Review

Alder’s Blood Review | Stealth in Dark-Fantasy

In Alder’s Blood kämpfen wir als letzte menschliche Bastion gegen die drohende Finsternis.

Die Werwölfe und Untoten sind immer in der Überzahl. Nur wenn wir geschickt durchs Dickicht schleichen, unsere Widersacher mit Steinen und Granaten ablenken und im entscheidenden Moment schnell und tödlich zuschlagen, können wir als Sieger hervorgehen. Wir führen eine kleine Bande von Jägern an, jeder mit verschieden gewichteten Stärken und Schwächen. Die Mitglieder unserer uralten Bruderschaft sind nicht menschlich. Das ist auch gut so, denn Menschen wären der dunklen Bedrohung nicht gewachsen. Es ist die dritte Welle der Finsternis. Die erste wurde mit Stahl zurückgeschlagen, die zweite mit Schwarzpulver… dieses Mal stehen nur wir einem Ende unseres Volks im Weg!

Gott ist tot

Unser Abenteuer nimmt seinen Ausgang, als Duke, ein Veteran unseres Ordens, den Kadaver Gottes sucht. Der Jäger wird von dunklen Visionen heimgesucht und verliert dadurch sein Augenlicht. Nach Tagen in der Wildnis wird er von unserer Gruppe gefunden. Er offenbart uns, dass wir uns gegen die hereinbrechende Dunkelheit wappnen müssen.

Diese Episode ist zugleich das Tutorial, das uns in die Grundlagen des Schleichens und Monstertötens einführt. Shockwork Games Alder’s Blood spielt sich rundenbasiert mit Aktionspunkten. Ein neues und charakteristisches Feature dieses Stealth-Games ist jedoch, dass wir immerzu den Wind im Auge behalten müssen. Denn mit Werwölfen und ähnliche Kreaturen als Gegner, können sie bei ungünstiger Windrichtung unsere Witterung schneller aufnehmen als uns lieb ist. Die Monsterjagd fordert zwar unser taktisches Geschick, doch die Möglichkeit des manuellen Speicherns fördert ebenso die Fairness im Spiel. Das gut ausbalancierte Spielgeschehen macht von Anfang an Spaß. Gerade weil die Missionsgestaltung mit ihren handgenerierten Gebieten für authentische Abwechslung sorgt.

Den offenen Kampf sucht unsere kleine Gruppe nur im Notfall oder falls es der Auftrag erfordert. Hierfür steht uns das erprobte Arsenal der Jäger zur Verfügung: Gewehre und Schrotflinten, Äxte und Dolche, vorzugsweise mit Silber beschichtet, um die besonders mächtigen Monster tödlich zu verletzen. All dies können wir craften, genauso wie die Talismane, die an den jeweiligen Träger gebunden sind und diverse Verstärkungen verleihen. Für Gefallen, die wir für Dorfbewohner und Adlige des Landes erledigen, erhalten wir weitere Baupläne und Gadgets. Dabei werden die Mechaniken schrittweise eingeführt und alle vorhandenen Menüs erklärt. So stellt sich zu keiner Zeit Frust ein.

Alder’s Blood und die Karawane der Todgeweihten

Die Materialien fürs Crafting, Nahrung, um unsere Kameraden zu verköstigen und neue Gesundheit nach einer Verletzung, sammeln wir im Lager unserer Wagenburg. Dort bestimmen wir wer Wache hält, Ressourcen sammelt, sich ausruht oder am Arbeitstisch an neuen Gegenständen werkt. Aber auch die sinisteren Opferungsrituale werden hier zelebriert. Eine antike Tradition der Jäger, bei der die Alten geopfert werden, um so einen Teil ihres Könnens und Wissens auf die Jungen zu übertragen. Denn mit der Zeit werden unsere Mitstreiter im Kampf mit der Dunkelheit von derselben korrumpiert. Bevor sie den Verstand verlieren, geben sie ihr Leben, um die Rookies unter den Kämpfern zu stärken. Mit fortschreitender Korruption werden unsere Untergebenen schwächer. Neue Jäger kosten Geld, somit müssen wir den Zeitpunkt des Rituals gut abstimmen.
Alder’s Blood schafft sich mit seinen tiefgehenden Handlungsmöglichkeiten auch abseits des Kampfgeschehens eine motivierende strategische Note.

