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STATIONflow Review | In vollen Zügen genießen?

In STATIONflow könnt ihr U-Bahnhöfe aufbauen, managen und unzählige Fahrgäste umherwuseln lassen!

Jeder von uns hat sicherlich die ein oder andere Erinnerung an U-Bahnstationen. Die erfrischende Abkühlung des Untergrunds, wenn draußen brüllende Hitze jede Bewegung zur Qual werden lässt. Die verlorenen 2,00€, weil der Snackautomat den gewünschten Schokoriegel mal wieder nicht ausgeworfen hat. Rolltreppen, die sich gefühlt unendlich lange hinabziehen. Völlig überfüllte Gleise und Bahnen, in denen sich verschwitzte und müffelnde Menschen klebrig aneinander vorbeiquetschen. Einfach traumhaft.

So etwas will ich auch zu Hause erleben können! Gebt mir das volle Programm, lasst mich über Stunden das emsige Hin und Her eines U-Bahnhofs erleben und selber entscheiden, wo die Menschen gefälligst langlaufen sollen! Lasst mich endlich von den verschluckten Münzen der Automaten profitieren, anstatt sehnsüchtig davor den Tränen nahe zu sein, während ich vergeblich auf meine Erfrischung warte! Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich STATIONflow der DMM Games aus Japan endlich auf meinem Rechner installiert hatte. Ob sie mir erfüllt wurden? Schauen wir mal!

Jetzt lassen Sie mich gefälligst durch!

Ich scheine sehr gut darin zu sein, eine Station ganz im Sinne der U-Bahnen des Ruhrgebiets zu bauen. Es hat jedes Mal nur wenige Tage gedauert und der Großteil der Menschen in meinen völlig überfüllten Stationen bestand aus miesepetrigen, motzenden Figürchen. “Wo sind denn hier die Treppen? Hallo, ich kann keine Tickets kaufen! Wo gibt es etwas zu essen? Wo ist die Toilette?” Diese Beschwerden zeigten mir die kleinen Sprechblasen mit Beschwerdesymbolen über den Köpfchen meiner Fahrgäste an. Ich selber habe das nicht so ganz nachvollziehen können. Öffentliche Toiletten in U-Bahnhöfen sollte kein vernünftig denkender Mensch jemals betreten. Im Ruhrgebiet wird es außerdem so gehalten, dass im Notfall einfach heimlich unter die Rolltreppe uriniert wird. Woher kommt sonst der unverwechselbare Geruch am Duisburger Hauptbahnhof? Bestimmt nicht von den künstlich angelegten Blumenkübeln auf den Zwischenetagen. Ich verstehe also nicht, wo das Problem liegt! In meinen Augen ist alles Nötige da!

Und das meine ich nicht mal ironisch. Teilweise standen unzählige Menschen am Bahngleis, beschwerten sich darüber, dass sie nicht nach oben zu den Ausgängen kommen, obwohl DIREKT VOR IHNEN eine Treppe plus einer Rolltreppe stand. Entschuldigt ihr werten Herren mit Aktenkoffer, macht doch einfach die Augen auf! Ich habe die Gleise mit Getränkeautomaten ausgestattet, am oberen Bahnsteig eine Toilette gebaut, die gesamte Station mit ausführlichen Wegweisern ausgestattet und trotzdem haben unzählige Menschen nicht mehr nach Hause gefunden. Die Zufriedenheit meiner Gäste sank unaufhörlich ins Bodenlose. Das Gleiche passierte dann auch mit meinem Kontostand, so dass ich recht früh erste Kredite aufnehmen musste, um nicht gleich bankrottgehen zu müssen.
Sollte STATIONflow irgendwann mal als Referenz für meine Bewerbung in der Stadtplanung herangezogen werden, kann ich mich von der Stelle wahrscheinlich direkt verabschieden. Egal, was ich auch versuchte, ich stürzte nach einem gut laufenden Start irgendwann dem finanziellen Ruin entgegen.

Könntet ihr mir vielleicht mal helfen?

