Review

Dungeon Defenders: Awakened Review | Wellenkämpfe mit Freunden

Die Tower-Defense Reihe kehrt mit Dungeon Defenders: Awakened zurück zu ihren Wurzeln.

Seit 2010 begeistert die Dungeon Defenders Reihe Freunde des Tower-Defense Genres. Nachdem der zweite Teil von der Fanbasis eher durchwachsen aufgenommen worden war, versprach der Entwickler Chromatic Games mit Dungeon Defenders: Awakened zu den Wurzeln zurückzukehren. Auf der Suche nach diesem Versprechen, habe ich mich mit einem Freund durch die Welt von Etheria gekämpft.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Die vier Verteidiger_innen von Etheria haben schon einige Schlachten geschlagen und sind von blutigen Anfänger_innen zu vollwertigen Kämpfer_innen herangereift. Der mutige Ritter stellt sich in seiner Plattenrüstung selbst den mächtigsten Kreaturen gegenüber. Er ist immer an der Front zu finden und kann am meisten Schaden wegstecken. Seine Barrikaden halten die Fluten an Feinden zurück. Der Zauberer ist zwar fragiler, teilt mit seinem Stab und seinen Feuertürmen aber aus der Ferne aus. Die Jägerin ist schneller als alle ihre Freunde und legt Fallen, während ihre Armbrust immer das Ziel findet. Der weise Mönch unterstützt die Verbündeten, indem er Gegner mit seinen Auren aufhält und Verbündete mit denselben heilt.

Doch nun ist das uralte Böse, das nur als „The Old Ones“ bekannt ist zurückgekehrt. Die vier Held_innen werden von der dunklen Macht durch ein Portal geworfen und reisen zurück in der Zeit. Sie sind wieder zurück am Anfang und müssen die Ereignisse des ersten Dungeon Defenders noch einmal durchleben. Doch auch wenn die „Old Ones“ unseren Protagonist_innen ihre Fähigkeiten raubten, die Erfahrung und der Kampfeswillen der Veteran_innen sind ihre größte Stärke!
Mehr gibt es zur Geschichte nicht zu sagen, denn Story ist und war kein Fokus der Dungeon Defenders Serie. Stattdessen lassen die Developer von Chromatic Games pures Gameplay für sich sprechen!

Verteidigt die Kristalle!

Das Ziel bei Tower-Defense spielen ist, mit einer Reihe von geschickt platzierten Verteidigungen stärker werdende Gegnerwellen aufzuhalten. Bei Dungeon Defenders gilt es die Etheria Kristalle vor den Schergen der „Old Ones“ zu beschützen. Die Kristalle enthalten magische Energie und sind unsere einzige Hoffnung auf den Sieg im Kampf gegen das antike Übel. Wir wählen aus vier Charakteren, die wir im Spiel zwischen den Runden und beim Aufbau der Verteidigungsanlagen fließend wechseln können. Das ist notwendig, denn Synergie zwischen den Stärken und Schwächen der Türme, Barrikaden und Fallen sind der Schlüssel zum Sieg. Wer Erfolg haben will kombiniert also die dicken Schutzwälle des Ritters mit einer Aura des Mönchs, die Gegner verlangsamt. Dahinter werden ein paar zerstörerische Feuertürme des Magiers gesetzt und schon steht die Abwehrlinie wie ein Fels in der Brandung.

Nachdem die Bauphase abgeschlossen ist, strömen die Gegnerschergen aus Toren auf der Karte. Die Vielfalt reicht dabei von schwächlichen Goblins, die höchstens nervig sind, weil sie provokant die Zunge herausstrecken, bis hin zu Zyklopen mit über 100.000 Lebenspunkten, die mit ihrer Schinkenkeule alles kurz und klein hauen. Dabei kommen in den höheren Wellen schon mal mehrere hundert Angreifer auf einmal. Wenigstens zeigen uns Linien in der Bauphase vorher an, welche Routen die Gegner nehmen werden, sodass sich gut planen lässt. Gespielt werden kann dabei alleine, zu zweit, zu dritt oder zu viert. Die Gegneranzahl skaliert mit, Schwierigkeitsgrade gibt es sechs. Während der leichteste Schwierigkeitsgrad auch von Anfänger_innen zu bewältigen ist und auf Mittel erst die letzten Level wirklich herausfordernd sind, sind die höheren Stufen auch für Veteran_innen der Serie hart zu knacken.

