Paralives | Wenn Wohnträume wahr werden

Paralives Studios wurde gegründet, um mit der gleichnamigen Life Sim das Genre auf ein neues Level zu heben. Mission geglückt?

Manchmal braucht es keine innovative Idee, kein nie da gewesenes Genre und auch keine Vorreiterrolle. Manchmal reicht es, wenn du ein Spiel wie Die Sims nimmst, das sich in 21 Jahren 175 Millionen Mal verkauft hat. Und dann machst du dieses Spiel einfach noch besser. Paralives hat die Mutter aller Life Simulation Games mal eben ganz locker links überholt und dabei noch lässig den Arm aus den Fenster gehalten. Das glaube ich jedenfalls, wenn ich mir die kürzlich veröffentlichten Gameplay Videos anschaue. Alles, was ich mir bei Die Sims teuer durch Erweiterungspacks erkaufen oder mühsam durch Mods zusammenwurschteln musste, bekomme ich in Paralives. Einfach so. Nur noch schöner, noch einfacher, noch detaillierter und personalisierbarer. Und ich fürchte, dass ich mein Real Life nach Release erst einmal pausieren muss, um in meine Traumwelt einzutauchen.

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Es ist das klassische Szenario: Ich starte Die Sims und verbringe erst einmal eine halbe Ewigkeit damit, meine virtuelle Familie zu erstellen. Nachdem ich mich in Details wie die richtige Positionierung der Wangenknochen verloren habe und die Augenbrauen meines Charakters endlich on fleek sind, verlässt mich bei den Klamotten zum ersten Mal die Geduld. Denn ich weiß, was noch auf mich wartet. Nur Noobs kaufen ein fertig eingerichtetes Haus. Liebhaber_innen entscheiden sich für ein leeres Grundstück und erschaffen ihr Traumhaus von Grund auf. Das dauert, macht aber auch unheimlich viel Bock. Und obwohl die Möglichkeiten sich mit jedem Teil der Serie erweitert haben, so richtig perfekt wird das Eigenheim am Ende nie. Weil es den Küchenschrank nicht im richtigen Farbton gibt. Oder weil der Schreibtischstuhl aus unerfindlichen Gründen viel zu weit weg vom Schreibtisch stehen muss. Hobby-Architekt_innen wie mich macht so etwas wahnsinnig.

Genau das dachte sich wahrscheinlich auch Alex Massé, Gründer von Paralives Studios und Entwickler von Paralives. Paralives – das steht für parallel lives und scheint eine ziemlich wichtige Rolle in dem ganzen Konstrukt zu spielen. Alex hat das Studio eigens gegründet, um seiner Liebe zu Life Simulation Games zu frönen und das Genre vielleicht nicht zu revolutionieren, ihm aber dennoch einen ordentlich Boost zu verpassen. Denn alles, was ich mir in 21 Jahren und vier Teilen Die Sims erträumt habe, wird hier Wirklichkeit. Wofür ich bisher den Cheatcode bb. moveobjects bemühen musste, um alles an die richtige Stelle zu rücken, werden mir in Paralives weniger Steine in den Weg gelegt. Es funktioniert einfach. Ich will runde Ecken anstatt schnöder 90 Grad Winkel? Kein Problem. Ich will ein pinkes Sofa. Oder doch lieber rosé. Oder Türkis, nee, ein bisschen heller als Türkis. Eher Salbei. JA MACH HALT. Das Color Wheel macht‘s möglich.

Paralives ist moderne Life Simulation ohne Barrieren

Ich traue mich gar nicht so richtig, Paralives zu hart abzufeiern (zu spät, ich weiß). Aber nur, weil ich nicht glauben kann, dass das, was die ersten  Einblicke ins Gameplay versprechen, wirklich wahr ist. Die ganze Umgebung und die Figuren wirken, als seien sie aus einem modernen Anime Film gehüpft. Alles wirkt irgendwie frischer als das, was ich bisher kannte. Und ich habe bisher ja nur über das Bauen gesprochen. Natürlich kann ich mich auch hier in der Charakter-Erstellung der sogenannten „Paras“ verlieren. Auch hier kann alles buchstäblich bis in die Haarspitzen angepasst werden. Selbst individualisierbare Tattoos sollen laut Aussagen der Entwickler_innen möglich sein. Auch das Haus verlassen und die Stadt erkunden ist möglich. Ich kann – und sollte – einem Job nachgehen, denn Geld kostet auch hier alles. Ein Haustier kann ich auch halten. Ich kann auch an den Strand gehen oder meinen eigenen Grabstein designen. Und das alles ohne Erweiterungspacks.

Ich gebe zu, das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Selbst die zahlreichen Fans, die Paralives schon neugierig gemacht hat, bleiben skeptisch. Wie werden die Paras zum Beispiel mit den Gegenständen interagieren, wenn diese vollkommen frei platziert werden können? In den Posts und Kommentaren lässt sich die Freude über das vermeintlich bessere Sims aber bereits ablesen: Die Bereitschaft, für ein Indie Game ungewöhnlich hohe Preise von 40 bis sogar 100 US-Dollar zu bezahlen, scheint bei vielen Interessent_innen da zu sein. Bis wir uns selbst von der Lebenssimulation Deluxe überzeugen können, müssen wir uns allerdings noch gedulden. Wie lange, das wissen nur die Entwickler_innen von Paralives Studios selbst. Bisher gibt es noch kein Veröffentlichungsdatum. Fest steht aber schon, dass Paralives erst einmal nur auf Steam erscheinen wird. Bis dahin werde ich mein Traumhaus schon einmal gedanklich vorplanen.

Kommentar verfassen