Game-Reviews

Felix The Reaper Review | Hacke, Spitze, eins, zwei… tot!

Zwischen Romantik und Humor ist immer noch ein wenig Platz für den Tod. Der kommt in Felix The Reaper tanzend.

FTR_Patrick_Stewart_as_small_WITH_TITLEAuch wenn du auf ein Spiel seit langem wartest und das erste Level bereits auf der Gamescom 2018 durchgespielt hast, manchmal wissen die Developer dich trotzdem noch zu Überraschen. Wie in Felix The Reaper, dessen Vorgeschichte dir in der liebevollen Inszenierung plötzlich von Sir Patrick Stewart erzählt wird. Doch ist dieser nicht nur Erzähler sondern auch gleichzeitig Senior Reaper Lifetime Account Executive Performance Supervisior Mr. Mortigan Mortenson. Was für ein Titel. Und als solcher erzählt er Felix genauestens auf was er in seinen Aufträgen zu achten hat und was er vielleicht auf ein Minimum reduzieren sollte.

„Dance like nobody’s watching…“

Das Tanzen gehört schließlich nicht zum Auftrag eines Mitarbeiters des Ministeriums für Tod und sollte daher, wenn möglich, vermieden werden. Felix jedoch denkt nicht daran, seinen Spaß bei der Arbeit auszuklammern. Eine Szene des Alltags so zu manipulieren, dass am Ende der Tod eines Wesens steht, soll ja auch nicht so bierernst genommen werden. Außerdem will er doch mit seinen geschmeidigen Moves seiner angehimmelten Betty imponieren.

Also setzt er sich seine Kopfhörer auf, schaltet sein Mixtape ein, schreitet in der eingefrorenen Szenerie zur Tat und hofft nach erledigter Arbeit endlich auf die Dame seiner Träume zu treffen. Doch so einfach erscheint das alles nicht. Während sich Felix als Reaper nur durch den Schatten bewegen kann, verweilt Betty im hellen Schein des Lichts. Doch Felix ist sich sicher: eines Tages wird das schon klappen. Und so tanzt Felix zuversichtlich auf dem schmalen Grat, dem ihn der Schatten spendet. Sich nicht darum scherend, was andere denn wohl von seinen Moves denken mögen. Eine wahrlich gesunde, nachahmenswerte Einstellung.

„…and sing like nobdy cares!“

Kong Oranges Felix The Reaper ist ein positiver, vergnügenswerter Puzzler. In seinem stufenlos zoombaren isometrischen 3D Szenenausschnitt schreitet Felix tanzenden Schrittes voran. Einzelne Aktionen sollen das Geschehen des Momentes so verändern, dass in ihrer Kombination am Ende der Tod des ausgesuchten „Opfers“ des Ministerium für Tod steht. So veränderst du zum Beispiel die Flugbahn eines Speers oder manipulierst vergleichbare „unglückliche Umstände“.

Doch da sich Felix nur im Schatten bewegen kann, muss er einzelne Elemente seiner Umgebung zum Vorteil nutzen. So schleppst du Tonnen und Steine umher, ziehst an Schaltern und bewegst Wägen, um am Ende zum eigentlichen Ziel zu gelangen. Zur Hilfe schreitet die Macht die Sonne um 90 Grad drehen zu können, so dass der gespendete Schatten zumindest ein wenig flexibel variierbar ist.

Und genau das führt zum immerzu steigenden Anspruchs von Felix The Reaper, der dir mit voranschreiten des Spiels ein kopfzerberstendes Licht-/Schatten-/Logik-Puzzle aufbrummt.
Fünf Tötungsdelikte sollen so verübt werden, die durch einzelne Abschnitte innerhalb dieser Level zu ihrem Gesamtausmaß gelangen. Insgesamt also 20 Mal Birne zum Rauchen bringen. Weißt du mal nicht weiter, hilft dir eine Tippoption. Hast du dich durchgetanzt, wartet der Hardcore Modus.

