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Dance of Death: Du Lac & Fey Review | Auf den Spuren von Jack the Ripper

„Ein sprechender, spielbarer Hund?“ Äh, ja genau! „Was ist das? Ich brauch das?“ Ein Bild von Fey reichte aus, um einen weiteren Menschen für Dance of Death zu begeistern. Dabei hat das narrative Adventure noch so viel mehr zu erzählen.

London 1888. Gerade sind die verfluchte Magierin Morgana Le Fey in der Gestalt einer charmanten Hündin und der unsterbliche Sir Lancelot Du Lac am Hafen der Stadt angekommen. Doch die Stadt ist in Aufruhr. Eine Serie von Morden an Frauen terrorisiert die die Bewohner_innen. Die Polizei findet keinen richtigen Faden und der örtliche, korrupte Journalist verbreitet Verwirrung und Stress. Das ungleich scheinende, jedoch tief verbundene Team trifft auf Mary Kelly, mit der sie ab jetzt gemeinsam der blutigen Spur des Killers durch die düsteren Gassen Londons folgen.

Ein Hauch von Telltale

Dance of Death: Du Lac & Fey ist ein modernes Adventure, das seinen Fokus vor allem auf die Erzählung und dessen Charaktere legt. Es verbindet klassische Point & Click Elemente mit modernen, verzweigten narrativen Strukturen. Ein Spiel, in dem dein Verhalten gegenüber anderen sich in dessen folgenden Handlungen zeigt. Ein Mix aus klassischer, offener Erkundung innerhalb eines Panoramas und markanten Zoom-Ins während der Konversationen zwischen den Charakteren. Salix Games erzählt eine interaktive Geschichte um das von Jack the Ripper heimgesuchte London im auslaufenden 19. Jahrhundert und verwebt sie mit weiteren Sagen-Figuren.

Jeder Fakt, jede kleinste Geschichte, jede Szenerie wurde mit der Unterstützung von Experten diskutiert und fein säuberlich ausgezeichnet. Philip Huxley (Batman: Arkham Knight, Killzone) und Jessica Saunders haben sich eine Story erdacht, der du zumeist gebannt folgst, selbst wenn du mit den gewählten Epochen nicht allzu viel anfangen kannst. Das Telltale-Moment: Ist eine Geschichte packend genug, ist es verflucht noch mal egal vor welchem Hintergrund sie spielt. Dabei verzichtet Salix sogar auf Cliffhanger, die in der für diese Spiele beliebten Episoden-Form, so gerne auftreten. Das braucht Dance of Death nicht, denn es wurde im vollem Umfang veröffentlicht und muss sich daher keine Gedanken um kurze Spannungskurven und kaufanregende Enden machen. Eine komplett durchgeplante Spannungskurve reicht aus. Das warst du nach den ganzen Telltale Games und Dontnod Adventures gar nicht mehr gewohnt.

Purer Hörgenuss

Was sich jedoch auch mit diesen Spielen eingeschlichen hat ist Anspruch. Anspruch, der sich in emotional eindringlichen Synchron-Momenten zeigt. Momente, die Gänsehautsituationen kreieren, für immer in exakter Stimmlage und Betonung in deinem Gehirn abgespeichert bleiben und Erlebnisse unvergesslich machen. Clementines warnendes „Behind you“ aus The Walking Dead wird dich vermutlich dein ganzes Leben verfolgen. Wohl auch, weil du diese Szene so häufig verkackt hast.

Indie Developer Salix hat sich für seine drei Hauptrollen aus Fey, Marry und Du Lac gleich mal mit mächtiger Schauspielkraft eingedeckt. Penny Dreadful Schauspielerin Perdita Weeks, Alexandra Roach von Black Mirror und Torchwoods Gareth David-Lloyd spenden ihre Stimmgewalt. Das klingt zumeist auch äußerst beeindruckend. Ganz so als würdest du einem pompös produzierten Hörspiel lauschen.

