Kolumnen und Kommentare

„Hömma! – Strilli’s Meinung“ | Pride Month = Streit Month?

Im Internet können wir uns benehmen wie das letzte Arschloch. Ich mache das nicht, weil ich ein netter Typ bin. Andere Leute rasten vollkommen aus wenn Sony ein Regenbogen-Theme für die PS4 veröffentlicht und diffamieren homosexuelle Menschen. Was ist da los? Angst, Neid, Unwissenheit?

Im Juni scheint überwiegend die Sonne. Es gibt Eis, Bier und Luftmatratzen auf dem See. Life is good. Und trotzdem gibt’s jedes Jahr die gleiche Kelle Hass im Sommer. Der Juni ist nämlich auch Pride Month. Die Stone Wall Riots jähren sich jeden Juni und die (aufgeschlossene) Welt zeigt Regenbogenflagge. Wer’s nicht weiß: 1969 haben Polizisten im Stonewall Inn in Greenwich Village, New York, USA, eine Razzia gegen Schwule und Lesben durchgeführt und die unterdrückten Menschen haben sich nach langen Jahren der Zurückhaltung und Angst zur Wehr gesetzt, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben. Dieses historische Ereignis hatte mehrere weitere Vorfälle zur Folge und gilt als Grundstein für den Pride Month und für die traurige Tatsache, dass der gemeine Homo Sapiens nach ein paar Tausend Jahren immer noch keine Ahnung von Menschenrechten und Gleichberechtigung hat und für diese Grundsteine unserer Gesellschaft gekämpft werden muss.

Gamer sind leider keine vorurteilsfreie Ausnahme. Sony und Microsoft wurden kürzlich in der Social Media von Teilen der Gamerwelt beschimpft und angegriffen, weil sie Regenbogenfarben in ihre Profilbilder aufnehmen oder Themes veröffentlichen, um sich für Menschenrechte einzusetzen. Wat is dat denn für ne Scheiße hier? Andere zu beschimpfen und niederzumachen weil sie sich gegen Diskriminierung aussprechen? Und das, von einer Subkultur, der selbst oft genug Diskriminierung widerfährt? Leute: Homophobie im Jahre 2019 ist inakzeptabel. Das war sie schon immer. Aber heute schreibt der Strillinger darüber.

„Why is pride month even a thing“

Liebe ist Liebe. Egal wer wen liebt – solange beide (oder alle) Beteiligten glücklich sind muss das okay sein. Was hat das nun mit Indie-Games zu tun? Der Mensch mag keine Neuerungen und Games sind noch nicht alt genug, um generationenübergreifend akzeptiert zu werden. Brokeback Mountain wäre 1968 wohl auch kein gefeierter Blockbuster geworden und Akzeptanz für LGBTTIQs gibt es in Hollywood heute immer noch nicht einstimmig (erst Recht nicht bei allen Zuschauer_innen). Von daher muss die Spielebranche noch einiges lernen. Soweit so traurig aber historisch gesehen leider logisch. Immerhin normalisiert und bedient Netflix kontinuierlich und sensibel dieses Thema in Film und Serienformat (Queer Eye, Everything Sucks, Frankie & Grace, Ein Besonderes Leben, der asexuelle Todd Chavez bei Bojack Horseman, The OA, Sense8, Orange Is The New Black…). Je öffentlicher das Thema gemacht wird, desto mehr gewöhnen sich die Skeptiker_innen vielleicht daran.

playstation_post

Sony und Microsoft sind im Juni bunt. „For ALL the players“, schreibt Sony ins PS4-Design aus 2017. Auf Instagram schreibt @playstation „Happy Pride Month! Show your colors with this free new PS4 Theme, downloadable now at PlayStation Store“. Danke Sony.
Was ich allerdings unfassbar abstoßend finde und mich rasend macht, sind die homophoben Kommentare dazu: „Why is pride month even a thing“, „Why don’t straight people get a month for being normal“? Wie eng sitzen bei Euch eigentlich die Scheuklappen vor den Augen, um so zu denken? Warum es den Pride Month geben muss? Weil Schwule, Lesben und andere nicht heteronormative Menschen seit Anbeginn der Menschheit verfolgt, diskriminiert, gejagt, umgebracht, gefoltert, ausgeschlossen und benachteiligt werden. Kein einziger Mensch auf der ganzen Welt wurde je verfolgt, diskriminiert, gejagt, umgebracht, gefoltert, ausgeschlossen oder benachteiligt nur weil sie oder er heterosexuell ist. Niemals.
Darum ist Pride Month „a thing“, Du Vollidiot, ey.

