Operation: Tango Review | Team Tango rettet die Welt

Im Koop-Abenteuer Operation: Tango sind gute Absprachen unverzichtbar, um die geheimen Missionen zu erfüllen.

Vor etwas über einem Jahr habe ich zum ersten Mal mit Benja über Skype telefoniert. Die Verbindung war mäßig, das Gespräch dementsprechend etwas holprig. Trotzdem waren wir uns sympathisch genug, um uns für eine Zusammenarbeit bei Welcome To Last Week zu entscheiden. Seitdem haben wir zusammen gezockt, gelacht, geplappert und virtuell Kartoffelsalat gegessen. Im echten Leben haben wir uns noch nie gesehen. Ob wir ein gutes Team sind? Das wussten wir nicht, als wir uns zum ersten Mal zum Welt retten im Koop-Game Operation: Tango verabredeten. Die Vorbereitungen zu unserem gemeinsamen Twitch-Stream liefen schon einmal alles andere als rund. Zu unserer Verteidigung sei aber gesagt, dass das vielmehr an der Technik, als an zwischenmenschlicher Inkompatibilität lag. Noch bevor wir als Team Tango unsere erste Mission angetreten haben, waren wir also emotional gestresst. Umso erstaunter waren wir, als es dann plötzlich doch fluppte – und sogar richtig Spaß machte.

Upsi, da war ja ’ne Drohne

Benja spielt den Hacker Alistair B. Fleming und ich trete die erste Mission als Angel, die Field Agentin an. So war zumindest der Plan. Da unser Streaming Setup nicht so wollte wie wir, und wir irgendwann einfach nur noch genervt waren, hat das Schicksal anders entschieden: Ich wurde zur Hackerin, Benja zur Agentin. Als neu formiertes Team begaben wir uns in Operation: Tango auf geheime Missionen rund um den Globus. Obwohl wir eng zusammenarbeiten müssen, sind wir selten am gleichen Ort. Trotz der unterschiedlichen Settings, an denen Hacker_in und Agent_in sich befinden, ist alles miteinander verwoben. Zwar konnte ich nie genau das sehen, was Benja gerade sieht. An manchen Stellen hatte ich als frisch gebackene Profi-Hackerin jedoch die Möglichkeit, meine Partnerin als kleinen Punkt auf einer virtuellen Karte zu verfolgen oder die Kontrolle über die Überwachungskameras zu übernehmen.

Schon in den ersten Minuten entfloh mir ein aufgeregtes: „HA! Ich seh dich! Wink mall!“, woraufhin Benja prompt einen Luftkuss Richtung Kamera schickte. Ganz normales Agent_innen-Verhalten. Auch wenn wir uns der Ernsthaftigkeit unser Missionen zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz bewusst waren, haben solche kleinen Interaktionen immerhin dafür gesorgt, dass wir schnell gefesselt waren. Dann ging es auch schon richtig zur Sache und Benja kommandierte mich herum: Mach mal die Aufzugtür auf, fahr mich mal hierhin, erkläre mir mal den Weg dorthin. Zur Strafe habe ich sie erst einmal in eine tödliche Drohne rennen lassen. Klassischer Agent_innen-Prank. Das stimmt natürlich nicht. Also, dass Benja des Öfteren von Drohnen gekillt wurde, schon. Aber nicht, dass ich das extra gemacht habe. Und auch nicht, dass sie mich herumkommandiert hat. Wenn schon, beruhte das auf Gegenseitigkeit. Denn wenn eines wichtig ist, um in Operation: Tango zu bestehen, dann ist es: Reden, reden, reden.

In Operation: Tango sind gute Absprachen Gold wert

Was sich auf meinem Bildschirm befand, habe ich Benja so gut wie möglich beschrieben. Dabei zählt jedes Detail, denn nur dann weiß die Agentin, welche Informationen sie einholen muss, um die Rätsel zu lösen und voranzukommen. Auch sie musste mir beschreiben, was sie sieht – wo Türen, Kabel, oder Schlösser sind, die wichtig sein könnten. Ausgetauscht haben wir dabei über Discord, aber auch in Operation: Tango selbst gibt es die Möglichkeit, einen Sprachchat zu starten. Unsere Kommunikation hatte von ultimativem Missverständnis bis hin zu Gedankenübertragung alles zu bieten. Nach etlichen gescheiterten Versuchen, mich vorbei an Lasern zu einem virtuellen Portal zu lenken, erwies sich schließlich folgender Dialog als erfolgreich. Benja: „Ich mach jetzt einfach mal.“ Nina: „Jo, ja, weiter, ok, jo mach mal, jaaaa, uhhhh, jup. Geschafft.“ Scheint, als wären wir zu einem guten Team zusammengewachsen.

