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Bug Fables: The Everlasting Sapling Review | Insekten auf Artefaktjagd

Das abenteuerliche Käfer-Rollenspiel Bug Fables: The Everlasting Sapling erobert nach dem PC jetzt auch die Konsolen.

Die Legende des „Everlasting Sapling“, der von vielen Abenteurern gesucht wird, ist in der Welt der Insekten jeder Larve bekannt. Dieses Artefakt soll unvorstellbare Kräfte verleihen und ist deshalb vor allem bei Monarchen heiß begehrt, die ihre Einflusssphäre erweitern wollen. Wir übernehmen in Bug Fables: The Everlasting Sapling aber nicht die Rolle eines Königs oder einer Königin, sondern finden uns inmitten eines ungleichen Trios wieder.

Vi, Kabbu und Leif auf Schatzjagd

Kabbu ist der erste Protagonist, den wir zu Gesicht bekommen. Er ist ein smaragdgrüner Skarabäus, der ein kampferprobter Veteran ist. Er will sich sein Brot als Mitglied eines Teams der „Explorer´s Association“ verdienen. Um ein Teil dieser Gruppe von verwegenen Käfern zu werden, die für die Ameisenkönigin allerlei gefährliche Aufgaben bewältigen, benötigt Kabbu Teammitglieder. Da trifft es sich gut, dass gleich darauf die Biene Vi eine Szene macht, weil sie nicht zugelassen wurde. Sie hat sich aus ihrem Stock gestohlen, um die erste Biene zu werden, die als Abenteurerin Karriere macht. Prompt schließen sich die beiden Fremden zusammen und erreichen so, was sie alleine nicht schaffen: Sie gelten als Team und bekommen ihren ersten Auftrag. Dieser gilt jedoch als gefährlich, weshalb der Gildenvorstand nicht erwartet, dass die beiden Rookies aus der Snakemouth Höhle lebend heimkehren…

Während Kabbu sich als sehr besonnen und erfahren herausstellt, ist Vi stets impulsiv und ergreift beim ersten Bosskampf gleich die Flucht. Nur durch einen Zufall stößt das gegensätzliche Paar in einer Höhle auf die Motte Leif. Nachdem sie ihn aus einem Spinnennetz befreit haben, eröffnet Leif, dass er aus einer anderen Ära stammt und Magie beherrscht. Seine Erinnerung ist jedoch verschwunden und so machen wir es uns zum Ziel, seine Vergangenheit aufzuklären. Zu dritt gelingt es dem Team das gesuchte Artefakt aus der gegnerverseuchten Kaverne zu bergen und zur Verwunderung der Abenteurerkolleg_innen unversehrt zurückzukehren. Ab diesem Zeitpunkt werden die drei Team Snakemouth genannt, so etwas wie lebende Legenden im Ameisenkönigreich. Die Herrscherin selbst erbittet ihre Hilfe und trägt ihnen auf den Everlasting Sapling zu beschaffen. Doch auch die aggressiven und kriegerischen Wespen suchen nach diesem fabelhaften Relikt und so beginnt für unser Team eine Odyssee, die sie in Vis Bienenstock führt, zum Festival der Venus und in tückische Wüsten.

Kurbeln und Kämpfe in Bug Fables

Biene Vis Werkzeug der Wahl ist ein Bumerang, der uns beim Interagieren mit der Umgebung hilft. Die meisten Rätsel in Bug Fables sind durch das Betätigen großer Kurbeln zu lösen, die der kreisende Bumerang aktiviert. Halten wir dann die Taste gedrückt, dreht sich das Wurfgeschoss auf der Stelle und hält die Kurbel in Position. So ändern wir die Position von Brücken, lassen Aufzüge rauf und runter fahren und kommen in der Welt voran. Leif friert Wassertropfen ein, die wir wie Eis-Kisten benutzen, um an höher gelegene Ebenen zu gelangen und Schalter zu aktivieren. Doch wir gehen so nicht nur dem nächsten Kampf oder Questziel entgegen. Auch Geheimnisse gibt es zu entdecken, mächtige Items und Medaillen, die uns im Kampf verstärken, finden wir nur bei gründlichem Absuchen der Umgebung.

Sobald wir einen Feind berühren, wechselt Bug Fables in den rundenbasierten Kampfmodus. Wir wählen zwischen Standardangriffen, stärkenden Gegenständen und Spezialfähigkeiten. Letztere verbrauchen jedoch Teamwork-Punkte, die wir uns vor allem bei Bosskämpfen gut einteilen müssen. Wenn wir uns für eine Aktion entschieden haben, können wir eine bestimmte Aktion ausführen um die Attacke zu verstärken. Hierbei ist das richtige Timing gefragt. Diese Quick-Time-Events wurden für jeden Charakter individuell gestaltet, wirken nach vielen Wiederholungen dennoch repetitiv.

Beim Blocken von Angriffen ist da schon mehr Fokus gefragt. Jeder Gegner hat andere Angriffsmuster. Blocken wir zum richtigen Zeitpunkt absorbieren wir einen Teil des Schadens oder bleiben sogar unversehrt. Zusätzlich hat jeder Gegner eigene Stärken und Schwächen, so nehmen Pilzgegner besonders viel Kälteschaden. Andere erfordern zudem eine spezielle Taktik, bei der nur der richtige Charakter angreifen darf. Fliegende Gegner müssen von Vis Bumerang zu Boden gebracht werden, Käfer mit hartem Panzer werden von Skarabäus Kabbus Horn auf den Rücken geworfen. Die Vielfalt und Abwechslung bei unseren Kontrahenten erhält den Spaß am Kampf auch noch nach 30 Spielstunden am Leben.

