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Samurai Shodown Review | The Samurai Shodown Must Go On

SNK schickt seinen Prügelspielklassiker im Katana schwingenden Feudaljapan in die neue Generation. Ist der Sprung geglückt?

Japan birgt für uns Westler in vielerlei kultureller Hinsicht eine spannende Vorlage für fiktive Geschichten: Es gibt Samurais, Klan-Dynastien und Geishas, wunderschöne Pagoden, Shintoismus und Katanaschwerter, Kalligraphie-Schriftzeichen, rosafarbenen Kirschblütenregen und Instrumente, die wie aus einer anderen Welt klingen. Habt ihr schon ein Bild vor Augen? Ich schon. Japan ist faszinierend. Und weil Japan uns so fasziniert, funktioniert ein Kampfspiel mit außergewöhnlichen Charakteren, historischen Waffen und traditioneller Musik auch so gut. Samurai Shodown (aka Samurai Spirits in Japan) bedient genau diese Formel seit 1993. Nach sechs Teilen im Hauptkanon und diversen Spinoffs erscheint 2019 mit Samurai Shodown – ohne Zählzahl oder Untertitel – ein Reboot, eine Reinkarnation.
Das wird schnell mal zu jedem Titel gesagt, der einem Franchise angehört, welches lange keine neuen Spiele mehr bekommen hat und quasi in der Namensgebung von vorne anfängt. Hier ist das aber durchaus relevant, da das Spiel optisch und spielerisch auf ein neues Level gehoben wurde.

„Gomennasai“, entschuldigt sich Nakoruru schüchtern bei ihren Gegnern – bevor sie ihnen das Katana aus dem Herzen zieht.

Was Street Fighter IV für Capcoms Prügelspiellegende war, ist Samurai Shodown im Jahre 2019 für SNKs Klingenkampfkunst. Tatsächlich ist dies nicht nur metaphorisch zu verstehen. Das Spiel sieht original so aus, als hätte SNK die Engine von SF4 genommen und darin das neue SamSho entwickelt. Mir macht das Entliehene allerdings überhaupt nichts aus, da Street Fighter 4 im Erscheinungsjahr 2008 schon so aussah wie ein mit Kaligraphiepinseln vollkommen überzeichnetes japanisches Kampfspiel hätte aussehen sollen. Dieser Look ist vielmehr eine clevere Wahl der grafischen Darstellung. Die klassische Faust aufs Auge. Die altjapanischen Hintergründe sind schön anzusehen, Menüs fügen sich elegant in das Gesamtkonzept ein. Hier erscheint alles rund. Selbst die Lade- und Speichericons wurden stilistisch passend animiert.

Die Musik greift den Look entsprechend auf und wirkt damit in meinem Empfinden in manchen Stages fast schon ein wenig zu modern. Aber das darf sie sein. Es ist immerhin ein Kampfspiel, was viel Dynamik und Spannung erzeugt. Dennoch bleiben die klassischen japanischen Instrumente federführend für die Kompositionen und unterstreichen die Atmosphäre perfekt. Der Sound passt hierbei genauso subtil aber genial zum Spiel wie es die Serie im Laufe der Zeit etabliert hat. Laufen die Kämpfer_innen auf Laub, rauscht es unter ihren Füßen. Die Schläge sitzen saftig und die Klingen läuten metallen durch die Boxen. Special Moves und Finisher werden klanglich imposant und cineastisch betont, einzig die Vocal-Samples sind Fighting-Game typisch irgendwann wiederholend, aber zum Glück nicht nervig. Die Menüpunkte und Ansagen vor jedem Kampf werden auf Japanisch oder bei englischen Begriffen mit Akzent ausgesprochen, was sehr authentisch und passend wirkt.

 

Die 16 unterschiedlichen Charaktere wurden detailliert gestaltet und sind damit gut zu unterscheiden, die Animationen der Figuren wirken ausgezeichnet, die Super Specials schön inszeniert und das HUD ansprechend. Die neuen Kämpfer_innen Darli Dagger, Wu-Ruixiang und Yashamaru Kurama sind außergewöhnlich genug, um neuen Wind in den Rooster zu bringen. Sie fügen sich herrlich ein und spielen sich spannend.

Das Gameplay nahm eine ähnliche Wandlung wie bei Street Fighter 4 geschehen: Fans der Serie werden sich sofort wohl fühlen und Neulingen wird durch die Tutorials Zugänglichkeit garantiert. Das Kampfsystem baut auf klassische Viertel- und Halbkreisdrehungen sowie Haltemoves auf. Es gibt einen leichten, mittleren und starken Angriff sowie einen Tritt. Während des Duckens, Springens oder im Sprint bekommt jede Attacke eine alternative Auswirkung, die strategisch eingesetzt werden kann. Außerdem kann geblockt und ausgewichen oder bei perfektem Timing das Gegenüber entwaffnet werden.

Die Technik gibt sich äußerst vielseitig, ist jedoch ebenfalls schnell erlernt – zumindest aus der Sicht eines Prügelspielfans. Dennoch denke ich, dass Newcomer gut auf das System hinter Samurai Shodown vorbereitet, wenn alle Tutorials abgeschlossen oder sogar mehrfach zur Übung absolviert werden. Die neuen Charaktere und die vielen bekannten Gesichter der Serie sollten für alle Gamer etwas Ansprechendes bieten, da auch Bewegungen, Movesets und Waffen variieren. Der Schwierigkeitsgrad im Kampf mit den CPU-Kontrahenten ist knackig aber nicht unfair. Wer stirbt, weiß genau warum und lernt im besten Fall daraus.

Die Story setzt mit der japanischen Tenmei-Ära 1787 direkt nach dem ursprünglichen ersten Samurai Shodown und vor Samurai Shodown V an. Doch ehrlicherweise ist diese zu vernachlässigen. Vielleicht gewinnt sie etwas an Beudeutung, wenn der Story-Mode mit jeder Figur abgeschlossen wurde. Zusätzlich gibt es die obligatorischen Offline- und Online-2P-Versus-Modi, Time Trials, Survival Battles und weitere Aufgaben, sowie eine Galerie in der freigeschaltete Videos und Artworks begutachtet werden können. Ein Mehrspielwert im Einzelspielermodus ist somit garantiert.

FOCUS YOUR MIND – DRAW YOUR BLADE – EMBRACE DEATH

Ich bin ein sehr enthusiastischer Mensch, der gerne in Superlativen spricht wenn mir was gefällt. Mankos, über die ich eventuell meckern würde, werden durch meine starke Freude enorm abgeschwächt. Die neueste Installation von Samurai Shodown ist vielleicht nicht perfekt und wirkt zudem etwas nach Street Fighter 4-Klon. Aber es macht mir so dermaßen viel Spaß und ist so schön ausbalanciert, dass ich über die langen Ladezeiten vor den Kämpfen hinwegsehen kann. Und das wäre tatsächlich der einzig valide Kritikpunkt.

Ich liebe die Serie seitdem ich Samurai Shodown das erste Mal auf dem Super Nintendo gespielt habe (ja, das ist mit eine der schwächsten Versionen; aber wer konnte sich im Arcade-Embargo Deutschland schon einen NEO GEO leisten, um die Titel zu Hause zu spielen?). Der Trailer für den neuen Teil hat mich direkt gepackt und SNK hat abgeliefert. Danke. So muss ein Reboot aussehen. Bitte das gleiche jetzt für The Art Of Fighting und King Of Fighters.

9/10 ❤

Developer/Publisher: SNK
Veröffentlichung: 25. Juni 2019 (PS4, Xbox One)

Autor: Dennis Strillinger

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