Potion Craft – Alchemist Simulator Preview | Tiegel, Kessel, Blasebalg

Im Alchemie-Simulator Potion Craft lassen sich schon im Early Access hilfreiche Tränke brauen. Zu den Kesseln!

Ich erinnere mich noch an das erste Mal, als ich Alchemie bewusst wahrgenommen habe, auch wenn ich damals noch nichts über Chemie wusste. Das war in Cornelia Funkes Buch Drachenreiter. Ich habe es als Kind so oft gelesen, dass es ein Wunder ist, dass mein Exemplar noch nicht zerfallen ist. Ich habe die Geschichte des sanftmütigen Drachen Lung, seiner mürrischen Begleiterin Schwefelfell (eine gefleckte Koboldin) und seines Menschenfreunds Ben immer gerne gelesen, weil sie so nahbar war. Und trotzdem fantastisch, klar. Ich liebe Drachen, und in diesem Buch stehen sie auf beiden Seiten. Ein Alchemist hat einen bösen Drachen namens Nesselbrand erschaffen, der unzerstörbare goldene Schuppen und riesige Klauen hat. Dieser Alchemist ist auch für einen Homunkulus verantwortlich, ein kleines menschenartiges Wesen mit spinnenartigen Beinen und einer Fistelstimme.

Dass Alchemist_innen versuchten, Leben aus dem Glas zu erschaffen, beruht auf einem Mythos, der auf die bildliche Darstellung von abstrakten Reaktionen zurückgeht. Die Annahme, sie wollten Gold erzeugen oder den Stein der Weisen finden, nicht, aber ihr Tätigkeitsfeld war bedeutend breiter als das. Alchemist_innen waren seit der Antike maßgebend für das Wissen der heutigen Chemiker_innen. Sie erklärten sich die ganzen Reaktionen allerdings noch mithilfe ihrer eigenen Theorien. So spielten die Sterne und die Elemente in ihrer Vorstellung eine Rolle, und sie arbeiteten mit aufwendigen Apparaturen, um ihre Experimente zu verwirklichen. Dabei kamen Ergebnisse heraus, die heute noch für Waffen, Medikamente oder eben chemische Prozesse relevant sind. Man könnte sagen, dass hier die Pionierarbeit für eine moderne Wissenschaft geleistet wurde. Dennoch hat die Alchemie heute den Anstrich einer Pseudowissenschaft.

Darf ich Ihnen ein Fläschen flüssiges Feuer anbieten?

Zugegeben, mit der Alchemie hat das Tränkebrauen kaum Gemeinsamkeiten. Aber ich bin mal nicht so. Im Alchemie-Simulator Potion Craft eröffne ich als Alchemist_in einen kleinen Shop, in dem ich meine Tränke an das halbe Dorf verkaufe. Die Zutaten pflücke ich in meinem Garten, wo spannenderweise jeden Tag neue und exotische Pflänzchen und Pilze wachsen. In einem großen Kessel wird aus dem getrockneten Grünzeug dann pure Magie. Die Rezepte erhalte ich mithilfe einer großen Karte, auf der ich mich durch die Auswahl der Zutaten bewege. Wie eine Wünschelrute geben mir die Zutaten einen Pfad vor, dem ich über die Karte folge. Spitze Zacken oder verschlungene Kringel lassen mich Hindernisse umwandern und führen mich über Umwege zum gewünschten Effekt, der dem Trank seine Kraft verleiht. Die Symbole für den Effekt meines Tranks sind über die Fläche verteilt und ich muss sie möglichst präzise ansteuern, um den Trank zu vollenden. Das hat meditative Qualitäten und wirkt beruhigender als jeder Schlaftrunk auf mich.

Die fertigen Tränke verkaufe ich dann an meine Kund_innen, die ihr Bedürfnis mehr oder weniger klar äußern. Das reicht von „Jetzt gib mir was, damit ich den Nachbarn vergiften kann“ bis hin zu „Ich muss auf den Berg da rauf“.  Die Gespräche sind so kurz wie pointiert, und ich mag das kurze Palaver, was jedem Verkauf vorausgeht. Jeder erfolgreiche Verlauf gibt mir Geld und Reputation, was mir mehr Kund_innen und exotischere Zutaten einbringt. Aber im Kern lebt Potion Craft von seinem Management-Aspekt und seinem unverwechselbaren Look, der an vergilbtes Pergament angelehnt ist. Der simple Soundtrack ist eingängig, die Geräuschkulisse verströmt ein beruhigendes Flair von brodelndem Wasser über einem prasselnden Feuer. Es ist beunruhigend einfach, sich mehrere Stunden im Brauen von Liebes-, Feuer- und Schlaftränken zu verlieren und nach neuen Effekten zu jagen.

Potion Craft: handwerklich solide Alchemiekunst

Im weiteren Spielverlauf können weitere Apparaturen freigeschaltet werden, die neue Effekte ermöglichen. Vieles lässt sich an die eigenen Bedürfnisse anpassen und dem freien Probieren sind kaum Grenzen gesetzt. Schluss ist erst, wenn die Reputation auf Null sinkt und keine Kund_innen mehr kommen. Aber gut, dann fange ich eben von vorne an und lasse mich von der Musik berieseln. Schon am 21. September 2021 erlangt Potion Craft den Early-Access-Status auf Steam, in dem der Alchemie-Simulator so lange bleiben wird, bis das Spiel für niceplay games vollständig zufriedenstellend sein wird. In der Zwischenzeit werden Updates frische Inhalte liefern, die mehr Abwechslung in den alchemistischen Alltag bringen sollen. Mir reicht es eigentlich schon meinen kleinen Laden zu betreiben. Das finale Ziel klingt dann doch wieder ein bisschen wie literarische Fiktion: Der Stein der Weisen.


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