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Neon Abyss Review | Schmeiß die Kugeln durch den Club

In Neon Abyss von Veewo Games warten drückende Beats, knallharte Gegnerhorden und wuchtige Wummen auf euch.

Neon- und Stroboskoplicht flackert durch den dunklen Raum. Eine große, verschwitzte Masse steht vor dem DJ und tanzt zu den elektronischen Klängen, welche Körper und Wände zum Beben bringen. Doch das allein reicht nicht. Sich einfach nur im Tanzen verlieren, sich der lauten Musik hingeben und den Körper unkontrolliert zappeln lassen, die Kontrolle über die Bewegung abgeben, das alles ist nicht genug. Direkt neben dem Club wartet der sogenannte Neon Abyss. Ein tiefer Spalt, der in die Katakomben unter dem Club führt. Ein Ort, an dem Maschinen sich selbstständig gemacht haben und jedes lebende Wesen auf der Stelle attackieren. Der perfekte Ort, um ungeniert mit skurrilen Waffen um sich zu schießen und Ruhe in die Schaltkreise zu bringen. Also entfernt euch von der Tanzfläche, lasst einen letzten Gruß an der Bar und springt in die Tiefe! Wer weiß, wie weit ihr dieses Mal kommen werdet.

Jede Nacht das gleiche Spiel

Springen, Sterben, Neustart. Springen, Sterben Neustart. Springen, Sterben, Neustart. Immer wieder das gleiche Prinzip. Jedes Mal sieht der Dungeon unter dem Club anders aus, es finden sich andere Waffen, andere Upgrades, andere Bossgegner. Und doch macht ihr immer das Gleiche. Ihr versucht, so lange wie möglich zu überleben, stärker zu werden und beim nächsten Anlauf vielleicht eine Ebene weiterzukommen. Ohne eure treue Karte am Bildschirmrand würdet ihr schnell den Überblick verlieren, da die düsteren Räume sich häufig ähneln, euch bekannt vorkommen, während überall die elektronischen Klänge von oben durch die Wände sickern. Eure einzigen Verbündeten hier unten sind die vielen Schatztruhen voller Geld, Upgrades oder Waffen sowie die Vielzahl an Eiern, die immer wieder auftauchen und aus denen nützliche Gehilfen schlüpfen, die euch treu bis zu eurem Ende folgen. Kleine Schneemänner, Feuerteufel oder auch ein kleiner Trump, der euch das Geld vor der Nase wegschnappt.

Es kann immer wieder passieren, dass ihr Upgrades findet, die überhaupt nicht zueinander passen. Dann krebst ihr ewig mit niedriger Lebensenergie umher, während eure Schüsse allesamt in großen Explosionen enden, die euch selbst noch verletzen. Manchmal verzichten eure kleinen Helfer darauf, Lebensenergie oder Schutzschilde fallen zu lassen, die euren Run verlängern können. Und trotzdem kämpft ihr euch zu den großen Bossen und ergattert vielleicht einen der goldenen Kristalle, die sie nach ihrem Ableben fallen lassen. Mit diesen könnt ihr im Club an der Bar euren Charakter upgraden, neue Clubbesucher_innen mit besonderen Fähigkeiten freischalten oder neue Items in den Katakomben spawnen lassen. So seid ihr mit der Zeit immer besser für den Neon Abyss gewappnet. Eine Garantie für einen erfolgreichen Run ist es natürlich trotzdem nicht. Aber lasst euch nicht entmutigen. Bereits beim nächsten Versuch könnte der Aufbau euch hold sein und ihr werdet zu einer unaufhaltbaren Kampfmaschine.

Im Neon Abyss sind die Ressourcen knapp

Wichtig ist jedoch, dass ihr den Überblick bewahrt, um diesen übermächtigen Status zu erlangen. Das Managen eurer Ressourcen ist unfassbar wichtig. Im Neon Abyss gibt es Kristalle, Granaten, Münzen, Energie und Schilde. Energie und Schilde halten euch am Leben, wobei sie manchmal nur spärlich auftauchen. Es ist also unabdingbar, trotz manch unübersichtlicher Situation geschickt dem feindlichen Beschuss auszuweichen. Granaten sind ebenfalls begrenzt und helfen, Felsen und Wände wegzusprengen oder Steintruhen zu öffnen. Solltet ihr eine explosive Waffe finden, könnt ihr allerdings auf sie verzichten. Münzen helfen euch, in Shops neue Waffen, Upgrades oder Energie zu erstehen, doch auch hier gilt: Seid lieber sparsam und wartet auf nützliche Items. Zu guter Letzt sind die Kristalle die wohl wichtigste Ressource, um Spezialfähigkeiten einzusetzen und um Truhen und Tore zu öffnen. Solltet ihr diese Kristallpunkte jedoch attackieren, werden sie rot und können nur durch den Verlust eines Herzchens von euch genutzt werden.

