivation jedoch nicht, mehr auszuprobieren und herauszufinden. Die Optik ist vielmehr eine weitere treibende Kraft. Ich will auf jeden Fall sehen, was für putzige Kreaturen mir auf den nächsten Ebenen sonst noch das Leben nehmen wollen.

Natürlich bieten unterschiedliche Elementzauber sowie die Möglichkeiten, Räume mit unterschiedlichen Flüssigkeiten zu bekleckern, die allesamt unterschiedliche Effekte für euch und eure Gegner bereithalten, auch einiges an Abwechslung. Crown Trick ist spielmechanisch nicht einfach nur ein Abklatsch anderer Rougelike/Rougelite-Größen. Es ist ebenfalls nicht einfach ein Crypt of the Necrodancer ohne Musik. Aber trotzdem ist es vor allem die Optik, die mich weiter am Ball hält. Ich fühle mich ein bisschen wie der kleine Malte, der Spiele vor allem gespielt hat, um die nächste Zwischensequenz zu sehen. Gameplay schön und gut, zeigt mir vielmehr, wie ihr die Geschichte inszeniert habt. Das schafft Crown Trick auch. Mit jeder Ebene warte ich auf eine Zwischensequenz, die mich genauso umhaut wie das Intro. Dass ich dann trotzdem am Ball bleibe, auch wenn dieses Bedürfnis so gut wie nie erfüllt wird, spricht dann doch noch für das restliche Spiel.

8/10 👑

Developer: NExT Studios
Publisher: Team17
Genre: Rundenbasiertes Taktik-Rougelike
Team: Carllei, Fanye, Nicolasbai, Ryanshen, Shulkhu (Game Design); Billjzhang, Rayeliu, Yunbinmiao (Programmer); Dmkjyang (Sound Design); Arvinai, Shijiechen (Art Design); Noflyyang, Yudongzhan (Animators)
Musik: Laurent Ziliani, Edwin Wendler, Shaun Chasin (Composer)
Auszeichnungen: Finalist (Indie Prize Asia 2019)
Veröffentlichung: 16. Oktober 2020 (Steam, Switch)

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