Das Tutorial, was mich ins Spiel einführen sollte, brachte mir bei, wie ich Wege, Treppen und Schilder bauen kann. Mehr nicht. Alle anderen Mechaniken und Ansätze, worauf bei großen Stationen zu achten ist, wo Schilder, Automaten und Bauten am besten platziert werden, wurden außenvorgelassen. Dementsprechend wusste ich nie genau, wo ich bei meinen unzufriedenen Gästen ansetzen musste, um ihre Laune zu bessern. Hinzu kam, dass es oftmals sehr kryptisch war, weswegen sie auf der Station umherirrten. Nutzten sie die Treppe nicht, weil sie für die anwesende Masse an Menschen zu klein war? Es hat Stunden gedauert, bis ich verstanden habe, dass wirklich jede noch so kleine Kleinigkeit ausgeschildert sein muss. Doch selbst dann irrten manche Besucher_innen weiterhin orientierungslos hin und her. Ohne konkrete Aufgaben fiel es mir schwer, dem Spielverlauf zu folgen. Eine Kampagne, die Mechaniken nach und nach einführt, ist in STATIONflow nämlich ebenfalls nicht zu finden.

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Karten, die ich spielen konnte, doch bei allen nahm das Spieltempo nach einem sehr gut laufenden Start so rapide zu, dass ich innerhalb des fünften oder sechsten Tag-Nacht-Wechsel des Spiels wieder dem Chaos entgegen trudelte. Vielleicht haben sich Tak Fujii und die DMM Games zu sehr an den strukturierten Abläufen japanischer Bahnstationen orientiert, so dass ich mit meinen Erfahrungen von kleinen, schmutzigen Ruhrgebietsstationen nur scheitern konnte. Aber gerade dann wäre doch ein langsames Heranführen an die Mechaniken sinnvoll und hilfreich für ein Gros der potentiellen Zielgruppe. Ich kann normalerweise wunderbar darin aufgehen Abläufe in solchen Simulationen und Planspielen zu perfektionieren, um dem munteren Treiben dann in Ruhe zuzusehen. Dementsprechend gern hätte ich hier einen angenehmeren Einstieg gehabt, um meine Kassen klingeln zu lassen. Wenn ich zahlreiche, unzufriedene Fahrgäste sehen will, kann ich auch einfach in die Straßenbahn vor meiner Haustür steigen.

In STATIONflow wäre weniger besser mehr!

Jedoch gab es genug Ansätze, die mich trotzdem immer wieder unter die Erde gezogen haben. Der Look ist nicht ganz so minimalistisch wie ein Mini Metro, aber auch weit vom Detailgrad eines Railroad Tycoon entfernt. Alles im Spiel wirkt recht steril und sauber, was für mich eine willkommene Abwechslung zu altbekannten, schmuddeligen Bahngleisen war. Ich hatte dadurch stets eine gute Übersicht über alle relevanten Punkte meiner Station und wusste zumindest sehr schnell, wo die Probleme liegen. Die Polygonfigürchen konnten selbst zu tausenden flüssig durch die Station stromern, was einen äußerst glücklich stimmenden Wuselfaktor erzeugte. Alles wurde von einem smoothen Soundtrack untermalt, der herrlich entspannend auf das bald ausbrechende Chaos wirkte. Ich hätte also wirklich liebend gerne eine dreistellige Stundenzahl in STATIONflow gesteckt. Aber dafür fühlte ich mich gerade anfangs einfach zu oft allein gelassen. Und das ist ein Gefühl, was ich in der aktuellen Viruskrise so gar nicht haben will.

Ich glaube, wer die Wirtschaftssimulation STATIONflow spielt, muss wirklich Freude daran haben, sich in die Mechaniken einzuarbeiten und sich darauf einstellen, nicht alle Informationen sofort verstehen zu können. Dazu bin ich leider nicht der Typ Mensch. Ich habe gerne einen sanften Einstieg und stecke dann viel Energie in ein Spiel, um diesen perfekten Zen-Modus des Spielflusses einer solchen Simulation zu erreichen. Wenn ich diesen großen Energieaufwand schon am Anfang aufbringen muss, geht die Motivation schnell flöten. Selbst, wenn die Anzahl an Mechaniken wie hier recht überschaubar bleibt. Als ich mich endlich durchgebissen hatte, funktionierte STATIONflow wunderbar. Dann konnte ich endlich darin aufgehen, den vielen Menschen beim Umherwuseln zuzusehen. Die Stunden bis zu diesem Punkt nehme ich dem Spiel allerdings übel.

6/10 <3

Developer / Publisher: DMM Games
Genre: Wirtschaftssimulation, Aufbausimulation
Team: Tak Fujii (Producer); Szabó Marcell (Director); Matthew Hope (Lead Artist); Takayuki Okubo (3D Art); Katsuura Kirill (Technical Advisor)
Musik: Noisycroak Co.
Veröffentlichung: 15. April 2020 (Steam)

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