Nutzt ihr die Kristalloption, füllt sich eine Leiste. Ist diese komplett voll, habt ihr die Möglichkeit, einen der unzähligen Teleportsteine anzuwenden, die normalerweise das Reisen durch die Ebene des Neon Abyss erleichtern, um in einen geheimen Raum zu warpen. Dort könnt ihr eines von zwei starken Upgrades aussuchen. Verbockt ihr die Kristalloptionen jedoch und verwandelt sie immer in ihre roten Gegensätze, füllt sich eine rote Leiste. Mit dieser kommt ihr ebenfalls in einen geheimen Raum, der zwar weitaus mehr starke Upgrades anbietet, für die ihr jedoch einen permanenten Energiecontainer eintauschen müsst. Gerade zu Beginn heißt es also immer wieder, auszuprobieren und Upgrades zu lernen. Mit der Zeit wird der Neon Abyss euch immer vertrauter, ihr fegt durch Gegner und Bosse und schreitet Ebene um Ebene voran, um die großen Feinde zu erlegen. Durch die knappen Ressourcen seid ihr dabei auch gezwungen, stetig neue Kombinationen an Waffen und Items auszuprobieren.

Immer wieder auf ein Neues!

Der Neon Abyss ist verdammt hart. Und trotzdem findet ihr hier alles, was ein gutes Rougelite ausmacht. Jeder Versuch bietet neue Überraschungen und Optionen, so dass ihr entweder völlig verrückte Sachen erlebt oder euch immer besser mit den Mechaniken vertraut macht. Die Vielzahl an unterschiedlichen Items und Waffen erinnert an die großen Hits des Genres wie Enter the Gungeon oder The Binding of Isaac, nur eben in Sidescrolling-Perspektive mit klassischer Twin-Stick-Steuerung. Hinzu kommt, dass sich jeder der unzähligen freischaltbaren Charaktere durch spezielle Fähigkeiten und andere Ressourcenvoraussetzungen zum Spielstart komplett anders spielt. Während manche direkt mit Granaten starten, haben andere nicht mal Herzchen, sondern müssen sich allein auf Schilde verlassen. Das in Verbindung mit den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden bietet genug Anreiz, eine riesige Masse an Stunden in den Neon Abyss zu stürzen.

Eine wirkliche Geschichte gibt es hier zwar nicht, das stört allerdings herzlich wenig, wenn das Gameplay so flüssig funktioniert und die Motivationskurve stets oben hält. Zwar wird es mit der Zeit immer schwieriger, das nächste Upgrade freizuschalten, weil die Kosten an goldenen Kristallen sehr schnell in die Höhe gehen, jedoch ist das nur ein weiterer Anreiz, die ersten Ebenen mit ihren Bossen in Windeseile zu erledigen. Ich persönlich kann nicht aufhören, pro Tag ein oder zwei Runden zu spielen und entdecke trotzdem immer wieder etwas Neues. Es mag völlig absurd erscheinen, plötzlich auf einen toten Fisch oder eine Ukulele als Waffe zu stoßen und diese zu benutzen, obwohl ihre Schüsse im Gegensatz zur vorherigen Maschinenpistole deutlich schwächer sind. Aber vielleicht finde ich die perfekten Upgrades, um daraus eine unbesiegbare Synergie zu erschaffen. Mehr brauche ich nicht. Also entschuldigt mich jetzt bitte, der Club mit Abgrund wartet wieder auf mich!

8/10 🕺

Developer: Veewo Games
Publisher: Team17
Genre: Rougelite Run&Gun
Team: Lans Wang (Creative Director), Yop Chan (Lead Game Designer), Hao Wu (Technical Director), Yao Liu (Lead Artist), Pengfei Chen (Lead Animator), Zhichen Zhou (Game Designer), Boyuan Sun (Level Designer)
Musik: Min He
Veröffentlichung: 14. Juli 2020 (Steam, PS4, Xbox One, Switch)

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