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Little Adventure On The Prairie Review | Platin Trophäen sammeln ist hart!

Eine Trophäe, Auszeichnung für besondere Leistungen und außergewöhnliche Errungenschaften. Selbst Stromberg hatte eine auf seinem Schreibtisch. Warum weißt du nicht mehr, aber nach Little Adventure on the Prairie hast du tatsächlich eine verdient.

Eine große Gabe zur Aufopferung fordern viele Platin-Trophäen im PlayStation Network. Ein Spiel auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad abzuschließen zum Beispiel, jede Ecke der Welt erkundet oder alle möglichen Endszenarien erlebt zu haben. Die eine Platin Trophäe fordert Geduld, die andere viel Zeit und die nächste pures Können. Little Adventure on the Prairie ist da etwas anders. In diesem Abenteuer wirst du allein für dein außergewöhnliches Durchhaltevermögen belohnt, für deine harten Nerven… und vielleicht dafür, dass du so bekloppt warst Geld für das Spiel auszugeben.

Die endlosen Weiten der Prärie

Eine endlose Steppe, karge Landstriche, triste Einöden, wenig Vielfalt. Ganze zwölf dieser Art muss dein tapferer Krieger mit dem wehenden blauen Haar durchqueren. Und als wäre das nicht genug, stellen sich ihm immer wieder fiese Möppe in den Weg, die ein durchqueren der Prärie erschweren. Zum Glück trägt dein wagemutiges Kerlchen sein ehrenwertes Schwert immer einsatzbereit vor der stählernen Brust und kann stets auf die zufällig verteilten Gesundheitstränke zurückgreifen. Dem Abenteuer steht somit nichts mehr im Wege, denn es geht hier schließlich um eine selbstlose Heldentat, die dein Matador im Begriff ist anzugehen.

Was, nicht? „Ein kurzes und lustiges Abenteuer-Spiel. Wage dich durch 12 Level der puren Schlachterei und versuche einfach völlig unbedacht alle Monster zu töten, die sich dir in den Weg stellen.“ Nun, ja gut! Warum sich auch zu lange mit einer Hintergrundgeschichte aufhalten, wenn das eigentliche Gameplay den Reiz des Spiels ausmachen soll, richtig Infinite Madaa? Also vergiss warum das blaue Mangakerlchen gekommen ist und wohin es durch die endlose Prärie überhaupt unterwegs ist. Völlig egal, es geht ums Schlachten!

Immer schön drauf los hacken

Little Adventure on the Prairie ist also ein Mix aus Platformer und Hack’n’Slay. Hüpfen und kloppen. Verständlich und einfach. Aus welchem Grund auch immer jetzt auf die Gegner eingeschlagen werden soll. Also machst du dich auf das herannahende Abenteuer in zwölf Akten und stellst fest, die Entwickler haben mit einem „kleinen Abenteuer in der Prärie“ schon mal nicht zu wenig versprochen. In dieser Welt ist wirklich nichts spannend. Wahllos und lieblos hintereinander geklatschte Levelbrocken, die sich immer und immer wiederholen. Manche sogar mit überlappenden ausgefransten Enden und komischen horizontalen Strichen in der Oberfläche. Hier gibt es wirklich nichts zu sehen. Also schnell das Schwert geschwungen und die nahenden Monster erledigt. 

Es gibt drei Grundwelten, die in vier Abschnitte aufgeteilt wurden. Wenn du gut durchkommst ist jedes Level ca. eine Minute lang. Monsterarten wechseln mit der Welt, sind aber alle völlig homogen und, äh – ja hier wird es tatsächlich schwierig einen passenden Begriff für die geringe Dichte an grauen Zellen in deren Schädeln zu finden – etwas unterdurchschnittlich langsam in der Fähigkeit Dinge zu lernen und auszuführen? Das läuft dann immer wieder höchst interessant ab. Ein Monster kommt dir entgegen, bleibt kurz vor dir stehen und schwingt sein Schwert einmal. Ein paar Sekunden später das zweite Mal. Hättest du Lust gehabt die Abstände zwischen den Schlägen zu messen, es wäre vermutlich im ganzen Spiel bei jedem Monster exakt der selbe. Individuelle Programmierung, was ist das? Das gibt dir die Chance einfach drauf loszuhacken. Immer weiter hacken! Hacken, hacken, hacken. Auch wenn das in Verbindung mit dem niedlich gestalteten Artdesign völlig paradox klingt. Bist du schnell genug, hast du den Gegner erledigt, bist du es nicht, verschwindet ein winziges Stückchen deiner Lebensenergie. Am Anfang des Spiels absolut verkraftbar. Dafür gibt es ja die tollen Tränke, die der Osterhase in der Welt verteilt hat.

Prärie? Was hast du denn erwartet?

Das alles wäre ja auf einem harten Abenteuer zu verkraften. Zwar repetitiv aber immerhin nicht so schlimm! Wenn das Gameplay und die Animationen dich in der Immersion gefangen halten und du dich völlig vertieft durch die Prärie hackst, schlachtest und mätzelst. Little Adventure on the Prairie will dir aber auch diesen Gefallen nicht unterbreiten. Deine Platin Trophäe soll ja hart verdient sein. Also bauen Infinite Madaa völlig uninspirierte, ungenaue Spielmechaniken mit ein, lassen die Animationsmuskeln spielen und kredenzen dir Treffer, die nicht als solche zu erkennen sind, da das Schwert komplett im Vordergrund zu sehen ist oder sich zwischen Klinge und Gegner immer die sichere Armlänge Abstand befindet. Dafür leuchten die Monster plötzlich kurz rot auf und verschwinden nach ein paar Schlägen. Kein Puff, kein Staub, einfach nur weggerechnet. Beeindruckend!

Der Weg ist frei, du kannst mit deinem einzigartigen Helden weiter durch die Prärie schweben, an winzigen Kanten hängenbleiben und die luftige Ausrede einer Steuerung genießen. Ungenau, völlig losgelöst vom Erwartbaren. Und da das alles noch nicht reicht, wird es zur Mitte des Spiels – also nach sechs Minuten, auch noch unfair. Upgrades und Tränke werden auf Lava platziert und unüberwindbare Längen dieser hineingepresst, damit auch ja ein Verlust deiner Energie sichergestellt werden kann. Denn hast du ein wenig Geduld, kannst du deine Gegner austricksen in dem du vor ihnen hoch springst und in der Luft wild um dich schlägst. Die „schlauen“ Monster nehmen dich dann nicht mehr wahr und verzichten komplett auf Gegenwehr. Kennst du diesen Trick aber nicht, wird es sehr schnell sehr frustrierend. Denn trotz der geringen Herausforderung wird dein Krieger aufgrund der undurchsichtigen Spielmechanik und der nicht vorhandenen Verteidigung durch absurde, nicht erkennbare Treffer und dem Lauf über die Lava niedergestreckt.

Zum Ende des Spiels kommen die gemeinen Monster dann  in so großen Mengen vor,  dass sie sich einfach fein säuberlich hintereinander aufreihen und anstellen, Sie warten auf ihren Einsatz, auf die Schlachtung. Wie die Menschen vor dem Paketschalter bei der Post auf ihr Vorsprechen beim Beamten hinter dem Schalter warten. Dabei ist das Spiel nicht mal aus Deutschland.

Harter Brocken!

In Little Adventure on the Prairie wirst du dazu genötigt, all die Fehler der gesamten Videospielgeschichte in einem Spiel auszuhalten. Wie ein Präzedenzfall der Gaming Branche. Das Einmaleins der dringend zu vermeidenden Fehler. Alle schön säuberlich aufgelistet und aneinandergereiht, innerhalb von 15 Minuten Spielzeit. Uninspirierte Levelgestaltung, lieblose Animationen, absolut keine Backstory, schlechte Balance, unglaublich miese künstliche Intelligenz, Spielemechaniken, die eher an den Zufall erinnern, als an das präzise Wort Mechaniken, Wiederholungen um Wiederholungen und das schlichte Versagen im Aufbau eines spaßigen Grundspiels. Doch wollten Infinite Madaa dich nicht vollends runterziehen und haben einfach nen paar freundliche Melodien und dieses putzige Kerlchen mit eingefügt. Nee stimmt natürlich nicht. Die Musik ist genauso eine dreiste Wiederholungsschleife  wie die Levelstruktur.

Nachdem du dich mehrmals über das System aufgeregt und diese unvermeidlichen unfairen Inhalte in einem eigentlich viel zu simplen Spiel überlebt hast, ploppt ganz unbedarft eine der härtesten Trophäen der PSN-Geschichte auf. Nicht weil sie so unglaublich schwer zu erspielen war, sondern, weil du die Stärke besitzt diese Aneinanderreihung von fatalen Unfähigkeiten wirklich bis zum Ende durchzuhalten. Weil du ein völlig kaputtes Spiel durchgespielt hast. Wichtige Kurse kosten gutes Geld. Dieser hier zum Glück nur 1,59€. Eine Packung Kekse weniger in diesem Monat. Dafür weißt du aber, wie ein Spiel wirklich niemals funktionieren kann. Danke Little Adventure on the Prairie, danke Infinite Madaa. Dank euch hast du dir die 22 Trophäen (6xBronze, 8xSilber, 7xGold und 1xPlatin) wirklich verdient. Du bist durch absolut nichts zu erschüttern.

1/10 <3

*und da das Spiel so unglaublich spannend ist, verlinken wir gleich ein ganzes Playthrough!

Developer /Publisher: Infinite Madaa
Veröffentlichung: 27.07.2017 (iOS/Android), 17.08.2017 (Nintendo 3DS), 22.02.2018 (PS4/PS Vita)

Autorin: Benja Hiller

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