Doch genau hier liegt ebenfalls das zu cleane Problem. Auch wenn das insgesamt unglaublich gut und glaubwürdig klingt, vermisst du im gesamten Sounddesign das Organische. Die Stadt ist zwar unruhig, du hörst Leute brabbeln, Priester predigen, die Krallen von Fey auf dem Boden tapsen und sich atmosphärisch ausbreitende Musikstücke, doch gerade in gesonderten Unterhaltungen verschwindet nahezu jedes Nebengeräusch. Eine saubergeputzte Studioatmosphäre breitet sich aus. In dieser dreckigen Stadt wünschst du dir ein bisschen mehr Rotz, auch in der Vertonung. Diesen kleinen Makel wischen die liebenswerten Charaktere aber einfach so weg. Wenn Fey dann noch mit einer simplen Aussage wie „Du Lac, FOOD!“ für einen spontanen Schmunzler sorgt, ist die unvergessliche Szene schon kreiert.

Nur noch eine Geschichte, bitte!

Die simple, geklickte Navigation durch die belebten, wundervoll designten Londoner Straßen mit den imposanten Hausfassaden bringt dich zu weiteren liebevoll gestalteten Charakteren, die alle ihre eigene Geschichte im Verlauf des Adventures einbringen. Ohne Probleme erkennst du dank der 2D und 3D Modelle, mit wem du interagieren kannst. Ein netter Designkniff. In den Close-Ups während der Unterhaltungen baut Salix schicke 3D Modelle ihrer Charaktere mit ein, die durch ihre Gesichtsanimationen an Profil gewinnen, oft ihre ganz eigenen Mimiken entwickeln aber auch mal eine Emotion völlig verkacken. Gut, dass der Synchronsprecher gewint hat, von Du Lacs Gesicht hättest du das in diesem Speziellen Moment nicht ablesen können. Es variiert zwischen durchaus natürlich und Augsburger Puppenkiste. Letzteres jedoch in den seltensten Fällen. Fey ist in animierter Hinsicht das liebenswerte Zuckerstückchen. Du hast zwar keine sprechende Hündin Zuhause, wenn sie es aber könnte, würde sie mit Sicherheit genauso bezaubernd wirken wie die Magierin.
Immer wieder gibt es Flashbacks und nett arrangierte Cutscenes zwischen den einzelnen Kapiteln, die düstere, dreckige und mysteriöse Atmosphäre in den Londoner Untergrund bringen.

Auch wenn in Dance of Death nicht alles technisch perfekt ausklamüsert wirkt, mag dich das Gesamtkonzept mit seiner durchdachten Story, dem schicken Art-Design und dem herausragenden Voice Acting durchaus mit Detailreichtum umarmen. Wenn du als Du Lac gerade mal wieder die starre Fey durch den Raum schiebst, erzeugt das innerhalb dieses Projekts eher ein wohlwollendes, liebliches Grinsen. Denn das macht das Erlebnis mit Dance of Death eigentlich nur noch charmanter. Wenn du im nächsten Moment eine nicht geglaubte Entdeckung innerhalb einer Mordszene machst, die Erzählung einen weiteren Haken schlägt und das verzweigte Storynetz immer breiter und doch fokussierter wird, ist eigentlich jede Art von technischem Problem vergessen.

Dabei ist es faszinierend wie das multikulturelle und diverse Team von Salix Games Themen wie Prostitution, Abtreibung, Rassismus, Vergewaltigung und Mord historisch glaubwürdig und doch achtsam und sensibel, manches Mal auch ganz beiläufig, integriert.
Allein aber mittelalterliche Sagenfiguren in einen historischen neuzeitlichen Kontext einzuweben und diese plausibel zu verpacken ist ein erzählerisches Mittel, das gerne mal völlig zusammenkracht. Salix Games haben diesen Klotz innerhalb eines soliden Adventures mit diversem, großartig performenden Cast und wundervollem Design perfekt untergebracht. Und das ist gerade mit dem Zusammenbruch von Telltale mehr als du dir in irgendeiner Weise erhofft hattest.

7/10 <3

Developer/Publisher: Salix Games
Story: Philip Huxley und Jessica Saunders
Synchronisation: Perdita Weeks (Fey), Alexandra Roach (Marry), Gareth David-Lloyd (Du Lac)
Veröffentlichung: 5. April 2019 (Steam)

Autorin: Benja Hiller

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