Das große RPG-Krabbeln

Nach den vielen Gefechten warten auch wohlverdiente Stufenaufstiege auf uns, Bug Fables ist ja im Kern ein Rollenspiel. Jedes Level-Up stellt uns vor dieselbe Entscheidung: wollen wir mehr Gesundheit, mehr Teamwork-Punkte, oder doch die Möglichkeit mehr Medaillen auszurüsten? Zusätzlich setzt es bei bestimmten Stufen eine neue Fähigkeit. Diese ist vorbestimmt und darf nicht ausgesucht werden. Ein wenig Wahlfreiheit wäre nett gewesen, jedoch funktioniert dieses System gut, weil Bug Fables ein sehr lineares Spiel ist und wir dadurch immer die richtigen Fähigkeiten zur richtigen Zeit freischalten.

Ein weiterer RPG-Aspekt sind die Nebenquests. Am schwarzen Brett in diversen Städten kann unser Trio nach Hilfsgesuchen Ausschau halten. Diese reichen von banalen Aufgaben bis hin zu gefährlichen, aber reich belohnten Herausforderungen. Die Herberge in der Hauptstadt braucht eine Gruppe, die den Service testet? Team Snakemouth ist zur Stelle! Auch andere Teams von Abenteurer_innen brauchen ab und zu unsere Hilfe, die sie uns in Form von nützlichen Gegenständen vergüten. Meine Lieblingsnebenquest war allerdings  das Suchen von Büchern für einen Sammler, der ausschließlich Schundromane annimmt.

Wenn wir dann genug haben vom Abenteuer, gehen wir den Koch besuchen. Dieser zaubert uns Delikatessen (nach Insekten-Maßstäben) aus Beeren, Pilzen, Nüssen und Ähnlichem. Die so erhaltenen Gerichte haben mehr Vorteile als die einzelnen Zutaten. Das ist besonders wichtig, da wir immer nur eine kleine Anzahl an Heilgegenständen mit uns führen dürfen. Es gibt mehrere Dutzend Rezepte in Bug Fables und ich hatte Spaß durchs ständige Ausprobieren neue Leckereien zu kreieren. Was darf es sein: Pilz-Spieße, Blattomelette, Honigeiscreme oder doch Beerensalat?

Papierstil im Mikrokosmos

Die Umgebung wirkt wie aus bemalten Pappkartons gestaltet, Charaktere und Gegner wurden in 2D eingefügt. Der ganze Look von Bug Fables schreit DIY und Bastelbogen. Dass es einen eigenen Charme hat, wenn ich ein Haus betrete und die Pappe-Front zusammenklappt, um den Blick ins Innere freizugeben, will ich nicht bestreiten. Dennoch hätten die Entwickler_innen von Moonsprout Games hier mehr Abwechslung und Farbe reinbringen können. Selbst in eigentlich klar unterschiedlichen Arealen wie Wüste und Wiese sehe ich keine wirklich differenzierten Umgebungen und Hintergründe. Das liegt teilweise wahrscheinlich an der arg eintönigen Farbpalette, die in erdigen Tönen in Kombination mit grün gehalten wird. Passt logischerweise zur Welt der Käfer, kann aber nur wenig Wiedererkennungswert erzeugen.

Die Story des Spiels wird vorrangig durch die Dialoge vorangetrieben. Dabei steht die Unterhaltung zwischen den drei Hauptfiguren im Vordergrund. Obwohl die Gespräche ab und an lustige Momente präsentieren, die meist auf Vis Kappe gehen, ertappe ich mich nach der Hälfte des Spiels öfters dabei, den Dialog nur flüchtig zu überfliegen. Denn mit der Zeit wirken die Motive der Charaktere überstrapaziert und ein wenig eindimensional. Der Plot hält mich zwar bis zum Ende bei der Stange, doch mein Hauptaugenmerk liegt auf den Kämpfen und Umgebungsrätseln, sowie einigen witzigen und ausgefallenen Nebenquests, die mich zum Schmunzeln bringen.

Im Endeffekt erfindet Bug Fables: The Everlasting Sapling nichts neu, überrascht mich aber mit dem unverbrauchten Setting in der Welt der Insekten und zaubert mir das ein oder andere Lächeln ins Gesicht. Es gibt mir nie das Gefühl nicht weiterspielen zu wollen und lässt mich nach dem Abspann befriedigt zurück. Kein Aspekt des Spiels sticht als wirklich schlecht heraus, trotzdem fehlt es dem relativ langen Titel auf Dauer an Tiefe. An die Biene Vi und ihre unfreiwillige Komik werde ich mich aber ganz sicher noch länger erinnern. Und genau solche Momente machen Bug Fables dann für mich aus.

7/10 🐝

Developer: Moonsprout Games
Publisher: DANGEN Entertainment
Genre: RPG
Veröffentlichung: 21. November 2019 (Steam), 28.Mai 2020 (PS4, Xbox One, Switch)

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