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Boomerang Fu Review | Reizüberflutung trifft Partyspaß

Bumerangs Werfen ist langweilig? Nicht, wenn ihr dabei ein zuckerglasierter Donut seid und in Boomerang Fu gegen eure Freunde antretet!

Als ich so circa neun Jahre alt war, ist uns im Winter mal eine Katze zugelaufen, hat ein bisschen auf unserer Terrasse gechillt und sich wieder aus dem Staub gemacht. Am nächsten Tag kam sie wieder. Und am Tag danach. Irgendwann ist sie einfach in unsere Wohnung gegangen, hat sich im Kratzbaum verkrümelt und vier flauschige Katzenbabys bekommen. Von dem Tag an war sie Bumerang, unsere Katze, die immer wiederkam und plötzlich nicht mehr gegangen ist. Das hat zwar nichts mit dem Partyspiel zu tun, über das ich euch berichten möchte, aber Cat-Content geht immer – meine Meinung (Benja könnte mir da einen Strich durch die Rechnung machen)*. Außerdem kann ich bei einem Spiel, das Boomerang Fu heißt, nicht anders, als an meine Katze Bumerang zu denken. Die Wurfgeräte in dem lokalen Multiplayer sind allerdings weniger flauschig, sondern eher von der tödlichen Sorte.

Avocado, Donut, Bacon: Boomerang Fu bietet kulinarische Vielfalt

Wer wusste, dass Bumerangs bei den australischen Aborigines tatsächlich als Wurfwaffen eingesetzt wurden? Einmal kurz die Hand hoch, bitte! Mal wieder jeder außer mir? Egal! Was euch aber vielleicht neu ist: Anders als die modernen Sport-Bumerangs, kam die australische Variante, die oft aus Knochen oder Holz bestand, nicht zwingend zu ihrem Ausgangsort zurück. Scheint also ganz so, als hätten die Macher_innen von Boomerang Fu sich an dem klassischen Wurfgerät orientiert: Hier setzen wir Geschosse nämlich definitiv nicht zum Spaß, sondern zur knallharten Jagd ein. Die Jagd auf unsere Freunde, die kurzzeitig gerne zu Feinden werden dürfen. Denn in dem physikbasierten Partyspiel könnt ihr lokal mit bis zu sechs Spieler_innen gegeneinander antreten. Drei verschiedene Modi stehen zur Auswahl: Jeder gegen jeden (völlige Eskalation inklusive Reizüberflutung), in Teams gegeneinander spielen (moderate Eskalation inklusive Allianzbildung) und Goldener Bumerang (extrem konzentrierte Eskalation gegen denjenigen, der den goldenen Bumerang in seinem Besitz hat).

Zumindest der Streit darum, wer welche Spielfigur bekommt, dürfte sich in Grenzen halten. Denn süß sind sie wirklich alle – und es ist für jeden etwas dabei: Vom hipsterigen Avocado-Fan über den_die fleischeslustige_n Bacon-Liebhaber_in bis zum_zur classic Toastbrot-Verehrer_in steht für jede_n der passende Charakter zur Auswahl. Dadurch, dass die so auffällig und farbenfroh sind, könnt ihr sie auch in wuseligen Spielsituationen gut auseinander halten. Und wuselig wird es auf jeden Fall. Sobald das Startsignal ertönt, heißt es: „Bumerangs los!“ Jeder versucht, sich möglichst geschickt vor den anderen zu verstecken oder selbst einen Angriff zu starten. Nur wer am Ende übrig bleibt, bekommt den Punkt. Dabei könnt ihr euren Bumerang entweder werfen und eure Gegner damit in feine Scheibchen schneiden, oder ihr greift im Nahkampf mit einem Hieb an. Das ist vor allem praktisch, wenn ihr euer Wurfgeschoss gerade nicht zur Hand habt, euch aber trotzdem irgendwie verteidigen wollt.

Ich mach mir die Spielewelt, wie sie mir gefällt

Ich habe leider eine ganze Weile gebraucht, bis ich gecheckt habe, wie viele Möglichkeiten Boomerang Fu bietet, das Gameplay an meine persönlichen Vorlieben anzupassen. Ihr könnt zum Beispiel auswählen, wie lang eure Spielrunde sein soll, welche Bedingung zum Sieg führt oder welche Power-Ups zur Verfügung stehen sollen. Letztere haben es nämlich teilweise echt in sich und können den Spielfluss extrem beeinflussen. Es gibt positive Fähigkeiten wie „Koffeiniert“, die euren Spielcharakter schneller machen, aber auch negative wie „Verwirrt“. Die sorgen dafür, dass ihr die Kontrolle über eure Figur verliert und ihr einfach wie wahnsinnig aus dem Spielfeld rennt, was letzten Endes zum Tod führt. Die Fähigkeit Multi-Bumerang ist so mächtig, dass sie die Gewinnchancen ihres Besitzers extrem erhöht. Gegen einen Bumerang, der sich während des Flugs in etliche kleine Bumerang-Killer verwandelt, ist schwer anzukommen. Dass dem Spielenden selbst überlassen wird, welche Power-Ups er zulassen möchte, finde ich deswegen sehr praktisch.