Die Loot-Spirale dreht sich

Die besiegten Grünhäute lassen Tonnen von neuer Ausrüstung fallen. Das meiste davon wird verkauft – mit dem Erlös verbessern wir unsere mächtigen Rüstungen und Waffen. Dabei wird Dungeon Defenders: Awakened durchaus kreativ. Fans von Darth Maul können ihren Ritter mit einem doppelseitigen Laserschwert ausrüsten. Zum Glück bietet das Optionsmenü die Einstellung „Auto-Loot“, mit der wir filtern können, welche neuen Items automatisch eingesteckt werden.

Auch Stufenaufstiege feiern die Held_innen. Die Fähigkeitspunkte fließen entweder in die eigene Kampfstärke oder in die Verteidigungsanlagen. Dieses schrittweise optimieren der Figuren für die eigene Spielweise ist durchaus motivierend. Nach jedem Level finden wir uns in der Taverne wieder, wo wir unsere Helden an die steigenden Anforderungen anpassen. Wer neue Waffen ausprobieren will, verdrischt Übungspuppen. Ein riesiger Etheria Kristall in der Mitte des Schankraums lässt uns das nächste Abenteuer auswählen.

Dungeon Defenders: Awakened als Hommage oder Remake?

Awakened ist dem ersten Dungeon Defenders mehr als nur ähnlich. Die meisten Karten der Kampagne sind einfach übernommen und aufgehübscht worden. Die Comicgrafik wirkt nun deutlich polierter und schicke Effekte wie Reflektionen runden den Look ab. Auch bei Gegnern, Heldenklassen und ähnlichem ist die Suche nach Neuerungen Großteils vergebens. Lediglich bei der Auswahl der Spielmodi kann Awakened auftrumpfen. Ganze fünf Variationen des Spielgeschehens gibt es, die den Wellenkämpfen dann einen neuen Twist geben. Wer den ersten Teil der Reihe kennt wird jedenfalls mehr als nur ein Déjà-vu erleben. Mich hat es ein wenig enttäuscht, dass Awakened im Kern kein eigenständiger Teil ist. Wer das Original von 2010 noch nicht erlebt hat, kann das jetzt allerdings mit besserer Optik nachholen.

Das Spiel verlässt nun also den Early Access, frei von Fehlern ist es jedoch noch lange nicht. Einige Bugs sind uns begegnet, jedoch war keiner dabei der das Spielgeschehen komplett zerstört hätte, der also „game breaking“ war. Am nervigsten sind die Aussetzer bei der Wegfindung der Gegner-KI. Auf jeder Karte gibt es den einen Ork, der in einer versteckten Ecke festhängt und gesucht werden muss, bevor die nächste Welle beginnen kann. Hier werden die Entwickler_innen sicherlich noch nachbessern, denn auch für die Zeit nach dem Early Access gibt es schon eine Roadmap mit Verbesserungen.

Retten wir Etheria!

Dungeon Defenders: Awakened ist nicht perfekt. Innovation finden Fans hier nicht, stattdessen erwarten uns gewohnte Mechaniken und Umgebungen, in denen wir uns sofort zuhause fühlen. Der Plot ist Alibi, das Gameplay kann jedoch auf ganzer Linie überzeugen. Das Herzstück des Spiels ist und bleibt der Wellenkampf gegen die Diener des Bösen. Der Spielspaß ist immer präsent und das ist am Ende das Ausschlaggebende. Vor allem im Zusammenspiel mit Freund_innen, online oder im Splitscreen, macht das Tower-Defense Game gewaltig Laune. Wer sich abspricht und die richtige Strategie für die jeweilige Karte entwickelt, feiert am Ende befriedigende Erfolge.

Das Abstimmen der Synergien der Klassen fühlt sich mächtig an. Wenn ich mich als Ritter in die Front werfe und mein Freund als Magier von hinten gewaltig Schaden austeilt, spielt Dungeon Defenders: Awakened seinen ganzen Reiz aus. Für einsame Wölfe kann es allerdings schnell repetitiv werden. Fürs einmalige Durchspielen der Kampagne gehen acht Stunden drauf. Wen das Spiel wirklich abholt, der kann ein Vielfaches in das Ausreizen der Schwierigkeitsgrade und Spielmodi investieren. Da ich aber schon den ersten Teil ausgiebig gezockt habe, werde ich Awakened erst wieder weiterspielen, wenn Chromatic Games ein Content-Update raushauen.
Ihrem Ziel, zu den Wurzeln der Serie zurückzukehren, sind die Entwickler treu geblieben. Dabei sind sie allerdings etwas darüber hinaus geschossen. Mehr Mut zu Neuerungen hätte Dungeon Defenders: Awakened gut getan.

7/10 🧙⚔️

Developer/Publisher: Chromatic Games
Genre: Tower-Defense/Action-RPG
Veröffentlichung: 28. Mai 2020 (Steam)

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