Unsere Mitstreiter lassen sich mit leichten RPG-Elementen anpassen. So verzehrt der eine nach dem Levelanstieg weniger Wegration, der andere ist wachsamer und wieder ein anderer Jäger erholt sich schneller von Wunden.
Auch visuell dürfen wir mitbestimmen. Rekruten können mittels Portrait und Farbschema an die eigenen Wünsche angepasst werden. Dabei sind die Jäger allerdings nie mehr, als ein Mittel zum Gameplay-Zweck. Im Plot wird lediglich der eingangs erwähnte Duke aktiv, der mangels Sehkraft nur in Dialogen und nicht im Einsatz auftritt.

Grabschänder und Adlige

Generell wird Alder’s Bloods Story in den (nicht vertonten) Dialogen vorangetrieben. So lernen wir auf unserer Reise durchs düstere Ödland eine Handvoll markige Personen kennen. Allen voran die Mitglieder der vier Häuser, bei denen wir durch Aufträge Loyalität sammeln, die uns neue Baupläne ermöglicht:
Da wären das undurchsichtige und skrupellose Haus Blackwell mit der Witwe Narcissa, der wir helfen, eine interne Verschwörung aufzudecken. Das kriegerische Haus Ashmore mit Dukes altem Kriegskumpan General Ulysses, der am Tod seines Sohnes zerbrach und paranoid wurde. Das okkulte Haus Wright mit dem den Jägern nahestehenden Gelehrten Myron. Und schließlich Haus Moore, dessen Vorstand und Finanzminister Cornelius uns mit einem zwielichtigen Mittelsmann und Grabräuber vertraut macht. Letzterer halst uns mit Vorliebe neue Erledigungen auf sehr herablassende Art auf.

Generell wird den Monsterjägern nicht viel Respekt entgegen gebracht. Den müssen wir uns erst verdienen. Wir befinden uns ständig in der Ambivalenz zwischen den Intrigen der Häuser und deren nötiger Unterstützung, sollten wir dem gesichtslosen Feind trotzen wollen. Dabei schaffen es Shockwork Games rund um Michal Bernat ein stimmungsvolles Bild zu zeichnen und uns in eine kohärente Welt hineinzuziehen. Ein Highlight in Alder’s Blood ist das Gegnerdesign. Optisch und gameplaytechnisch fügen sich die verschiedenen Werwölfe, Geister und Untoten harmonisch in die Spielwelt ein.

Alder’s Blood erzeugt frischen Wind und Viktorianische Endzeitstimmung

Der Artstyle ist schön düster, präzise und in erdiger Palette gehalten. In den kurzen Ladezeiten, beim Wandern der Truppe oder beim Übernachten im Camp, zeigt uns Illustrator Alex Siwek Grafikschnipsel, wie den reitenden Duke mit seiner tiefroten Sonnenbrille, in herrlich kräftigen Farbgebungen. Die Musikuntermalung ist minimalistisch gehalten und passt mit drängenden Tönen zum dunklen Szenario.

Die Immersion im Stealth-RPG st hoch, das Gesamtwerk aus Story und audiovisueller Präsentation wurde stimmig inszeniert. Den einzigen Wermutstropfen bilden die vielen Erzählstränge und Nebenquests, die auf einmal auf uns einprasseln. So fällt es Alder’s Blood schwer das Erzähltempo auf konstantem Niveau zu halten. Oftmals liegt der Fokus so sehr auf den Nebenquests, dass der rote Faden der Geschichte verloren geht. Denn aus ökonomischen Gründen absolvieren wir räumlich nähere Nebenaufträge immer zuerst, um nicht unnötig Proviant zu verschwenden.

Am Ende machen die polnischen Entwickler von Shockwork Games jedoch sehr vieles richtig. Die Kombination aus Genre und Setting ist unverbraucht und nicht nur für Fans von rundenbasierten Schleichspielen einen Blick wert. Wer etwas mit düsterer Fantasy oder viktorianischen Motiven anfangen kann und auch nicht vor ein wenig taktischem Trial & Error zurückschreckt, der wird sich im düsteren Ödland von Alder’s Blood sehr wohl fühlen.

8/10 <3

Developer: Shockwork Games
Publisher: No Gravity Games
Genre: Stealth, Strategie, RPG
Team: Michal Bernat (Project Manager), Alex Siwek (Illustrator), Diana Biszczanik (Community Manager)
Veröffentlichung: 13. März 2020 (Switch), 10. April 2020 (Steam)

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