FOR ALL THE PLAYERS

Ich kann gerade in der Gaming-Community, nicht verstehen, warum hier überhaupt diskriminiert wird. Gamer sind doch ohnehin schon Zielscheibe für ein Klischee aus fetten, stinkenden Hosenscheißern. Dieses Bild ist lange veraltet. Ihr Gamer musstet dafür kämpfen, dieses Klischee abzulegen. Dass Sony und Microsoft für Gleichberechtigung einstehen ist vorbildlich und nicht „schwul“. Alle Call Of Duty-Gamer haben wahrscheinlich schon mal mit einem Menschen anderer Sexualität oder Ethnizität online gespielt – ohne es zu wissen! Oh mein Gott! Was bloß passiert, wenn diese Wahrheit ans Licht der Welt gerät? Ja…nichts halt. Dann habt ihr immer noch ein gutes Spiel gehabt. Oder nicht?

Wie gehen wir jetzt damit um? Ich bin ja der Meinung, dass Feuer nicht mit Feuer bekämpft werden kann und wir Pride Month unterstützen können, indem wir positive Kommentare unter entsprechende SoMe-Posts schreiben, um die Trolle in ihrer Reichweite einzuschränken und zu zeigen, dass Liebe gegen Hass gewinnt. Hashtag #WirSindMehr.

Malt die weißen Angelsachsen in Regenbogenfarben an.

Also, liebe Developer dieser Welt: Mehr Gleichberechtigung auch von Euch. Ich habe keine Lust mehr, vor Testosteron und Muskeln strotzende Kerle zu spielen, die vollbusigen und willenlosen Blondinen hinterherjagen. Ich will mehr Bayonettas, die zwar meinetwegen wie Pornostars aussehen, aber allem und jedem in den Arsch treten, die ihnen im Weg stehen und sich vor allem von Männern nichts sagen lassen. Ich will weibliche Hauptcharaktere, die auch gar nicht sexualisiert werden und deren Integrität und Auftreten auch nicht durch männliche Figuren untergraben werden, wie Clem aus Telltale’s The Walking Dead-Serie. Die Menschen sind unfassbar facettenreich – aber gefühlt 95% aller Charaktere in Videospielen sind weiße angelsächsische Männer, die gegen fernöstliche oder russische Bösewichte kämpfen. Ey, da kann ich mir nur an‘n Kopp packen! Ich will androgyne Charaktere spielen, Transgender, Transsexuelle, Intersexuelle, Non-Binarys, Genderfluids, Genderqueers, Agenders, Transvestiten, Travestiekünstler, Drag-Kings and Queens, Schwule, Lesben, Bis, Pans und Asexuelle Charaktere. Das ist doch die größte Faszination in Spielen: ich kann etwas machen, was im Real Life nicht geht. Ich wünsche mir mehr Diversität. Und nicht in einem Charakter-Editor. Dann entstehen wieder nur die weißen Angelsachsen. Ich will in Spielen etwas erleben, was ich nicht schon hundertmal gesehen habe.

Je mehr Protagonist_innen nicht der Heteronormativität entsprechen desto gängiger wird deren gesellschaftliches Bild bei Menschen, die damit noch keinen Kontakt hatten. Nur so können wir Vorurteile abbauen. Das ist nichts Neues. Aber es musste einfach mal gesagt werden.

Liebe ist Liebe, Leute. Deal with it.

Peace, hömma.

Nachlese:

Inzwischen gibt es sogar einige Spiele, die sich mit dem Thema befassen. Auf Steam gibt es ein „Queer Games Bundle“ mit Spielen, die nicht heteronormative Charaktere beinhalten, das Thema inhaltlich aufgreifen oder anderweitig damit umgehen. Das ist löblich und nötig! Ich habe vor kurzem 2064 Read Only Memories angefangen zu spielen, ein Pixel-Art Point’n’Click Adventure von Midboss, welches in Neo San Francisco im Jahre 2064 spielt. Geschlechterrollen sind hier verschwommen. Diskriminierung findet in diesem Spiel eher auf Basis von technologisch veränderten Menschen statt, die von Puristen kritisiert werden, zu sehr Gott zu spielen. Die Geschichte ist tiefgründiger als ich erwartet hatte und der Umgang mit den vielseitigen Charakteren ist beispielhaft. Auch in Life Is Strange ist Homosexualität ein erheblicher und sehr sensibel behandelter Bestandteil der Figuren. Hätte der King Of Cosmos nicht eine Queen, würde ich auch sagen, dass er der most fabulous gay character der Videospielgeschichte ist. Könnt ihr da noch was dran drehen, Bandai Namco?

Autor: Dennis Strillinger

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