Unser Glück war aber auch, dass Operation: Tango Fehler der Spieler_innen schnell verzeiht und wir so fast immer nahtlos am zuvor Geschehenen anschließen konnten. Nur einmal mussten wir nach dem gescheiterten Versuch, eine Bombe zu entschärfen, eine längere Sequenz wiederholen. Während Agentin Benja sich dabei in Büroräumen herumgetrieben, Städte erkundet oder eine Bahnfahrt gemacht hat, war ich in meiner Hackerinnen-Rolle immer im Cyberspace unterwegs. Die Welt zwischen Bits und Bytes wird in Operation: Tango ziemlich prototypisch dargestellt. Ich konnte auf klobige Pixel-Blöcke klicken, um mich durch Computernetzwerke zu bewegen. Habe ich ein Passwort geknackt, sah ich auf meinem Bildschirm eine schnelle Abfolge nichtssagender Code-Schnipsel. Anfangs dachte ich, dass diese eintönige Sicht mir schnell langweilig werden könnte. Da meine Schaltflächen und Hacker_innen-Optionen aber je nach Mission unterschiedlich ausfielen – und ich außerdem viel zu aufgeregt für Langeweile war – hat sich meine anfängliche Skepsis zum Glück nicht bestätigt.

Over and out

Insgesamt wuselten, rätselten und hackten wir uns durch sechs Missionen. Danach waren wir uns einig, dass das zu wenig war. Wir haben Blut geleckt. Aufgaben wie Zahlenrätsel im „Mastermind“-Stil oder virtuelle Dietriche, in denen wir Blöcke innerhalb eines Schieberätsels koordinieren mussten, tauchten in fast allen der Missionen auf. Diese Rätsel haben uns stellenweise fast in den Wahnsinn getrieben. Dadurch, dass wir irgendwann wussten, was uns erwartet, gaben sie uns aber zumindest Zeit, zwischen Drohnen- und Bombenangriffen kurz durchzuschnaufen. Alle Missionen waren sowohl thematisch als auch visuell so unterschiedlich, dass wir immer wieder aufs Neue herausgefordert wurden. Langweilig wurde uns nie. Und nicht nur wir fanden Operation: Tango aufregend. Auch unsere Twitch-Zuschauer_innen haben uns im Chat wissen lassen, dass sie unser spannendes Abenteuer gerne begleitet haben.

Wenn ihr herausfinden wollt, ob Agentin Benja und Hackerin Nina am Ende tatsächlich die Welt gerettet haben, könnt ihr den Stream zu Operation: Tango weiterhin auf Twitch anschauen. Aber seid gewarnt! Wenn ihr euch selber auf geheime Mission begeben wollt, solltet ihr erst spielen, danach bei den Profis lernen. Sonst wisst ihr ja schon alles. Auf der sicheren Seite seid ihr, wenn ihr getreu unserem Motto: Nicht professionell, aber effizient muss es sein handelt. Benja und ich hatten jedenfalls riesigen Spaß an Operation: Tango und hoffen auf Updates mit neuen Missionen, in denen wir uns mit verwirrten Dialogen irgendwie ans Ziel wurschteln können. Jetzt begeben wir uns auf die Suche nach unserem nächsten Koop-Abenteuer. Bis dahin tauchen Agentin Benja und Hackerin Nina erst einmal unter. Over and out.

8/10 🕵️‍♀️ | 9/10 👩‍💻

Developer/Publisher: Clever Plays
Genre: Koop-Abenteuer
Team: Angela Mejia (Studio Head), Mattieu Bégin (Game Director), Yohan Hervé (Artist), Guillaume Lapointe Munger, Patrice Le Nouveau, Jordan Cogswell, Julie Pilon, Malcolm Arcand (Programmers), Renaud Bartens (Game Designer)
Musik: Vibe Avenue
Auszeichnungen: Best Multiplayer Game (Gamescom 2020)
Veröffentlichung: 01. Juni 2021 (Steam), PS5, PS4


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