Durch diese Anpassungsmöglichkeiten könnt ihr also den Schwierigkeitsgrad eurer Spielrunde noch einmal deutlich beeinflussen. Bevor mir das klar war, hat mich der „Jeder gegen jeden“ Modus einfach nur extremst gestresst. Meistens war ich so reizüberflutet, dass ich als erste gnadenlos in der Mitte zerteilt wurde. Ohne Gnade, denn nach einem Treffer ist direkt Schluss. Dann kam der schlimmste Part: Ich musste warten, bis die Runde vorbei war. Wenn ich eines schlimmer finde, als als Erste zu sterben, dann, danach auch noch warten zu müssen. Da ein Treffer reicht, um zu sterben, hält sich die Zeit bis zum Rundenende natürlich in Grenzen. Wenn ihr aber (wie ich) einer dieser Menschen seid, der sein Handy rausholt, weil die Bahn die Dreistigkeit besitzt, eine ganze Minute Verspätung zu haben, dann ist jedes Warten zu langes Warten.

Hasst euch – und habt Spaß dabei!

Eine weitere Sache, die ich viel zu spät gerafft habe, war, dass der Bumerang per Knopfdruck zurückgeholt werden kann. Oft war ich einfach nur entnervt, wenn mein kleines Wurfgerät für mich unerreichbar im Wasser umhergetrieben ist und ich mich meinem vermeintlichen Schicksal ergeben musste. Tja, eigene Dummheit, würde ich sagen. Vielleicht wäre ein ausführlicheres Tutorial hilfreich gewesen, um auch die etwas verpeilteren Spieler_innen abzuholen. Viel mehr Spaß hatte ich dagegen beim Team Modus. Hier wurde zum einen durch eine farbliche Markierung der Figuren deutlich, wen ich abmetzeln muss. Zum anderen musste ich nicht permanent in Lauerstellung sein, weil ich mich durch meine Teamkameraden ein bisschen beschützter gefühlt habe. Einziger Nachteil: Wenn ihr nicht wie ich mit Bots, sondern mit echten Freunden spielt, kann sich durch Grüppchenbildung echte Endzeitstimmung ausbreiten. Dann vielleicht lieber mitten in die Fresse rein und jeden gegen jeden antreten lassen. Dann hasst ihr euch wenigsten alle gegenseitig.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Optik. Nicht nur die Charaktere mit ihren großen Kulleraugen, auch die Orte in den verschiedenen Leveln sind sehr bunt und detailliert. Aber auch wenn jede Kulisse ihre eigenen Kniffe und Herausforderungen mit sich bringt, hätte ich mir ein bisschen mehr Abwechslung gewünscht. Ich als absolutes Weichei finde natürlich besonders gut, dass ich hier zwar Begriffe wie „abmetzeln“ verwende, sich das „Töten“ durch den niedlichen Stil aber absolut nicht brutal anfühlt. Ein bisschen Mitleid mit sterbenden Gegnern hatte ich aber trotzdem. Vor allem wegen der vielen kleinen Details, zum Beispiel die Milchflasche, die langsam ausläuft und auf dem Boden eine kleine Milchlache hinterlässt, wenn sie von einem Bumerang getroffen wird. Den Namen Partyspiel hat Boomerang Fu absolut verdient. Ich bin mir sicher, dass ihr damit jede lame Party herumreißen und jede grandiose Party noch ein bisschen besser machen könnt.

7/10 🥑

Developer/Publisher: Cranky Watermelon
Genre: Multiplayer, Partygame
Team: Paul Kopetko (Design, Entwicklung), Julian Wilton (Art Director), Gavin Kusters, Teja Godson (3D Art)
Veröffentlichung: 13. August 2020 (Steam, Xbox One, Switch)

*Anmerkung der Chefredakteurin: Offensichtlich nicht! Jeglicher Tier-Content geht immer – ohne Ausnahme! Immer diese Verschwörungsmythen. 

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