Smooth Operator

Felix The Reaper strahlt auf der Ebene seiner anbetungswürdigen Animationen und seinem eigenwilligen Artstyle. Wie Felix durch die verschiedenen, liebevoll gestalteten Welten zum Takt seines Mixtapes die üppigen Hüften schwingt ist mehr als schmeichelhaft. Die auferlegten Zeitvorgaben, die dir eine Auszeichnung mit Schädel garantieren, schaffst du schon deshalb nicht, weil du Felix‘ Tanzexzelenz immerzu anhimmelst. Mit schmunzelnder Mine wartest du auf seinen nächsten Move. Die Übertragung der echten Tänzer auf Felix Reaperkörper ist wie ein frisch gebohnertes Tanzparkett, das du als erstes betreten darfst.

Wenn Felix dann nach getaner Arbeit in den Fahrstuhl des Ministeriums steigt und die Szenerie fluchtartig verlässt, schreitet die humoristische Abteilung des Ministeriums zur Tat. Slapstick trifft Monty Python. Die ultimative Konklusion deines (Todes-)Werks entschädigt in einer eingespielten Cutscene jede noch so überanstrengte Puzzleminute. Ein Zusammenschluss aus Detailverliebtheit und Situationskomik.

Kong Oranges Felix The Reaper verwöhnt dich mit perfekten Mechaniken, einem liebenswerten Protagonisten, seiner herzerwärmenden Story und geschmeidigen Animationen im außergewöhnlichen Artstyle. Lediglich die Vermittlung dessen, welcher Schritt als nächstes zu tun ist, erscheint manchmal vage und lässt dich trotz Hinweis einige Male verzweifeln.

Felix The Reaper: Eine leichtfüßige Geschichte über den Tod

Vielleicht ist aber auch nur meine Gehirnhälfte mit dem mathematischen Verständnis ein wenig eingeschlafen und bei all den Sonnenwendungen und Schattenspielen am Ende ein wenig überfordert. Auch die Variation der einzelnen Aktionen innerhalb der Welten fühlt sich mit der Zeit ein wenig repetitiv an. Doch all das bereitet Felix nur wenig Sorge. Denn die Freude über die am Ende gefundene Lösung, die zur eigentlichen Pointe führt, ist sein Lebenselixier. Aus diesem zieht Felix seine Kraft und Energie, dir seine eigens erfundenen Tanzkombinationen zu zeigen.

Kong Oranges Puzzler besitzt durch seine vielen diversen zusätzlichen Aufgaben wie den Vorgaben zur Zeit, Sonnenbewegungen, zurückgelegter Felder und dem zusätzlichen Hardcore Modus enormen Wiederspielwert. Ein stetiges Training für deinen Kopf, das sich in der langsam routinierten Ausführung benötigter Aktionen manifestiert, durch seine Optik und Inszenierung aber niemals so langweilig wird wie gewöhnliches Gehirnjogging.

Felix The Reaper zaubert einen humorvollen, romantischen Blick auf das so beängstigende Thema Tod. Er tanzt es mit Rhythmus in der Hüfte gekonnt in ein annehmbares Licht ohne auch nur einmal aus dem Schatten hervorzutreten.
Sogar einen informativen Anteil mit einzelnen Texten und Illustrationen zum Tod im Wandel der Zeit integriert es innerhalb seiner fünf Abschnitte. Felix The Reaper ist in seiner Gesamtheit ein wundervoller Puzzler und eine noch viel schmeichelhaftere Fabel über ein Thema, das wir gerne alle einfach vermeiden würden. Wenn ich wüsste, dass mein Tod von Felix herbeigeführt würde, ich hätte weitaus weniger Angst vor ihm.

8/10 <3

Developer: Kong Orange
Publisher: Daedalic Entertainment
Lead Designer und CEO: Esben Kjær Ravn
Veröffentlichung: 17. Oktober 2019 (Steam, PS4, Xbox One, Switch)

Autorin: Benja Hiller

0 Kommentare zu “Felix The Reaper Review | Hacke, Spitze, eins, zwei… tot!

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: