Growbot | Böse, böse Kristalle

In Growbot zeichnet Lisa Evans die Geschichte von Roboterlehrling Nana und dem Angriff der Klonkrie… ich meine Kristalle.

Ich bin, soviel dürftet ihr mittlerweile mitbekommen haben, Naturwissenschaftlerin. Genauer gesagt Geowissenschaftlerin, was im Prinzip aussagt, dass ich mich mit Gesteinen von der atomaren bis zur universalen Ebene beschäftige. Grundlage dieses Fachs stellt die Kristallographie dar, die mit komplexen Modellen den Aufbau und damit die Eigenschaften unserer Minerale erklärt. Salz, das dürfte euch noch geläufig sein, bildet beispielsweise kleine Würfel und erreicht damit die höchstmögliche Symmetrie, das kubische System. Das gilt auch für Pyrit, auch bekannt als Katzengold. Warum das so ist, das ist deutlich schwieriger zu erklären. Es hängt mit dem Verhältnis der Anionen zu den Kationen zusammen, sowohl ihr numerisches Verhältnis (1:1) als auch ihr Größenverhältnis, das in Ionenradien angegeben wird. Das bedeutet, dass sich die Atome in einem Gitter anordnen, das … (unverständliches Geblubber, langsames Ausblenden).

Nerdtalk Ende, jetzt wird sich sattgesehen

Falls ihr gerade abgeschaltet habt: Stopp! Hiergeblieben. Das hat alles rein gar nichts mit Growbot zu tun. Aber irgendwie musste ich zu einem Spiel überleiten, in dem Kristalle die Macht über Raumschiffe übernehmen wollen… Warte, was? Ja, genau. Blaue, schnell wachsende Kristalle gefährden das fragile Ökosystem des Raumschiffes, das auf biologischer statt auf technischer Basis agiert. Überall wachsen Pflanzen und betreiben… na, was man eben so betreibt auf einer pflanzlichen Raumstation. Dementsprechend sind die Kristalle die Bösen, was mal einen interessanten Pfiff in das übliche Schema Gut gegen Böse bringen könnte. Offenbar sind diese Kristalle rücksichtslos genug, die Maschinerie außer Gefecht zu setzen und damit den Fortbestand des ganzen Raumschiffes zu gefährden. Mein Geologenherz blutet!

Und wer muss es richten? Der/die Prakti. Nana hat nicht einmal richtig angefangen, da muss sie schon ihre kleine Welt retten, und ihre Freunde gleich mit. Nana ist ein Growbot, eine seltsame Spezies, die eine Verschmelzung zwischen Geist und Maschine darstellt, wenn ich das Gehirn in der Glashalbkugel auf ihrem Kopf richtig interpretiere. Ihr Brainapilla, so heißt das rosa Wesen mit den Glubschaugen, ist genauso süß und knuffig wie der Rest der Crew, die neben den Growbots und einer Menge exotischen Getiers auch noch ein Hologramm namens Starbelly beheimatet. Starbelly, geheimer Star des Spiels, ist ein flauschiges Faultier mit einer Galaxie auf dem Bauch. Wofür es da ist? Egal, es ist süß! Das gilt übrigens auch für Nana, die mit ihrem Kindchenschema jedes Kristallherz schmelzen müsste. Zusammen mit den bunten Farben von Flora und Fauna versprüht Growbot den gewissen Hauch extraterrestrischen Lebens.

Auch Growbot musste erst lange währen, um endlich gut zu werden – oder?

Falls ihr wie ich die ganze Zeit an Machinarium und seine mechanische Welt denken müsst: Ja, Amanita Designs bekanntestes Spiel hat als Inspirationsquelle gedient, optisch wie spielmechanisch. Es gilt wieder, kleine Puzzles zu lösen und Maschinen zu reparieren. Der Kopf hinter dieser Idee ist eine einzige Frau. Lisa Evans ist Illustratorin und hat sich selbst Unity beigebracht, um Growbot zu realisieren. 2018 hat sie Wabisabi Play gegründet und sich schließlich mit Application Systems Heidelberg zusammengetan, die als Publisher auftreten. Lisa Evans‘ einzigartiger Stil haucht dem Spiel Leben ein, das ansonsten in einer Reihe von Adventures verschwinden würde. Eine kurze Demo ist schon länger spielbar, am 21. Oktober 2021 erscheint das Point-and-Click Adventure endlich auf Steam, GOG und Application Systems hauseigener Website. Spätestens dann sehen wir, ob das Biopunk-Abenteuer mehr kann als wirklich niedlich auszusehen.

Kommentar verfassen